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Arbeitszeit: Welche gesetzlichen Vorgaben muss ich kennen?

Arbeitszeitgesetz: Gesetzliche Vorgaben und Modelle zur Arbeitszeit
Von Birgit Bohnert
Aktualisiert am: 23.05.2019

Ob Ihre Mitarbeiter in Vollzeit, in Teilzeit oder als Aushilfe beschäftigt sind: Wie lange und wann gearbeitet werden darf, bestimmt in erster Linie das Arbeitszeitgesetz. Es regelt die Dauer und Lage der Arbeitszeit. In diesem Rahmen dürfen Sie die Arbeitszeit in Ihrem Betrieb gestalten. Die wichtigsten Eckpunkte und was Sie sonst noch wissen sollten, lesen Sie hier.

Grundregeln zur Arbeitszeit

Die Arbeitszeit ist in erster Linie im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) geregelt. Sonderregelungen finden sich auch im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und im Mutterschutzgesetz (MuSchG). Ganz konkret regelt das Arbeitszeitgesetz folgende Punkte:

  • die Höchstdauer der täglichen Arbeitszeit
  • die zeitliche Lage der Arbeitszeit
  • Pausen und Ruhezeiten
  • die Arbeit an Sonn- und Feiertagen

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gilt z. B. nicht für Leitende Angestellte und Chefärzte.

Arbeitszeit: Grundsätzlich 8 Stunden am Tag

Das Gewerbeaufsichtsamt bzw. das Amt für Arbeitsschutz überwacht die Vorgaben und verhängt bei Verstoß Bußgelder. Wird ein Arbeitnehmer regelwidrig zur Arbeit angewiesen, darf er sie verweigern.

Grundsätzlich darf die Arbeitszeit Ihrer Mitarbeiter höchstens 8 Stunden pro Werktag betragen. Da sich das Gesetz auf Werktage (Montag bis einschließlich Samstag, also 6 Tage) bezieht, entspricht das einer Wochenarbeitszeit von höchstens 48 Stunden. Die Arbeitszeit darf zeitweise (bspw. saison- oder auftragsbedingt) auf bis zu 10 Stunden pro Tag bzw. 60 Stunden pro Woche verlängert werden, wenn sie in 6 Monaten bzw. 24 Wochen durchschnittlich höchstens 8 Stunden pro Tag beträgt.

Achtung: Aufzeichnungspflicht und Arbeitszeiterfassung

Beträgt die Arbeitszeit mehr als 8 Stunden pro Tag, müssen Sie die Daten der betroffenen Arbeitnehmer schriftlich festhalten und die Unterlagen mindestens 2 Jahre aufbewahren.

Neu: Mit Urteil vom 14. Mai 2019 hat der Europäische Gerichtshof den EU-Mitgliedsstaaten aufgegeben, ihre Arbeitgeber dazu zu verpflichten, die vollständigen Arbeitszeiten der Arbeitnehmer systematisch zu erfassen. Was genau der deutsche Gesetzgeber von den Unternehmen verlangen wird, bleibt abzuwarten.

Wie Sie die Arbeitszeiterfassung mit Excel meistern, erfahren Sie hier.

Ausnahmsweise längere Arbeitszeiten

In bestimmten Fällen kann die Aufsichtsbehörde längere Arbeitszeiten erlauben, als im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) vorgesehen. In Notfällen, etwa wenn Ihr Betrieb vor Hochwasser geschützt werden muss, dürfen Sie Ihre Arbeitnehmer ausnahmsweise ungefragt länger arbeiten lassen. Auch ein Tarifvertrag kann längere Arbeitszeiten und längere Ausgleichszeiten vorsehen, als im Arbeitszeitgesetz bestimmt. Bei der Verteilung der erlaubten Arbeitszeit auf den Tag bzw. die Woche bestimmt der Betriebsrat mit.

Gesetzliche Pausenzeiten im Arbeitszeitgesetz

Als Arbeitgeber sind Sie dazu verpflichtet, Ihren Mitarbeitern Ruhepausen zu gewähren. Eine genaue Definition, was unter einer Pause zu verstehen ist, findet sich zwar im Gesetz nicht. Allerdings versteht man darunter im Allgemeinen eine Unterbrechung der Arbeitszeit für eine bestimmte Dauer, die der Erholung des Arbeitnehmers dient.

Wie lange die Pause sein muss, hängt nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) von der täglichen Arbeitszeit ab. Ohne Pause darf Ihr Mitarbeiter gesetzlich höchstens 6 Stunden arbeiten. Arbeitet der Arbeitnehmer z. B. zwischen 6 und 9 Stunden am Tag, dann stehen ihm insgesamt 30 Minuten Pause zu. Eine Ruhepause muss mindestens 15 Minuten am Stück dauern.

Die Pausen müssen laut Gesetz im Voraus feststehen. Es reicht aus, wenn Sie einen Zeitraum vorgeben, in dem die Pause zu erfolgen hat.

Achtung: Auf Pausen achten
Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass sein Mitarbeiter die vorgeschriebenen Pausen auch wirklich macht. Sie dürfen es daher z. B. nicht zulassen, dass Ihr Arbeitnehmer „durcharbeitet“ und dafür früher geht. Das würde dem Sinn der Pausenregelung entgegenstehen.

Arbeitszeitgesetz: Regelungen zu Ruhezeiten

Auf den "Feierabend" muss gemäß Arbeitszeitgesetz (ArbZG) grundsätzlich eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden folgen. In manchen Branchen z. B. Pflegeeinrichtungen, Gaststätten oder Verkehrsbetrieben darf die Ruhepause auf 10 Stunden gekürzt werden. Voraussetzung: Die verkürzte Ruhezeit wird innerhalb eines Kalendermonats bzw. 4 Wochen durch Verlängerung der Ruhezeit auf mindestens 12 Stunden ausgeglichen.

In Verbindung mit Rufbereitschaft ist in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen eine weitere Kürzung erlaubt.

Für Schichtarbeit gelten dagegen die allgemeinen Arbeitszeit-Regeln. Bei regelmäßiger Arbeit in mehreren Schichten dürfen Sie laut Arbeitszeitgesetz die Sonn- und Feiertagsruhe Ihrer Arbeitnehmer um bis zu 6 Stunden vor- oder zurückverlegen. Voraussetzung dafür ist, dass der Betrieb immer für 24 Stunden ruht.

Achtung: Sonderregeln bei Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit
Auch wenn Ihre Mitarbeiter nachts oder an Sonn- und Feiertagen arbeiten, sind zahlreiche Vorschriften in Hinblick auf die Arbeitszeit zu beachten. Alle wichtigen Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel.

Sonderregeln außerhalb des Arbeitszeitgesetzes

In bestimmten Ausnahmefällen gelten anstelle der Regelungen aus dem Arbeitszeitgesetz besondere Regelungen für Ihre Arbeitnehmer:

1. Minderjährige (Jugendarbeitsschutzgesetz)
Ist Ihr Mitarbeiter 15, aber noch keine 18 Jahre alt, darf er höchstens 40 Stunden pro Woche arbeiten. Ihn dürfen Sie nur montags bis freitags beschäftigen, es sei denn, Sie betreiben z. B. eine Bäckerei, eine Gaststätte oder ein Seniorenheim. Arbeitet ein Jugendlicher an einzelnen Tagen weniger als 8 Stunden, darf er an den übrigen Tagen bis zu 8,5 Stunden arbeiten.

Längere Pausenzeiten: Minderjährige müssen schon bei einer Arbeitszeit von 4,5 Stunden bis 6 Stunden 30 Minuten Pause machen. Die Ruhezeit zwischen 2 Arbeitstagen muss 12 Stunden betragen. Dürfen jugendliche Arbeitnehmer in Ihrer Branche sonntags eingesetzt werden, müssen sie mindestens 2 Sonntage im Monat frei haben.

2. Schwangere und stillende Mütter (Mutterschutzgesetz)
Schwangere und stillende Mütter dürfen höchstens 8,5 Stunden täglich und maximal 90 Stunden in der Doppelwoche arbeiten. Bei unter 18-jährigen sind es nur 8 Stunden täglich und 80 Stunden in der Doppelwoche. 

Überstunden dürfen schwangere und stillende Mütter nicht leisten. Nacht- sowie Sonn- und Feiertagsarbeit ist nur in Ausnahmefällen möglich. Eine Beschäftigung bis 22 Uhr geht nur mit Einwilligung der Arbeitnehmerin.

Ihre Ruhezeit nach Arbeitsende muss mindestens 11 Stunden betragen. Weiterführende Informationen zu den gesetzlichen Regelungen für schwangere Mitarbeiterinnen und junge Mütter erhalten Sie in diesem Artikel.

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Vereinbarung von Gleitzeit

Bei Gleitzeit können Arbeitnehmer innerhalb bestimmter Grenzen selbst entscheiden, wann sie arbeiten. In jedem Fall trägt der Arbeitgeber die Verantwortung dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit eingehalten werden. Innerhalb dieses Rahmens können Sie die Arbeitszeitregelung in Ihrem Betrieb frei gestalten.

Arbeitszeit bei Rufbereitschaft, Bereitschaftsdienst und Abrufarbeit

Soll ein Arbeitnehmer nach Arbeitsanfall auf Abruf eingesetzt werden, ist nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zumindest eine wöchentliche oder tägliche Arbeitszeit zu vereinbaren. Ist das nicht der Fall, gelten automatisch 20 Stunden pro Woche und mindestens 3 Stunden am Stück als vereinbart. Ein Einsatz ist dem Arbeitnehmer mindestens 4 Tage im Voraus mitzuteilen, sonst ist er nicht zur Arbeit verpflichtet.

Bei Rufbereitschaft darf der Arbeitnehmer seinen Aufenthaltsort frei wählen, muss aber bei Bedarf erreichbar sein, um die Arbeit aufzunehmen. Rufbereitschaft zählt grundsätzlich nicht zur Arbeitszeit. Ausnahme: Die erlaubte Reaktionszeit ist so kurz, dass sich der Arbeitnehmer nur in geringer Entfernung zum Betrieb aufhalten kann. Das hat der Europäische Gerichtshof im Fall eines Feuerwehrmannes entschieden, der innerhalb von 8 Minuten in der Feuerwache zu sein hatte.

Der Bereitschaftsdienst, bei dem sich der Arbeitnehmer an einem vom Arbeitgeber festgelegten Ort z. B. im Betrieb zur Verfügung halten muss, ist als Arbeitszeit zu rechnen.

Praxis-Beispiel: Verlegung der Arbeitszeit

Bei Unternehmer U. beginnt die Arbeitszeit um 8 Uhr. Im Sommer würde er gerne eine Stunde früher beginnen. Mitarbeiter M. weigert sich. Darf U. die Arbeitszeit ohne seine Zustimmung ändern?

Lösung: M. darf sich weigern, wenn die Lage der Arbeitszeit in seinem Arbeitsvertrag genau festgelegt ist. Steht in seinem Vertrag beispielsweise, dass er „Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr“ arbeiten muss, darf U. den Beginn der Arbeitszeit nicht einfach ändern. Ist nur die Wochenarbeitszeit vereinbart (z. B. 40 Stunden), darf U. sie anders auf die Wochentage verteilen. Er darf den Arbeitsbeginn ändern, die Pausen verschieben oder auf Gleitzeit umstellen. Er muss sich aber an die gesetzlichen Regelungen halten. Gibt es einen Betriebsrat, bestimmt der mit.


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