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Betriebsaufspaltung: Chancen und Risiken für die GmbH

Chancen und Risiken von Besitz- und Betriebsunternehmen
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 03.06.2019

Eine Betriebsaufspaltung ist gerade für kleine und mittelständische GmbHs eine Gestaltungsmöglichkeit zur Steuerminderung. In der Praxis findet eine Aufspaltung in ein Besitzunternehmen und ein Betriebsunternehmen statt. Lesen Sie hier, was man genau unter einer Betriebsaufspaltung versteht, welche Vorteile sie bietet und welche Gefahren drohen.

Grundsatz einer Betriebsaufspaltung

Die Betriebsaufspaltung ist nicht gesetzlich geregelt, sondern ist durch zahlreiche Rechtsprechungen und Verwaltungsanweisungen entstanden. Sie entsteht durch die Aufteilung eines bisher einheitlichen Unternehmens auf mindestens zwei selbständige Rechtsträger. Die bei der Aufspaltung entstandenen Unternehmen werden je nach ihrer Funktion als Besitz- oder Betriebsunternehmen geführt. Die Betriebsaufspaltung ist am häufigsten im Bereich der Vermietung anzutreffen, beispielsweise, wenn eine GmbH ein Betriebsgrundstück mietet. Die Besitzgesellschaft ist hier für die Vermietung des wesentlichen Anlagevermögens zuständig, die GmbH als Betriebsgesellschaft regelmäßig für das Tagesgeschäft.

Beispiel für eine Betriebsaufspaltung:

Ein Einzelunternehmer gründet eine GmbH, die die Geschäfte seines Einzelunternehmens weiterführt. Die GmbH mietet dabei sämtliche Anlagegegenstände  (Grundstücke, Maschinen Patente, etc.) des Einzelunternehmens an. Folge: Sollte die GmbH in finanzielle Schieflage kommen und insolvent werden, zeigt die Betriebsaufspaltung ihren eigentlichen Vorteil. Die Gläubiger haben keinen Zugriff auf das Grundstück, weil die GmbH dieses ja nur gemietet hat.

Voraussetzungen für eine Betriebsaufspaltung: Damit eine Betriebsaufspaltung vorliegt, müssen eine sachliche und personelle Verflechtung zwischen dem Besitzunternehmen und dem Betriebsunternehmen vorliegen.

  • Sachliche Verflechtung: Das Besitzunternehmen überlässt die Nutzung seiner Wirtschaftsgüter der Betriebsgesellschaft (Grundstücke, Maschinen, Gebäude).
  • Personelle Verflechtung: Eine oder mehrere Personen beherrschen sowohl das Besitz- als auch als Betriebsunternehmen, so dass sie in beiden Unternehmen einen einheitlichen Geschäfts- und Betätigungswillen durchsetzen können. Die auf beiden Seiten beteiligten Unternehmen müssen also über die Mehrheit der Beteiligung bzw. der Stimmrechte verfügen.

Beispiel Betriebsaufspaltung einer GmbH:

An der Besitzgesellschaft ist Herr Huber beteiligt. An der Betriebsgesellschaft, einer GmbH, sind Herr Huber und Frau Maier zu jeweils 50 % beteiligt. Folge: Es liegt keine Betriebsaufspaltung vor, weil nicht alle Gesellschafter der GmbH auch am Besitzunternehmen beteiligt sind.

Praxis-Tipp: Eine Mustervorlage für einen Pachtvertrag sowie einen Geschäftsführer-Anstellungsvertrag im Rahmen einer Betriebsaufspaltung finden Sie in der Online-Datenbank Lexware gmbh wissen. Darin erhalten Sie ebenfalls eine Checkliste, die Ihnen dabei hilft, ungewollte Betriebsaufspaltungen zu vermeiden.

Vorteile und steuerliche Folgen der Betriebsaufspaltung

Die Betriebsaufspaltung als Möglichkeit der Haftungsbeschränkung für den Fall, dass das Betriebsunternehmen insolvent wird, führt natürlich zu mehreren steuerlichen Konsequenzen. Insbesondere die folgenden steuerlichen Konsequenzen und Vorteile sind hervorzuheben:

  • Das Betriebsunternehmen übt eine gewerbliche Tätigkeit aus und hat einen eigenen Geschäftszweck
  • Auch die Vermietung der Wirtschaftsgüter durch an Besitzunternehmen an das Betriebsunternehmen wird als Gewerbebetrieb behandelt.
  • Die Verträge zwischen Besitz- und Betriebsunternehmen werden bei Einhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes steuerlich anerkannt.
  • Bei der Betriebsaufspaltung wird das Besitzunternehmen meist in der Form eines Einzelunternehmens geführt, weil ja keine Risiken bestehen. In diesem Fall winkt bei der Ermittlung des Gewerbeertrags ein Freibetrag von 24.500 EUR.
  • Die Gewerbesteuer des Besitzunternehmens in der Rechtsform eines Einzelunternehmens oder einer Personengesellschaft wird auf die Einkommensteuer angerechnet. Bei Hebesätzen bis 380 % führt die Anrechnung zu einer Neutralisierung der Gewerbesteuerbelastung.
  • Kommt es beim Besitzunternehmen wegen hoher Abschreibung oder wegen hoher Zinsen bei Fremdfinanzierung zu Verlusten, werden diese den Gesellschaftern zugeordnet. Die Gesellschafter können diese Verluste steuersparend mit ihren übrigen Einkünften verrechnen.

Achtung:Beratung ist unbedingt nötig! Das Thema Betriebsaufspaltung ist sehr kompliziert und vielschichtig. Wer auf der sicheren Seite sein will, braucht einen Fachberater. Denn die Betriebsaufspaltung hat auch Nachteile.

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Nachteile bei Beendigung der Betriebsaufspaltung beachten 

Die meist unterschätzten Gefahren der Betriebsaufspaltung entstehen bei Beendigung der Betriebsaufspaltung. Wenn entweder die sachliche oder die personelle Verflechtung endet, endet auch die Betriebsaufspaltung. Durch Wegfall der sachlichen oder personellen Verflechtung kommt es beim Besitzunternehmen zu einer Betriebsaufgabe, weil das Besitzunternehmen keinen Gewerbebetrieb mehr hat. Es muss also ein Aufgabegewinn versteuert werden. Dabei sind die stillen Reserven der bisher an die Betriebsgesellschaft vermieteten Wirtschaftsgüter zu realisieren.

Achtung: Wird innerhalb der Familie Vermögen übertragen, das an die GmbH vermietet ist, kann es zu einer Betriebsaufspaltung kommen, ohne dass Sie es merken oder Ihr Steuerberater davon weiß.

Die Beendigung der Betriebsaufspaltung kann durch folgende Konstellationen bewusst oder unbewusst ausgelöst werden:

  • Das Besitzunternehmen wird veräußert.
  • Die Betriebsgesellschaft stellt ihren Geschäftsbetrieb ein.
  • Das Insolvenzverfahren wird über das Vermögen der Betriebs-GmbH eröffnet.
  • Ein Gesellschafter scheidet aus der GmbH aus oder verliert seine Mehrheitsstimmrechte.

Praxis-Tipp: Prüfen Sie zusammen mit einem Fachberater, ob sich die mit der Betriebsaufspaltung verbundenen steuerlichen Nachteile durch eine veränderte Vertragsgestaltung oder durch Vermögensübertragungen (z. B. vom Ehegatten auf die Kinder) umgehen lassen.

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