Sozialversicherungspflicht des GmbH-Geschäftsführers richtig beurteilen

Geschäftsführer oder Gesellschafter: Was gilt bei der Sozialversicherung?
Aktualisiert am: 22.02.2019

Die Frage der Sozialversicherungspflicht von GmbH-Geschäftsführern ist in der Praxis sehr bedeutsam: Denn sie entscheidet darüber, ob die GmbH von dem Gehalt des Geschäftsführers neben der Lohnsteuer auch Sozialversicherungsbeiträge einbehalten muss und ob sie zusätzlich Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung leisten muss. Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zusammengerechnet können bis zu 40 % des Geschäftsführergehalts ausmachen.

Wann besteht eine Sozialversicherungspflicht für den Geschäftsführer?

Ausnahmen vom allgemeinen Grundsatz, wonach der Geschäftsführer einer GmbH grundsätzlich bei der von ihm vertretenen GmbH abhängig beschäftigt ist, gelten vor allem dann, wenn der Geschäftsführer zugleich an der Gesellschaft beteiligt ist. Entscheidend ist, ob der Geschäftsführer über seine Kapitalbeteiligung einen so entscheidenden Einfluss auf die GmbH besitzt, dass man nicht mehr von einer Weisungsbefugnis der GmbH gegenüber dem Geschäftsführer sprechen kann.

Tipp: Da die Entscheidung, ob die vorgenannten Voraussetzungen im Einzelfall tatsächlich gegeben sind, naturgemäß sehr streitig sein kann, sollten Geschäftsführer unbedingt durch das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung Bund verbindlich klären lassen, ob eine abhängige oder selbstständige Tätigkeit des Geschäftsführers vorliegt.

Entscheidend ist der Umfang der Kapitalbeteiligung.Dabei gelten nach der Rechtsprechung die in der nachfolgenden Tabelle genannten Grundsätze:

Umfang der Kapitalbeteiligung
Umfang der Kapitalbeteiligung Abhängige Beschäftigung (Sozialversicherungspflicht): ja oder nein?
Geschäftsführer ist zu 100 % an der GmbH beteiligt: alleiniger ­Gesellschafter-Geschäftsführer Keine abhängige Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung. Denkbare Ausnahmen: Z. B. alleiniger Gesellschafter-Geschäftsführer kann abhängig beschäftigt sein, wenn er als Treuhänder die Gesellschaftsanteile an der GmbH hält und aufgrund der treuhänderischen Bindung in der Ausübung seiner Gesellschafterrechte vollständig beschränkt ist.
Geschäftsführer ist zu mehr als 50 % an der GmbH beteiligt: Mehrheitsgesellschafter-Geschäftsführer Keine abhängige Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung.Denkbare Ausnahmen: Z. B. Mehrheits-Gesellschafter-Geschäftsführer kann abhängig beschäftigt sein, wenn er als Treuhänder die Gesellschaftsanteile an der GmbH hält und aufgrund der treuhänderischen Bindung in der Ausübung seiner Gesellschafterrechte vollständig beschränkt ist.
Geschäftsführer ist zu 50 % an der GmbH beteiligt: Gesellschafter-Geschäftsführer Keine abhängige Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung. GmbH ist nicht Arbeitgeberin im sozialversicherungsrechtlichen Sinne. Denkbare Ausnahmen: Z. B. Gesellschafter-Geschäftsführer kann abhängig beschäftigt sein, wenn er als Treuhänder die Gesellschaftsanteile an der GmbH hält und aufgrund der treuhänderischen Bindung in der Ausübung seiner Gesellschafterrechte vollständig beschränkt ist
Geschäftsführer hält Kapitalbeteiligung von weniger als 50 %, mit Sperrminorität, d. h. er ist in der Lage, ihn belastende Entscheidungen zu verhindern. Grundsätzlich keine abhängige Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung. Dieser Grundsatz soll selbst dann gelten, wenn ein anderer Gesellschafter ein wirtschaftliches Übergewicht besitzt und dieses auch nutzt. Entscheidend ist der Umfang der Sperrminorität.*
Geschäftsführer ist als Minderheitsgesellschafter ohne Sperrminorität an der GmbH beteiligt, er kann auch nicht aus anderen Gründen faktisch Einfluss auf die Geschicke der GmbH nehmen. Abhängig beschäftigt im Sinne der Sozialversicherung, GmbH führt für den Geschäftsführer Beiträge zur Sozialversicherung ab. Denkbare Ausnahme: bei sog. Familiengesellschaften (s.u.)
Geschäftsführer ist nicht an der GmbH beteiligt, sog. Fremdgeschäftsführer. Abhängig beschäftigt im Sinne der Sozialversicherung, GmbH führt für den Geschäftsführer Beiträge zur Sozialversicherung ab.
Sog. Familiengesellschaften: Geschäftsführer übt tatsächlichen Einfluss auf die Geschicke der GmbH aus Ist der tatsächliche Einfluss eines Gesellschafter-Geschäftsführers einer GmbH größer als der, der ihm aufgrund seiner Kapitalbeteiligung zustehen würde, kann dies, wenn dadurch die Grenze der Sperrminorität überschritten wird, dazu führen, dass eine abhängige Beschäftigung im sozialrechtlichen Sinne verneint wird. Allerdings handelt es sich hier um seltene Ausnahmen, die vor allem gelten, wenn der Geschäftsführer mit dem alleinigen Gesellschafter in gerader Linie verwandt ist. Insbesondere wird eine abhängige Beschäftigung verneint, wenn sich der Geschäftsführer nach dem Gesamtbild wie ein Alleininhaber der GmbH verhält,seine Geschäftsführungstätigkeit von familiärer Rücksichtnahme geprägt ist,der oder die Gesellschafter in keiner Weise von dem ihnen durch ihre Kapitalbeteiligung zustehenden Direktionsrecht Gebrauch machen.

*  Denkbare Ausnahmen:

1. Sperrminorität bezieht sich nur auf die Festlegung der Unternehmenspolitik, die Änderung des Gesellschaftervertrages und die Auflösung der Gesellschaft. In einem solchen Fall kann eine abhängige Beschäftigung trotz der Sperrminorität vorliegen, weil der Geschäftsführer durch die Sperrminorität keinen entscheidenden Einfluss auf die GmbH ausüben kann.

2. Gesellschafter-Geschäftsführer kann abhängig beschäftigt sein, wenn er als Treuhänder die Gesellschaftsanteile an der GmbH hält und aufgrund der treuhänderischen Bindung in der Ausübung seiner Gesellschafterrechte vollständig beschränkt ist.

Achtung: Ist ein Geschäftsführer lohnsteuerpflichtig, bedeutet das nicht automatisch, dass er auch ­sozialversicherungspflichtig ist. Hier handelt es sich um 2 völlig voneinander getrennte Punkte.

Welche Folgen hat eine Falschbeurteilung der Sozialversicherungspflicht des Geschäftsführers? 

Macht die GmbH dabei Fehler, kann das sehr teuer werden: Behält die GmbH irrtümlich keine Sozialversicherungsbeiträge ein und führt dementsprechend keine ab, obwohl der Geschäftsführer sozialversicherungspflichtig ist, haftet die GmbH als Arbeitgeberin für die nicht abgeführten Beiträge.

Bejaht die GmbH bei einem nicht sozialversicherungspflichtigen Geschäftsführer eine Sozialversicherungspflicht und führt deshalb die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge ab, zahlt sie zu hohe Beiträge. Diese werden ihr von den Sozialversicherungsträgern nur im Rahmen der Verjährung erstattet, wenn der Fehler aufgedeckt wird.

Prüft die Einzugsstelle für die Sozialversicherungsbeiträge auch die Pflicht zur Arbeitslosenversicherung?

Nein! Hier hat sich schon mancher Geschäftsführer getäuscht, für den jahrelang in die Arbeitslosen­versicherung eingezahlt wurde. Denn die Arbeitsagentur prüft erst bei Arbeitslosigkeit, ob tatsächlich eine Sozialversicherungspflicht bestand.

Achtung: Wenn keine Sozialversicherungspflicht bestand, hat der Geschäftsführer trotz jahrelanger Beitragszahlungen keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld!

Das Lexware gmbh wissen...

Jetzt für den Gratis-Newsletter anmelden!
Alles Wichtige zu Buchhaltung & Finanzen, Mitarbeiter & Gehalt, Marketing & Vertrieb u.v.m.

War dieser Beitrag hilfreich?
Bitte tragen Sie einen Kommentar ein.