Lohnzusatzleistungen: So binden Sie wertvolle Mitarbeiter erfolgreich an Ihr Unternehmen

Wertvolle Mitarbeiter erfolgreich an das Unternehmen binden
Aktualisiert am: 27.08.2018

Der Konkurrenzkampf um talentierte und engagierte Mitarbeiter ist hart. Das Problem dabei: Allein über die Höhe von Lohn oder Gehalt können Kleinunternehmen meist nicht mit zahlungskräftigeren Konzernen konkurrieren. Trotzdem gibt es ein paar Stellschrauben, wie Sie wertvolle Mitarbeiter dauerhaft an Ihr Unternehmen binden können. Der Königsweg: Wertschätzung und individuelle Lohnzusatzleistungen. Die besten Bausteine finden Sie hier.

Der Gedanke kommt ursprünglich aus den USA und ist als „Cafeteria-System“ bekannt. Die Idee dahinter: Sie bieten eine Reihe steuerbegünstigter Lohnzusatzleistungen an, aus denen sich Ihre Mitarbeiter dann die für sie passenden Bausteine auswählen – so wie an der Theke einer Cafeteria. Der Vorteil: Viele dieser Leistungen – vom Fahrtkosten- über den Essenszuschuss bis zu den Kinderbetreuungskosten – sind steuerlich subventioniert.

Das bedeutet: Ihrem Mitarbeiter bleibt netto mehr, als wenn Sie ihm den gleichen Betrag in Form einer einfachen Gehaltserhöhung zukommen lassen. Darüber hinaus zeigen Studien: Mitarbeiter wissen solche Bemühungen zu schätzen und wechseln auch bei besseren Angeboten weit weniger schnell den Job. Allerdings hat dieses Vorgehen auch zwei Nachteile: Zum einen erhöht sich der Verwaltungsaufwand, zum anderen erwirbt Ihr Mitarbeiter natürlich geringere Ansprüche auf Renten- und Sozialleistungen als bei einer vergleichbaren Erhöhung des Bruttogehalts.

1. Lohnzusatzleistungen: Die Vorteile im Detail

1.1. Motivation: Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt

Gerade in Kleinunternehmen haben langjährige Mitarbeiter häufig ein sehr feines Gespür dafür, wie das Geschäft läuft. Sie wissen, dass Sie als Geschäftsführer eines kleinen Bauunternehmens nicht das gleiche Gehalt zahlen können wie der Baukonzern Hochtief. Umso mehr schätzen sie es, wenn der Chef sich um Ausgleich bemüht: Der alleinerziehende Vater erhält den abgabenfreien Kindergartenzuschuss, und kann im Notfall auch mal unbürokratisch ein paar Tage zuhause am Laptop arbeiten; der talentierte junge Schreinergeselle freut sich über den Essenszuschuss und das schicke iPhone, das ihm der Chef spendiert. Allein das Angebot solcher Optionen hat – unabhängig vom finanziellen Aspekt – einen positiven Effekt. Denn: der Mitarbeiter fühlt sich als Individuum wahrgenommen und wertgeschätzt.

1.2. Kaufkrafterhöhung: So bleibt Ihrem Mitarbeiter mehr auf dem Konto

Da die alternativen Vergütungsbausteine in der Regel abgabenfrei oder zumindest abgabenbegünstigt sind, ergibt sich aus Sicht des Mitarbeiters eine reale Kaufkrafterhöhung gegenüber der klassischen Vergütung. Sprich: Obwohl sich sein Bruttogehalt nicht verändert, bleibt ihm netto deutlich mehr Geld zur freien Verfügung. Hierzu ein Beispiel


Beispiel:
Peter Fleißig ist verheiratet und hat ein 4-jähriges Kind, das im Kindergarten betreut wird. Die monatlichen Betreuungskosten betragen 90 Euro. Peter soll ab Januar eine 3%ige Lohnerhöhung ausgehend von seinem derzeitigen Monatsbruttogehalt von 3000 Euro erhalten. Die Erhöhung entspricht 90 Euro im Monat und soll für ihn optimiert werden.

Alternativ zur „klassischen“ Bruttolohnerhöhung von 90 Euro (was bei Peter zu einer Nettolohnerhöhung von ca. 50 Euro führen würde), kann er nun den Kindergartenzuschuss in Höhe von ebenfalls 90 Euro wählen. Da dieser Zuschuss abgabenfrei ist (Es entfallen also keine Lohnsteuern und keine Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung), erhält er gegenüber einer klassischen Bruttolohnerhöhung monatlich 40 Euro mehr Kaufkraft.

Anders ausgedrückt: Bei der Bruttolohnerhöhung von 90 Euro müsste Peter noch 40 Euro seines Nettolohns aufwenden, um den Kindergarten zu bezahlen. Wenn er dagegen den Kindergartenzuschuss wählt, hat er diesen Betrag zur freien Verfügung.

5 Lohnzusatzleistungen, die Sie schnell umsetzen können

Mit Lohnzusatzleistungen motivieren Sie Ihre Mitarbeiter und binden Sie an Ihr Unternehmen. Hier finden Sie die 5 besten Optimierungsbausteine!

2. Auswirkungen der Lohnzusatzleistungen auf Renten- und Sozialleistungen

Der Erfolg von Entgeltoptimierung durch Lohnzusatzleistungen liegt im Wesentlichen darin, dass abgabenpflichtiges Entgelt durch abgabenfreies oder -begünstigtes Entgelt ersetzt wird. Die Folge: aus diesem Entgelt (Lohn oder Gehalt) werden dann keine (oder weniger) Sozialversicherungsbeiträge abgeführt, sodass der Mitarbeiter im Gegenzug natürlich auch geringere Ansprüche zum Beispiel für Rente, Arbeitslosengeld und Krankengeld erwirbt.

Für viele Mitarbeiter gerade in den unteren Lohngruppen ist das kein Problem, weil für sie die Kaufkrafterhöhung heute wichtiger ist als das Risiko niedrigerer Ansprüche in der Zukunft. Hat ein Mitarbeiter diesbezüglich jedoch Bedenken, gibt es auch hierfür einen Lösungsansatz. Um die oben beschriebenen Nachteile geringerer Renten- und Sozialversicherungsansprüche zu kompensieren, können sowohl der Arbeitgeber als auch der Mitarbeiter etwas unternehmen.

Entgeltoptimierung bringt nicht nur für den Mitarbeiter Kostenvorteile, sondern auch für den Arbeitgeber. Dieser spart je nach Baustein bis zu 20%, was ungefähr dem Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung entspricht. Diesen Vorteil können Sie an den Mitarbeiter weitergeben – z.B. als ebenfalls abgabenfreien Arbeitgeber-Zuschuss für eine betriebliche Altersvorsorge. Je nach Sicherheitsbedürfnis des Mitarbeiters kann dieser einen Teil seines höheren Nettogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge investieren. Im obigen Beispiel könnte er einen Teil der gegenüber einer klassischen Bruttolohnerhöhung gewonnen Summe in eine betriebliche Altersvorsorge investieren.

Diese Investition resultiert vollständig aus den Vorteilen der Entgeltoptimierung und kostet im Optimalfall weder Arbeitgeber noch Mitarbeiter einen Cent. Ein weiterer Vorteil: Der Mitarbeiter macht sich damit ein Stück unabhängiger von der gesetzlichen Rentenversicherung.

Übrigens: Die Sozialleistung „betriebliche Altersvorsorge“ kann einen starken Einfluss auf die Bindung Ihrer Mitarbeiter haben.

3. Lohnzusatzleistungen richtig einsetzen: Darauf müssen Sie achten

Nahezu alle alternativen Entgeltbausteine bzw. Lohnzusatzleistungen müssen „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ gewährt werden. Dies ist eine Vorgabe des Gesetzgebers, um zu verhindern, dass bereits bestehende Lohnansprüche in lohnsteuerfreie umgewandelt werden.

Bevor Sie Lohnersatzleistungen einführen, ist es ohnehin ratsam, sich fachkundigen Rat einzuholen. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie sich im aktuell geltenden gesetzlichen Rahmen bewegen. Eine Übersicht über 5 schnell umzusetzende Lohnzusatzleistungen finden Sie hier.

Was ist der ohnehin geschuldete Arbeitslohn?

Dieser Begriff definiert den Anspruch auf Entgelt, den der Mitarbeiter bereits hat. Der Anspruch kann sich ergeben aus:

  1. Mindestlohn nach Mindestlohngesetz
  2. Tariflohn bei entsprechender Tarifbindung
  3. Arbeitsvertrag
  4. Betrieblicher Übung

Beispiel: Ein Mitarbeiter arbeitet bei einem technischen Betrieb. Für die dem Betrieb zugehörige Branche existiert ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag. Laut diesem Vertrag steht diesem Mitarbeiter ein monatliches Bruttoentgelt von 2500 Euro zu.

Es gibt in der Lohn- und Entgeltabrechnung drei verschiedene Bruttowerte: 

  1. Das Steuerbrutto. Dieser Wert enthält nur die steuerpflichtigen Entgeltbestandteile.
  2. Das Sozialversicherungsbrutto. Dieser Wert enthält nur die sozialversicherungspflichtigen Entgeltbestandteile und deckt sich weitgehend mit dem Steuerbrutto.
  3. Das Gesamtbrutto. Im Gesamtbrutto sind neben den steuer- bzw. sozialversicherungspflichtigen Entgeltbestandteilen auch die steuer- bzw- sozialversicherungsfreien Bausteine enthalten.

Maßgeblich für die Frage, was der ohnehin geschuldete Arbeitslohn ist, ist fast immer das Steuerbrutto. Beachten Sie somit bei Ihren Optimierungsüberlegungen stets die folgende Optimierungsregel:

Das monatliche steuerpflichtige Bruttoentgelt (finden Sie auf der Entgeltabrechnung unter „Steuerbrutto“) darf nach der Entgeltumwandlung nicht niedriger sein als zuvor.

Sie dürfen also abgabenfreie oder abgabenbegünstigte Entgeltbausteine in folgenden Fällen einsetzen:

  1. bei Lohnerhöhungen jenseits des ohnehin geschuldeten Arbeitslohns
  2. bei neuen Mitarbeitern für Lohnbestandteile jenseits des ohnehin geschuldeten Arbeitslohns.

Was nicht geht, ist dass Sie z. B. das Steuerbrutto von 2500 Euro auf 2400 Euro absenken und danach wieder mit steuerfreien Bausteinen auffüllen (unerlaubte Entgeltumwandlung). Sondern Sie dürfen nur oberhalb der 2500 Euro optimieren und nur z. B. bei einer übertariflichen Lohnerhöhung.

Wichtig: Die Entgeltoptimierung ist meist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlich verlaufender Prozess. Ihre Optimierungsstrategie wird sich auszahlen, wenn Sie dafür sorgen, dass zukünftig jeder Mitarbeiter unter unterschiedlichen Lohnersatzleistungen die für ihn passende auswählen kann.

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