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Kleinunternehmerregelung: So kann die GmbH profitieren

Geschäftsführer lässt seine GmbH als Kleinunternehmer erfassen
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 10.10.2017

Dass Einzelunternehmer sich nur bei geringen Umsätzen umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer registrieren lassen können, ist bekannt. Doch wie sieht es bei einer GmbH aus und welche steuerliche Pflichten muss der Geschäftsführer der GmbH trotz möglicher Kleinunternehmerregelung erfüllen?

Die GmbH als Kleinunternehmer?


Auch eine GmbH kann sich umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer nach § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG beim Finanzamt erfassen lassen. Der Vorteil: Der Kleinunternehmer kann seine Rechnungen ohne Umsatzsteuer stellen, kann aber im Gegenzug auch keine Erstattung der Vorsteuer aus den an ihn gerichteten Eingangsrechnungen beantragen.

Praxis-Tipp: Unter Umständen kann es sinnvoll sein auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten, um die Vorteile des Vorsteuerabzugs nutzen zu können. Aber Achtung: Ein Unternehmer, der wegen hoher Vorsteuererstattungen freiwillig von der Kleinunternehmerregelung zur Regelbesteuerung wechselt, ist 5 Jahre lang an die Regelbesteuerung gebunden!

Voraussetzungen für die Anerkennung der GmbH als Kleinunternehmer sind, dass

  • der Umsatz im Vorjahr nicht mehr als 17.500 EUR betragen hat und
  • der Umsatz im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 EUR betragen wird.

Überschreitet der Vorjahresumsatz die 17.500-EUR-Grenze, muss ab dem nächsten 1.1. ohne Wenn und Aber zur Regelbesteuerung übergangen werden. Das gilt selbst dann, wenn klar ist, dass der Umsatz des laufenden Jahres wieder unter 17.500 EUR liegen wird.

Wichtig:

  • Der Gesamtumsatz von 17.500 EUR und voraussichtlich 50.000 EUR bezieht sich auf den Ist-Brutto-Umsatz, also nur auf tatsächlich vereinnahmte Umsätze. 

  • Die private Nutzung des Firmenwagens erhöht den Gesamtumsatz im Rahmen der Kleinunternehmerregelung nicht (BFH, Urteil v. 15.9.2011, Az. V R 12/11).- Selbst wenn eine GmbH im Jahr 2016 die 17.500-EUR-Grenze leicht überschritten hat, bedeutet das noch lange nicht das Aus für die Kleinunternehmerregelung für 2017. Denn der Umsatz aus dem Verkauf von Anlagevermögen rechnet nicht zum Gesamtumsatz im Sinn der Kleinunternehmerregelung.

    Beispiel: Eine Kleinunternehmer-GmbH ermittelt für 2016 einen Umsatz von 19.000 EUR. Doch in diesem Gesamtumsatz steckt ein Verkaufsumsatz von 4.000 EUR für den Verkauf von Anlagevermögen. Da der Umsatz im Sinn der Kleinunternehmerregelung somit also 2016 nur bei 15.000 EUR liegt, klappt es mit der Kleinunternehmerregelung auch 2017 – vorausgesetzt der voraussichtliche Umsatz 2017 überschreitet die 50.000-EUR-Grenze nicht.

  • Verwendet ein Kleinunternehmer einen Quittungsblock, in dem steht „inklusive 19% Umsatzsteuer“, schuldet er die Umsatzsteuer nach § 14c UStG, wenn der Empfänger der Quittung dadurch zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.

Was gilt bei der GmbH-Gründung?
Existenzgründer erhalten vom Finanzamt einen Gründerfragebogen, in dem der Gründer nach voraussichtlichem Umsatz und Gewinn gefragt wird. Gibt der Gründer für das Erstjahr einen voraussichtlichen Umsatz von mehr als 17.500 EUR an, trifft die Kleinunternehmerregelung auf ihn nicht mehr zu. Wird eine GmbH während des Jahres gegründet, gelten 2 Besonderheiten:

  • Die Kleinunternehmer-Regelung nach § 19 UStG ist nur anzuwenden, wenn der voraussichtliche Umsatz dieses Erstjahres nicht mehr als 17.500 EUR beträgt.
  • Das Finanzamt rechnet den prognostizierten Umsatz auf 12 Monate hoch.

Beispiel: Die XY-GmbH nimmt am 1.4.2016 ihre Tätigkeit auf. In den Monaten April bis Dezember erwartet die Firma 17.000 EUR Umsätze. Folge: Die Firma XY-GmbH kann sich nicht als Kleinunternehmerin beim Finanzamt erfassen lassen, weil der auf 12 Monate hochgerechnete Umsatz 22.667 EUR beträgt (17.000 EUR x 12/9).

Steuerliche Behandlung der Kleinunternehmer-GmbH

Erfüllt eine GmbH die Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG und lässt sich beim Finanzamt dementsprechend erfassen, hat das folgende Konsequenzen:

  • In ihren Ausgangsrechnungen darf die GmbH als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweisen.
  • Ein Vorsteuerabzug aus Eingangsrechnungen scheidet im Gegenzug ebenfalls aus.
  • Die GmbH muss als Kleinunternehmerin für ihre Umsätze keine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einreichen.

Praxis-Tipp: Umsatzsteuerjahreserklärung trotz Kleinunternehmerregelung ein Muss! Was kaum jemand weiß: Trotz Erfassung als Kleinunternehmer erwartet das Finanzamt von der GmbH eine Umsatzsteuerjahreserklärung. Der Geschäftsführer der GmbH ist also verpflichtet, in den Zeilen 22 bis 25 Angaben zum Vorjahresumsatz und zum Umsatz des laufenden Jahres anzugeben.

Problemfall: Umsatzsteuerjahreserklärung Gibt der Geschäftsführer einer GmbH nun für die Kleinunternehmer-GmbH eine Umsatzsteuerjahreserklärung ab, übersieht die Zeilen 22 bis 25 und trägt die Umsätze auf den folgenden Seiten der Umsatzsteuerjahreserklärung ein, wird das Finanzamt auf die Aufgabe der Kleinunternehmerregelung schließen und für die angegebenen Umsätze Umsatzsteuer erfassen.

Folge: Die fatale Folge bei der unterstellten „freiwilligen“ Abwahl der Kleinunternehmerregelung: Die GmbH ist 5 Jahre an diese Option gebunden und kann dann erst wieder zur Kleinunternehmerregelung zurückkehren. In der Praxis kommt das häufig vor.

Praxis-Tipp: Der Bundesfinanzhof hat nun klargestellt, dass das Finanzamt nachfragen muss, ob durch die Einreichung der Umsatzsteuerjahreserklärung bei Ausfüllen der falschen Kennziffern die Option zum Wegfall der Kleinunternehmerregelung ausgeübt werden soll. Ohne Nachfrage des Finanzamts gilt weiterhin die Kleinunternehmerregelung des § 19 UStG (BFH, Urteil v. 24.7.2013, Az. XI R 14/11).

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