Wie erstelle ich einen Wirtschaftsplan? /fileadmin/_processed_/6/7/csm_Wirtschaftsplan-erstellen_9b5df0e1f7.jpg 2017-07-26 Lexware

Wie erstelle ich einen Wirtschaftsplan?

Die operative Planung Ihres Unternehmens: Schritt für Schritt
Von Rudolf Schüller
Aktualisiert am: 26.07.2017

Der Wirtschaftsplan ist das Zahlenwerk, das Ihre Unternehmensplanung beschreibt und belegt. Ihr Businessplan interessiert Visionäre, der Wirtschaftsplan Banker. Er behandelt die gesamte operative Planung eines Unternehmens. Der Wirtschaftsplan erstreckt sich meist auf das kommende Jahr, eventuell auf 2 Jahre.

Wirtschaftsplan: Inhalt

Wenn Sie einen Wirtschaftsplan erstellen, ist Ihr erster Schritt die Planung. Legen Sie fest, welche Ziele mit welchen Mitteln in einem bestimmten Zeitraum durch wen zu erreichen sind. Die einzelnen Teilpläne müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass sich ein organisches Gesamtwerk ergibt: der Wirtschaftsplan.

Der Wirtschaftsplan ist das Sammelwerk mit den Sollzahlen für verschiedene Teilpläne (Absatz-, Finanz-, Produktions- und Einkaufsplan etc.). Die darin enthaltenen Soll-Zahlen über Produktionsmengen, Lieferzeiten, Plankosten, Einnahmen, Ausgaben etc. werden während und nach Ablauf des Planabschnittes mit den Ist-Zahlen verglichen.

  • Absatzplan
    In Ihrem Wirtschaftsplan legen Sie im Absatzplan fest, welche Produkte Sie wann an welche Kunden in welchen Regionen oder Sparten verkaufen wollen.

  • Produktionsplan
    Aus den geplanten Absatzmengen und den vorhandenen Sachmitteln (Maschinen / Personal) ermitteln Sie die Vorgaben für die Produktion und können so auch beispielsweise Lieferzeiten ermitteln.

  • Einkaufsplan
    Aus der geplanten Produktionsmenge können Sie die Einkaufsmengen und -termine für Ihren Wirtschaftsplan ermitteln: Hierzu müssen Sie bei der geplanten Produktionsmenge nur noch die Vorräte und Mindestbestände an Rohstoffen und Teilfertigwaren einkalkulieren.

  • Personalplan
    Im Personalplan berücksichtigen Sie die Anforderungen aus der Produktion und den übrigen Bereichen des Unternehmens und legen fest, wann Sie wie viele Mitarbeiter in welchen Bereichen benötigen. Bei kurzfristigen Spitzen können Sie so rechtzeitig den Einsatz von Leiharbeitern planen und bei längerfristigem Bedarf frühzeitig die Einstellung neuer Mitarbeiter angehen. Eine genaue Personalplanung im Wirtschaftsplan hilft somit auch, frühzeitig die Personalkosten im Blick zu haben.

  • Investitionsplan
    Durch die Kenntnisse über geplante Produktion und vorhandenes Personal können Sie nun für Ihren Wirtschaftsplan ermitteln, was eventuell zu ersetzen oder neu anzuschaffen ist. Ob es sich dabei um Maschinen für die Produktion, Fahrzeuge oder anderes längerfristig zu nutzendes Inventar handelt, spielt keine Rolle; alle diese Investitionen gehören in diesen Teilplan Ihres Wirtschaftsplans.

  • Kapitalbedarfsplan
    Aus dem Absatzplan ergeben sich die Umsätze, aus dem Produktions-, Einkaufs-, Personal- und Investitionsplan die Kosten. Die Finanzplanung liefert die finanziellen Auswirkungen dieser Pläne. Der Kapitalbedarfsplan zeigt, welche finanziellen Anforderungen wann zu erfüllen sind und gibt den Input für die Finanzierungsplanung.

  • Rentabilitätsplan
    Der Rentabilitätsplan zeigt Ihnen aus den Angaben der Absatz-, Produktions- und Einkaufsplanung, welche Erträge aus dem Kerngeschäft erwirtschaftet werden.

  • Liquiditätsplan
    Ausreichende Liquidität hat bei der Führung eines Unternehmens absolute Priorität. Die Liquiditätsplanung für die nächsten 4 bis 12 Wochen ergibt sich aus den vorangegangenen Teilplänen. Falls in Ihrem Wirtschaftsplan hier Engpässe erkennbar werden, können Sie rechtzeitig steuernd eingreifen.

  • Finanzplan
    Rentabilitäts- und Liquiditätsplan fließen im Finanzplan zusammen.

  • Plan-Gewinn- und Verlustrechnung
    Die Zusammenführung der Teilpläne ermöglicht in Ihrem Wirtschaftsplan die Erstellung einer Plan-Gewinn- und Verlustrechnung, die den gesamten Betrieb umfasst. Davon ausgehend werden Abweichungen in den einzelnen Teilplänen (meist vor allem im Absatzplan) analysiert.

  • Planbilanz
    Aus den Absatz-, Einkaufs- und Finanzplänen kann abschließend die Planbilanz erstellt werden. Sie stellt die Entwicklung der einzelnen Bilanzpositionen über die Planungsperiode dar. Besondere Aufmerksamkeit liegt im Wirtschaftsplan auf der Ermittlung der Positionen Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten, da diese häufig am schwierigsten zu planen sind. Daher empfiehlt sich auch hier eine genaue Dokumentation der Planungsgrundlagen, soweit sich diese nicht zwingend aus den Teilplänen Ihres Wirtschaftsplans ergeben.

Wirtschaftsplan: Aufbau

Als Gesamtplan enthält der Wirtschaftsplan eine Übersicht, die meist vor den Einzelplänen zu finden ist. Darin werden zuerst die Eckdaten des Unternehmens dargestellt. Diese umfassen eine kurze Aufstellung des Unternehmensgegenstandes und der Aufgabengebiete der Firma. Danach folgt ein Bericht über die Ertragslage der Gesellschaft. Darin enthalten sind Daten zu den Umsatzerlösen, Leistungen, Aufwendungen und der Erläuterung des geplanten Jahresüberschusses.

Weiterhin sollte der Vorbericht Angaben zur Vermögens- und Kapitalstruktur beinhalten. Dabei wird darauf eingegangen, in welcher Finanzlage sich das Unternehmen befindet, welche Investitionen voraussichtlich getätigt werden und ob Darlehen durch die Firma in Anspruch genommen wurden. Als letzten Punkt wird in diesem Teil des Wirtschaftsplans die Liquiditätssituation angesprochen. Im Vergleich zu den Vorjahren wird an dieser Stelle kurz die Zahlungsfähigkeit beurteilt. Anschließend kommen die einzelnen Teilpläne.

Wirtschaftsplan: Ziele festlegen

Zunächst müssen Sie in Ihrem Wirtschaftsplan möglichst detaillierte Ziele zu Absatz, Einkauf, Personal usw. festlegen. Da es Ziele geben wird, die miteinander in Konkurrenz stehen (beispielsweise eine Budgetierung des Personaleinsatzes mit den Produktionsmengen), wird eine Prioritätenliste ausgearbeitet, welche die wichtigen Ziele an die erste Stelle bringt. Die bestehenden Widersprüche können im Wirtschaftsplan frühzeitig erkannt und beurteilt werden. Danach werden Problemlösungen ausgearbeitet. Auf Basis der bevorzugten Ziele kann die Unternehmensentwicklung prognostiziert werden. Diese befindet sich, je nach Festlegung, im Rahmen der operativen (1 -4 Jahre) oder strategischen (ab 5 Jahre) Planung.

Praxis-Beispiel zum Wirtschaftsplan

Die Schulz GmbH hat erstmals einen Wirtschaftsplan aufgestellt. Zunächst haben die beiden Geschäftsführer übers Wochenende die Unternehmensziele für die nächsten Jahre erarbeitet. Anschließend wurden die geplanten Ergebnisse tabellarisch den Vorjahresergebnissen gegenübergestellt. Nach einer Vollständigkeits- und Plausibilitätsprüfung der Daten ergab sich, welche Ziele noch geändert oder angepasst werden mussten.

Auf dieser Basis entstand ein Gesamtplan, der die Grundlage für den Aufbau der Plan-GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) und der Planbilanz bildete. Aus diesen Informationen wurde nun der Wirtschaftsplan in tabellarischer und grafischer Form angefertigt. Eine regelmäßige Überprüfung der Zielerreichung und der Untersuchung der Abweichungen auf ihre Gründe ermöglicht es dem Unternehmen, die Planung aktuell zu halten; außerdem kann die Geschäftsleitung so Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennen und gegensteuern.


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5