Die neuen Auszubildenden: Überlassen Sie nichts dem Zufall /fileadmin/_processed_/b/2/csm_die-neuen-auszubildenden_23b1ca1e72.png 2020-01-17 Lexware

Die neuen Auszubildenden: Überlassen Sie nichts dem Zufall

So überlassen Sie nichts dem Zufall
Von Lothar Volkelt
Aktualisiert am: 17.01.2020

Als ausbildender Geschäftsführer einer GmbH sollten Sie in den nächsten Wochen besonders aufpassen: Passt der Auszubildende nicht zum Unternehmen, ist es in der Probezeit noch leicht möglich zu reagieren ohne gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen zu verstoßen.

Einige Tipps im Umgang mit neuen Auszubildenden

Um Konflikte mit Ihrem Auszubildenden gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollten Sie von Anfang regelmäßig mit Ihrem Auszubildenden sprechen. Am besten gehen Sie so vor:

·      Fragen Sie ihn, was ihm gefällt und was nicht.

·      Sagen Sie ihm, was Sie von ihm erwarten und was Sie gerne anders hätten und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

·      Ist Ihr Auszubildender uneinsichtig, kann eine schriftliche Abmahnung helfen, ihm den Ernst der Lage deutlich zu machen.

·      In der Abmahnung ist genau zu erläutern, was er falsch gemacht hat. Die Abmahnung muss Konsequenzen (Kündigung) für den Fall anzudrohen, dass er sein falsches Verhalten wiederholt. Führen Sie genau auf, an welchen Tagen er zu spät gekommen ist, wann Arbeitsbeginn war und wann er tatsächlich eingetroffen ist.

Möchten Sie das Ausbildungsverhältnis beenden, sollten Sie das schon in der Probezeit tun. Nur in der Probezeit (mindestens 1, höchstens 4 Monate) können Sie das Ausbildungsverhältnis jederzeit, ohne Kündigungsfrist und ohne Begründung kündigen (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Nach der Probezeit können Sie als Arbeitgeber nur noch fristlos, aus wichtigem Grund kündigen. Die Kündigung ist noch am letzten Tag der Probezeit möglich. Der Auszubildende muss die schriftliche Kündigung spätestens an diesem Tag erhalten. Nach der Probezeit können Sie Ihrem Auszubildenden nur noch kündigen, wenn Sie einen wichtigen Grund haben. Eine Kündigung aus wichtigem Grund setzt voraus, dass

·      Sie alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben,

·      Sie Ihren Auszubildenden erfolglos abgemahnt haben und

·      es Ihnen beim besten Willen nicht zumutbar ist, das Ausbildungsverhältnis fortzusetzen.

Ihr Kündigungsgrund muss umso schwerer wiegen, je jünger Ihr Auszubildender ist und je länger das Ausbildungsverhältnis schon dauert. Kurz vor der Abschlussprüfung ist eine Kündigung nur noch in ganz außergewöhnlichen Fällen möglich. Ist Ihnen der Kündigungsgrund, z.B. das üble Beschimpfen eines Kollegen, schon länger als 2 Wochen bekannt, dürfen Sie deswegen nicht mehr kündigen.

Praxis-Beispiel „Wichtiger Kündigungsgrund“

Ihr Auszubildender kommt trotz mehrerer Gespräche und Abmahnungen häufig zu spät oder gar nicht. Er schwänzt trotz Abmahnung wiederholt die Schule und gefährdet damit seinen Abschluss. Er äußert sich gegenüber ausländischen Kollegen mit üblen, rassistischen Parolen.

Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Bei der Kündigung nach der Probezeit ist der Kündigungsgrund im Kündigungsschreiben genau und nachvollziehbar anzugeben. Fehlt er, ist die Kündigung unwirksam. Allgemeine Formulierungen wie z.B. „schlechtes Benehmen“ oder „Zuspätkommen“ reichen nicht aus. Es reicht auch nicht, auf die mündlich genannten Kündigungsgründe hinzuweisen. Ist der Auszubildende noch minderjährig, müssen die Abmahnungen und die Kündigung an die Eltern als die Erziehungsberechtigten gerichtet sein.

Achtung: Ist Ihre Auszubildende schwanger oder schwer behindert, hat sie Sonder-Kündigungsschutz wie jede andere schwangere oder schwer behinderte Mitarbeiterin.

Praxis-Beispiel „Minderjähriger Auszubildender“: Unternehmer U. entschließt sich, seinem minderjährigen Auszubildenden zu kündigen. Da die Probezeit noch nicht ganz abgelaufen ist, meint er, keinen besonderen Grund zu brauchen. Er adressiert das Schreiben an die Eltern des Auszubildenden und lässt es, da die Zeit drängt, am letzten Tag der Probezeit frühmorgens in den Hausbriefkasten der Eltern einwerfen. Die Eltern, die zu diesem Zeitpunkt verreist sind, erfahren erst 2 Tage später durch ihren Sohn von der Kündigung. Hat U. alles richtig gemacht? Antwort: Ja, U. hat noch rechtzeitig in der Probezeit gekündigt. Weil sein Auszubildender noch minderjährig war, musste er die Kündigung an die Eltern richten. Die Kündigung war frühmorgens auch rechtzeitig im Hausbriefkasten der Eltern Die Eltern mussten an diesem Tag noch mit der üblichen Postzustellung rechnen. Dass sie im Urlaub waren, spielt keine Rolle, auch wenn U. das wusste.

Umgekehrt gilt für den Auszubildenden: In der Probezeit kann er, wie der Arbeitgeber, jederzeit und ohne Frist kündigen. Anders als Sie darf er nach der Probezeit auch fristgerecht kündigen, wenn er die Berufsausbildung beenden oder eine andere Ausbildung beginnen will. Er muss dann eine Kündigungsfrist von 4 Wochen einhalten.

Mindestvergütung für Auszubildende

Seit Januar 2020 gilt in Unternehmen ohne Tarifbindung eine Mindestvergütung für Auszubildende. Im ersten Lehrjahr beträgt diese für das Jahr 2020 515 Euro. 2021 wird die Vergütung auf 550 Euro erhöht, 2022 auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro. Der Mindestlohn für Azubis soll ab 2024 automatisch an die durchschnittliche Entwicklung aller Ausbildungsvergütungen angepasst werden.


Bewerten Sie diesen Artikel:
(0)
0 0 1 5