Die Goldene Bilanzregel – Was die betriebswirtschaftliche Kennzahl bedeutet

Die Goldene Bilanzregel, auch goldene Bilanzierungsregel genannt, ist eine wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahl. Als Unternehmer solltest du dich mit dieser Regel auseinandersetzen, denn wenn du dich nicht daran hältst, kannst du in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Außerdem können Banken einem Unternehmen einen Kredit verweigern, wenn es gegen die Regel verstößt. Im folgenden Artikel gehen wir näher darauf ein, was es mit der Goldenen Bilanzregel auf sich hat und wie du sie korrekt anwendest.

Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026
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Definition

Was ist die Goldene Bilanzregel?

Die Goldene Bilanzregel ist eine sogenannte Finanzierungsregel und eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie soll Unternehmern einen schnellen Überblick über den finanziellen Zustand und damit auch über die Liquidität ihres Betriebs verschaffen. So soll verhindert werden, dass Unternehmen wirtschaftlich in eine Schieflage geraten.

Die Goldene Bilanzregel lautet:

„Langfristig gebundenes Vermögen soll langfristig finanziert werden, während kurzfristiges Vermögen, das sogenannte Umlaufvermögen, kurzfristig finanziert werden kann.“

Wann ist die Goldene Bilanzregel erfüllt?

Die Goldene Bilanzregel ist erfüllt, wenn es zur sogenannten Fristenkongruenz kommt. Die Fristenkongruenz besagt, dass langfristig investiertes Anlagevermögen, z. B. Gebäude oder Maschinen, mit langfristigen Mitteln finanziert werden muss, z. B. mit Hypotheken oder anderen Darlehen, während eher kurzfristige Güter (Umlaufvermögen) mit kurzfristig gebundenem Kapital finanziert werden kann, etwa Lieferverbindlichkeiten. Das bedeutet, dass die Kapitalüberlassungsdauer des eingesetzten Kapitals mit der Nutzungsdauer der finanzierten Vermögenswerte übereinstimmen sollte.

Kongruenz in diesem Sinne bedeutet wiederum, dass sich die Herkunft der Mittel (langfristig – kurzfristig) und der Verwendungszweck (langfristig – kurzfristig) decken müssen. Das Verhältnis von Eigenkapital zu Anlagevermögen muss größer oder gleich eins sein, um die Fristenkongruenz zu erfüllen – so die Theorie.

In der Praxis ist es nicht immer möglich, eine vollkommene Fristenkongruenz einzuhalten, etwa wenn eine Anschaffung von Anlagevermögen mehr Geld erfordert als ein Unternehmen Eigenkapital hat. Daher gibt es mehrere Varianten der Formel und man kann sich an branchenüblichen Werten orientieren, um die Fristenkongruenz zu beurteilen.

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Was ist langfristiges Kapital?

Langfristiges Kapital umfasst alle Finanzmittel, die einem Unternehmen über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen. Dazu gehören Eigenkapital und langfristige Verbindlichkeiten wie Anleihen oder langfristige Darlehen. Es dient in der Regel zur Finanzierung von Anlagevermögen und Investitionen, die über mehrere Jahre genutzt werden und trägt zur finanziellen Stabilität des Unternehmens bei.

Wie berechnet man die Goldene Bilanzregel?

Um die Goldene Bilanzregel zu berechnen, kannst du mehrere Formeln heranziehen. Welche du wann einsetzt, hängt davon ab, wie du das Anlagevermögen sowie die Art und Weise der langfristigen Finanzierung definierst. Dadurch ergeben sich verschiedene Deckungsgrade.

Deckungsgrad 1

Den Deckungsgrad 1 bezeichnet man auch als enge Fassung der Finanzierungsregel. Denn hier wird nur das vorhandene Eigenkapital betrachtet, um Anlagevermögen zu finanzieren.

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Die Formel für den Deckungsgrad 1 (enge Fassung)

Deckungsgrad 1 = Eigenkapital : Anlagevermögen ≥ 1

Wenn das Ergebnis größer oder gleich eins ist, dann ist der Deckungsgrad und damit die Fristenkongruenz erfüllt.

Ein Beispiel für die Goldene Bilanzregel

Nehmen wir an, du betreibst eine kleine Änderungsschneiderei. Dein bevorzugter Nähmaschinenhersteller bringt ein neues Modell auf den Markt, mit dem du deutlich schneller und damit effektiver arbeiten könntest. Du überlegst dir daher, dieses Modell zu kaufen. Betriebswirtschaftlich gesprochen würdest du damit dein Anlagevermögen erweitern.

Da die Nähmaschine vermutlich einige Jahre in deinem Besitz bleiben wird, gehört sie zum Anlagevermögen und dieses wiederum soll mit langfristigen Mitteln finanziert werden.

Die neue Nähmaschine kostet 10.000 Euro, dein Eigenkapital liegt aktuell jedoch nur bei 5.000 Euro. In der Bilanz würde das folgendermaßen (vereinfacht dargestellt) aussehen:

<b>Aktiva</b>
AktivaPassiva
Anlagevermögen 10.000 Euro Eigenkapital 5.000 Euro
Umlaufvermögen Fremdkapital

Setzt man diese Werte nun in die oben beschriebene Formel ein, ergibt sich ein Deckungsgrad von:

5.000 : 10.000 = 0,5

Die Fristenkongruenz wäre damit nicht erreicht und du würdest die Goldene Bilanzregel in der engeren Fassung nicht erfüllen. Das würde bedeuten, dass du die neue Nähmaschine komplett aus vorhandenen Mitteln zahlen müsstest, um einen Wert von 1 zu erreichen.

Deckungsgrad 2

Nur die wenigsten Betriebe können sich komplett durch Eigenkapital finanzieren. Daher orientieren sich die meisten Unternehmer, aber auch die Banken und andere Finanzierungspartner, bei der Anwendung der Goldenen Bilanzregel nicht am eher unrealistischen Deckungsgrad 1, sondern am Deckungsgrad 2. Man spricht auch von der silbernen Bilanzierungsregel.

Beim Deckungsgrad 2 wird auch langfristig zur Verfügung stehendes Fremdkapital herangezogen, um Investitionen zu finanzieren. Also beispielsweise ein Bankdarlehen oder eine Hypothek

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Die Formel für den Deckungsgrad 2 (erweiterte Fassung)

Deckungsgrad 2 = (Eigenkapital + Fremdkapital (langfristig)) : Anlagevermögen ≥ 1

In unserem Beispiel also:

<b>Aktiva</b>
AktivaPassiva
Anlagevermögen 10.000 Euro Eigenkapital 5.000 Euro
Vorräte Fremdkapital
Bankdarlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren 8.000 Euro

Setzt man nun die Zahlen in die Formel ein, ergibt sich folgende Rechnung:

Deckungsgrad 2 = (5.000 + 8.000) : 10.000 = 1,3

Da dieses Ergebnis ≥ 1 ist, ist der Deckungsgrad 2 erfüllt und die goldene Bilanzregel wird eingehalten. Werte von mehr als 1,2 bzw. 120% entsprechen einer soliden Finanzierungsstruktur.

Deckungsgrad 3

Beim Deckungsgrad 3 (weite Fassung) kommt ein weiterer Faktor hinzu. Auf der Seite der Aktiva betrachtet man beim Deckungsgrad 3 nicht nur das Anlagevermögen, sondern auch Teile des Umlaufvermögens, die Vorräte.

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Die Formel für den Deckungsgrad 3 (weite Fassung)

Deckungsgrad 3 = (Eigenkapital + Fremdkapital (langfristig)) : (Anlagevermögen + langfristiges Umlaufvermögen) ≥ 1

In unserem Beispiel also:

<b>Aktiva</b>
AktivaPassiva
Anlagevermögen 10.000 Euro Eigenkapital 5.000 Euro
Vorräte 23.000 Euro Fremdkapital
Bankdarlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren 8.000 Euro

Die Rechnung lautet dementsprechend wie folgt:

Deckungsgrad 3 = (5.000 + 8.000) : (10.000 + 23.000) = 0,4

Das Ergebnis dieser Rechnung ist kleiner als 1. Das bedeutet, dass die Fristenkongruenz nicht eingehalten wird und du damit gegen die Goldene Bilanzregel verstoßen würdest. Als solide werden in der Regel Werte ab 1 bzw. 100% angesehen.

Was passiert, wenn die Goldene Bilanzregel nicht eingehalten wird?

Wenn du als Unternehmer die Goldene Bilanzregel nicht beachtest, kannst du in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Beispielsweise dadurch, dass du mögliche monatliche Zinszahlungen nicht bedienen kannst. Im schlimmsten Fall droht dir sogar eine Insolvenz, wenn du die Goldene Bilanzregel nicht einhältst. Hinzu kommt, dass Banken u.U. nicht bereit sind, neue Kredite zu gewähren bzw. diese extrem teuer werden. Die Risiken lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

  • Prolongationsrisiko: Es besteht die Gefahr, dass bestehende Darlehen nicht verlängert werden können.
  • Substitutionsrisiko: Es könnte schwierig sein, neue Kredite aufzunehmen oder Ersatzfinanzierungen zu finden.
  • Zinsänderungsrisiko: Die Folgefinanzierung könnte nur zu wesentlich schlechteren Konditionen verfügbar sein, was zu höheren Kosten führt.