EÜR: Die besten Steuertipps bei Gewinnermittlung nach Einnahmen-Überschussrechnung /fileadmin/_processed_/3/8/csm_Die_besten_Steuertipps_bei_Gewinnermittlung_nach_Einnahmen-UEberschussrechnung__5723345b30.jpg 2017-11-17 Lexware

EÜR: Die besten Steuertipps bei Gewinnermittlung nach Einnahmen-Überschussrechnung

Mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung den Gewinn legal kleinrechnen
Von Ottfried Weiss
Aktualisiert am: 17.11.2017

Ermitteln Sie den Gewinn Ihrer gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit nach der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR), profitieren Sie von zahlreichen Steuerprivilegien. Wir haben die besten Steuerstrategien zusammengestellt, mit denen Sie Ihren Gewinn 2017 für das Finanzamt legal kleinrechnen können.

Das Zufluss- und Abfluss-Prinzip

Bei der Einnahmen-Überschussrechnung 2017 sind nur die im Jahr 2017 abgeflossenen Betriebsausgaben und die zugeflossenen Betriebseinnahmen zu erfassen. Zum Zu- und Abfluss nach § 11 EStG gelten je nach Zahlungsart die folgenden Besonderheiten.

Zahlungsart
Zahlungsart Zeitpunkt des Zuflusses Zeitpunkt des Abflusses
Barzahlung Erhalt des Geldes Hingabe des Geldes
Überweisung Gutschrift auf dem Bankkonto Eingang des Überweisungsträgers bei der Bank
Lastschrift Gutschrift auf Bankkonto Abbuchung vom Bankkonto
Scheck Entgegennahme des gedeckten Schecks Übergabe des Schecks
Kreditkarte Zahlung durch Kreditkarteninstitut Unterschrift auf Zahlungsbeleg bzw. Eingabe PIN
EC-Karte Gutschrift auf dem Konto Unterschrift auf Zahlungsbeleg bzw. Eingabe PIN
Aufrechnung Zeitpunkt der Aufrechnungserklärung Zeitpunkt der Aufrechnungserklärung

Im Jahr geleistete USt-Zahlungen als Betriebsausgabe abziehen

Als Betriebsausgaben dürfen Sie alle im Jahr 2017 geleisteten Umsatzsteuerzahlungen ans Finanzamt als Betriebsausgaben abziehen. Eine Besonderheit gilt für die zum 10.1.2018 fällige, letzte Umsatzsteuervoranmeldung für 2017: Wurde die letzte Umsatzsteuervoranmeldung 2017 pünktlich bis spätestens 10.1.2018 elektronisch ans Finanzamt übermittelt und die Zahlung wurde bis 10.1.2018 geleistet, liegen ausnahmsweise noch Betriebsausgaben des Jahres 2017 vor. Das gilt selbst dann, wenn das Finanzamt die Zahlung beim Lastschriftverfahren erst am 15. oder 16.1.2018 vom Konto abbuchte. Voraussetzung für den Betriebsausgabenabzug 2017 beim Lastschriftverfahren ist allerdings, dass das Abbuchungskonto am Fälligkeitstag – also am 10.1.2018 – ein ausreichende Deckung für die Umsatzsteuerzahlung hatte.

Betriebsausgaben-Plus durch Kreditkartenabrechnung Dezember

Durchforsten Sie doch mal Ihre Kreditkartenabrechnung für Dezember 2017. Wurde Ihnen Ende Januar 2018 von der Kreditkartenfirma eine Abrechnung für Dezember zugeschickt und der Betrag auch erst im Januar 2018 vom Girokonto abgebucht, stellen alle betrieblichen Ausgaben dieser Abrechnung noch Betriebsausgaben des Jahres 2017 dar. Abgeflossen sind die betrieblichen Ausgaben nämlich bereits mit Unterzeichnung des Zahlungsbelegs im Dezember 2017 (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 18.3.2012, 5 K 1875/10).

Dasselbe gilt auch für Zahlungen Ende Dezember mit der EC-Karte, bei der das Girokonto erst 2018 belastet wird. Der Abfluss der Zahlung erfolgt hier beim Bezahlvorgang mit Eingabe der PIN oder im Zeitpunkt der Unterschrift auf dem Zahlungsbeleg.

Wenn Sie keine Bücher führen, haben Sie Anspruch auf Vorsteuerpauschalierung

Da Sie bei der Einnahmen-Überschussrechnung keine Bücher führen müssen, haben Sie ein besonderes Steuerprivileg. Lag Ihr Vorjahresumsatz (also der Umsatz 2016) nicht über 61.356 EUR, dürfen Sie die Vorsteuer im Jahr 2017 ausnahmsweise pauschal ermitteln. Dazu darf je nach Branche ein bestimmter Prozentsatz von den Umsätzen 2017 als Vorsteuer erstattet werden (§ 23 UStG; §§ 69, 70 UStDV, Anlage zu §§ 69, 70 UStDV).

Beispiel: Ihr Umsatz als Möbelschreiner 2016 betrug 60.000 EUR. Der Umsatz 2017 betrug 80.000 EUR. Vorsteuern wurden 2017 – aufgrund geringer Ausgaben – in Höhe von 2.500 EUR erstattet. Das Gesetz gewährt für Möbelschreiner eine Vorsteuerpauschale von 4,9 Prozent. Das bedeutet, Sie bekommen anstatt 2.500 EUR bei der Vorsteuerpauschalierung 3.920 EUR Vorsteuern vom Finanzamt erstattet (Umsatz 2017 x 4,9%).

Gewinnminderung durch Einlagen ins Betriebsvermögen

Haben Sie 2017 Gegenstände wie einen Laptop oder eine Aktentasche privat gekauft und ausschließlich betrieblich verwendet, können Sie diesen Gegenstand 2017 in Ihr Betriebsvermögen einlegen und den Kaufpreis Gewinn mindernd abschreiben. Das funktioniert sogar mit Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenken (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG).

Beispiel: Sie haben im Januar 2017 von Ihrer Familie zu Ihrem Geburtstag einen Laptop im Wert von 999 EUR geschenkt bekommen. Da Sie diesen Laptop zu 100 Prozent betrieblich für Ihr Unternehmen nutzen, gilt er 2017 als ins Betriebsvermögen eingelegt.

Folge: Der Einlagewert von 999 EUR kann auf 3 Jahre verteilt abgeschrieben werden. Das führt zu Betriebsausgaben in den Jahren 2017 bis 2019 in Höhe von jeweils 333 EUR.

Voraussetzung für Abzug des Investitionsabzugsbetrags

Planen Sie in den Jahren 2018 bis 2020 den Kauf eines beweglichen Gegenstandes für Ihren Betrieb, können Sie die voraussichtlichen Investitionskosten bereits 2017 in Höhe von 40 Prozent geltend machen. Grundvoraussetzung für Einnahmen-Überschussrechner: Ihr Gewinn im Jahr 2013 darf vor Abzug dieses Investitionsabzugsbetrags nach § 7g Abs. 1 EStG nicht mehr als 100.000 EUR betragen.

Praxis-Tipp: Liegt der Gewinn 2017 vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags knapp über 100.000 EUR, sollten Sie alle Steuerstrategien, die wir Ihnen in diesem Praxisbetrag an die Hand geben, anwenden, um unter die Höchstgrenze von 100.000 EUR zu rutschen.

Bei Sonderabschreibung gilt der Gewinn des Vorjahres

Haben Sie im Jahr 2017 einen Pkw oder eine Maschine gekauft, steht Ihnen möglicherweise neben der regulären Abschreibung eine Sonderabschreibung von 20 Prozent nach § 7g Abs. 5 EStG zu. Voraussetzung für die Sonderabschreibung in 2017 ist, dass Ihr Gewinn 2016 (also im Vorjahr) nicht über 100.000 EUR lag.

Beispiel: Sie haben 2017 eine Maschine mit einem Kaufpreis von 32.000 EUR erworben, die eine Nutzungsdauer von 8 Jahren hat. Wenn der Gewinn 2016 unter 100.000 EUR lag, profitieren Sie 2017 vom Abzug der Sonderabschreibung.

Folge: Der Gewinn 2017 kann also um die reguläre Abschreibung von 4.000 EUR (32.000 EUR geteilt durch 8 Jahre) und um die Sonderabschreibung von 6.400 EUR (32.000 EUR x 20 Prozent) gemindert werden.

Sonderabschreibung für Pkw: Besonderheiten beachten

Möchten Sie für einen im Jahr 2017 gekauften betrieblichen Pkw die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG abziehen, müssen Sie dem Finanzamt nachweisen, dass dieser Pkw 2017 und 2018 mindestens zu 90 Prozent betrieblich genutzt wird. Dieser Nachweis ist nur erbracht, wenn ein Fahrtenbuch geführt wird oder wenn der Pkw als Dienstwagen einem Arbeitnehmer zur Verfügung steht (FG Sachsen-Anhalt, Urteil v. 12.6.2013, 2 K 1191/12).

Betriebsausgabenabzug für häusliches Arbeitszimmer

Haben Sie keine Büroräume oder haben Sie zwar Büroräume, selbst aber keinen Raum für sich, in dem Sie Ihre Arbeiten verrichten können? Falls ja, so steht Ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Werden Sie also ausschließlich bei Ihren Kunden vor Ort und in Ihrem häuslichen Arbeitszimmer tätig, dürfen Sie für Ihr häusliches Arbeitszimmer bis zu 1.250 EUR pro Jahr als Betriebsausgaben vom Gewinn abziehen (FG Niedersachsen, Urteil v. 15.5.2013, 13 K 230/11).

Achtung: Erfassen Sie die Betriebsausgaben im Zusammenhang mit Ihren häuslichen Arbeitszimmer unbedingt getrennt von den übrigen Betriebsausgaben. Grund: Wenn Sie die Kosten gemeinsam mit den übrigen Betriebsausgaben – ohne zu trennen – erfassen, ist der Betriebsausgabenabzug für das häusliche Arbeitszimmer unzulässig (§ 4 Abs. 7 EStG).

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