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Teilzeitarbeit: Worauf muss ich als Arbeitgeber achten?

Spezielle Regeln des Arbeitsrechts zur Teilzeitbeschäftigung von Mitarbeitern
Von Birgit Bohnert
Aktualisiert am: 09.09.2019

Für Mitarbeiter in Teilzeitarbeit gelten spezielle Regeln. Unter bestimmten Voraussetzungen darf ein Beschäftigter verlangen, dass seine Arbeitszeit reduziert wird. Und er darf als Teilzeitkraft nur ausnahmsweise schlechter wegkommen als Ihre Vollzeitkräfte.

Haben Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeitarbeit?

Teilzeitbeschäftigt ist Ihr Mitarbeiter, wenn seine regelmäßige Wochenarbeitszeit geringer ist als die Arbeitszeit vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter in Ihrem Betrieb. Auch ein geringfügig Beschäftigter (z.B. Minijobber) ist also ein Teilzeitbeschäftigter. Eine besondere Form der Teilzeitarbeit ist die sog. „Arbeit auf Abruf“. Ein Anspruchdes Arbeitnehmers auf Reduzierung seiner Arbeitszeit kann sich insbesondere aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) oder dem Elternzeitgesetz (BEEG) ergeben. Um Teilzeitarbeit zu erleichtern, verlangt das Gesetz

  • bei der Stellenausschreibung zu prüfen, ob Teilzeit möglich ist.
  • an Teilzeitarbeit interessierte Mitarbeiter über freie Teilzeitarbeitsplätze zu informieren.
  • bei Weiterbildungsmaßnahmen keine Unterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeitmitarbeitern zu machen.
  • die Arbeitszeit des Arbeitnehmers auf seinen Wunsch zu verkürzen, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Teilzeitbeschäftigte sind arbeitsrechtlich gleichgestellt

Das Arbeitsrecht macht grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigen. Für Teilzeitbeschäftigte (bzw. deren Arbeitgeber) bedeutet das zum Beispiel:

  • Lohnfortzahlung bei Krankheit
  • Lohnfortzahlung am Feiertag, wenn der Teilzeitmitarbeiter an diesem Tag normalerweise gearbeitet hätte
  • gleiche Bezahlung wie ein Arbeitnehmer in Vollzeit (natürlich entsprechend der geringeren Arbeitszeit)
  • sonstige Leistungen wie z. B. anteiliges Weihnachtsgeld

Achtung: Es gibt keine Pflicht zur Teilzeit. Weigert sich ein Mitarbeiter von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln oder umgekehrt, darf er deswegen nicht gekündigt werden. 

Ausnahmen: Wann Sie Teilzeitkräfte anders behandeln dürfen

Ein Arbeitnehmer in Teilzeit darf nicht benachteiligt werden, weil er „nur“ in  einer Teilzeitbeschäftigung arbeitet. Eine unterschiedliche Behandlung bei Teilzeitarbeit ist nur möglich, wenn ein sogenannter sachlicher Grund vorliegt. Dass Ihr Minijobber sich bei Ihnen nur ein Zubrot zum Hauptverdienst oder zur Rente verdient, rechtfertigt es z. B. nicht, ihm einen geringeren Stundenlohn zu zahlen als einem Mitarbeiter mit einer Vollzeitstelle. Dass Sie dem Arbeitnehmer in Teilzeitbeschäftigung weniger zahlen, weil er geringer qualifiziert ist, ist dagegen erlaubt.

Beispiel Überstundenzuschlag: Der Teilzeitbeschäftigte mit 4 Stunden am Tag muss den im Betrieb üblichen Überstundenzuschlag nicht ab der 5. Stunde bekommen. Es reicht, wenn er ihn – wie die Vollzeitkraft auch – erst ab der 9. Stunde erhält.

Sonderfall der Teilzeitarbeit: Arbeit auf Abruf

Arbeit auf Abruf liegt vor, wenn Sie als Arbeitgeber mit Ihrem Beschäftigten vereinbaren, dass er abhängig vom Arbeitsanfall arbeitet. Bei der Arbeit auf Abruf muss der Arbeitsvertrag eine Mindestdauer der täglichen und der wöchentlichen Arbeitszeit enthalten. Zusätzlich können Sie vereinbaren, dass er weitere Stunden je nach Arbeitsanfall arbeiten muss. Diese Zusatzstunden dürfen höchstens 25 % der Mindestwochenarbeitszeit betragen. Vereinbaren Sie im Arbeitsvertrag eine wöchentliche Höchstarbeitszeit dürfen Sie seit 1.1.2019 höchstens 20 % weniger abrufen. Wird keine Wochenarbeitszeit im Arbeitsvertrag festgelegt, gelten seit 1.1.2019 20 Stunden pro Woche als vereinbart (davor: 10 Stunden).

Ist keine tägliche Arbeitszeit festgelegt, müssen Sie als Arbeitgeber

  • ihn mindestens 3 Stunden am Stück einsetzen bzw. bezahlen und
  • ihm mindestens 4 Tage vorher mitteilen, wann er arbeiten soll. Halten Sie diese Frist nicht ein, ist Ihr Mitarbeiter nicht zur Arbeit verpflichtet.

Diese Mitarbeiter können Teilzeit verlangen

Ihr Mitarbeiter hat laut Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) einen Anspruch auf unbefristete Reduzierung seiner Arbeitszeit, wenn

  • Sie regelmäßig mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigen.
  • er seit mindestens 6 Monaten bei Ihnen beschäftigt ist.
  • keine wichtigen betrieblichen Gründe entgegenstehen.

Der Arbeitnehmer muss die Kürzung der Arbeitszeit mindestens 3 Monate vorher verlangen. Dabei soll er auch angeben, wie er die gewünschte Arbeitszeit verteilen möchte. Die Entscheidung des Arbeitgebers muss mindestens 1 Monat vor dem gewünschten Start schriftlich erfolgen. Reagiert der Arbeitgeber nicht rechtzeitig, gilt die gewünschte Kürzung als vereinbart.

In kleinen Betrieben besteht kein Anspruch auf Teilzeitarbeit

Unbefristete Teilzeitarbeit nach § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) kann Ihr Mitarbeiter nur verlangen, wenn Sie regelmäßig mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen. Bei der Feststellung der Beschäftigtenzahl gilt:

  • Auszubildende zählen nicht mit.
  • Gerechnet wird nach Köpfen, d. h. Teilzeitbeschäftigte - auch Minijobber - werden als volle Mitarbeiter gezählt.

Der Anspruch setzt voraus, dass der Mitarbeiter mindestens 6 Monate bei Ihnen beschäftigt ist, ob befristet oder unbefristet spielt dabei keine Rolle. Sie als Arbeitgeber müssen dem Teilzeitwunsch zustimmen. Ausnahme: „Betriebliche Gründe“ stehen entgegen. Ein sogenannter betrieblicher Grund liegt insbesondere vor, wenn die Kürzung der Arbeitszeit

  • die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt
  • oder unverhältnismäßige Kosten verursacht.

Beispiel: Betriebliche Gründe für die Ablehnung von Teilzeitarbeit

  • Bei einer kleinen Gruppe behinderter Kinder geht das Interesse der Kinder an der täglichen und durchgehenden Betreuung durch dieselbe Erzieherin dem Teilzeitwunsch vor (BAG, Urteil v. 19.8.2003, 9 AZR 542/02).
  • Bei Teilzeitarbeit müsste ein weiterer Dienstwagen angeschafft werden.
  • Eine Ersatzkraft müsste umfangreich und teuer eingearbeitet und laufend geschult werden.
  • Sie können nachweislich keine geeignete Ersatzkraft für die wegfallende Arbeitszeit finden.

Es besteht kein Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit

Wenn überwiegende betriebliche Interessen vorliegen, können Sie als Arbeitgeber die vereinbarte Verteilung der Arbeitszeit – nicht die Kürzung – auch später wieder ändern. Zu beachten ist eine 1-monatige Ankündigungsfrist. Ihr Mitarbeiter kann frühestens nach 2 Jahren erneut eine Arbeitszeitkürzung beantragen.

Ein Teilzeitmitarbeiter hat keinen Anspruch darauf, dass Sie seine Arbeitszeit verlängern. Wissen Sie von seinem Wunsch auf Rückkehr in eine Vollzeittstelle, müssen Sie ihn aber bevorzugt berücksichtigen, wenn ein entsprechender Arbeitsplatz frei wird.

Achtung: Neue Brückenteilzeit

In Unternehmen mit mehr als 45 Arbeitnehmern besteht seit 1.1.2019 unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Teilzeitarbeit mit Rückkehrrecht (Brückenteilzeit) nach § 9a Teilzeit- und Befristungsgesetz.

Teilzeitanspruch in der Elternzeit

Für Beschäftigte, die in Elternzeit Teilzeit arbeiten möchten, gelten nach § 15 Elternzeitgesetz (BEEG) besondere Regeln bzw. Voraussetzungen. Dazu gehören u.a.:

  • Sie beschäftigen in der Regel mehr als 15 Arbeitnehmer.
  • Der Mitarbeiter ist ohne Unterbrechung seit mehr als 6 Monaten bei Ihnen beschäftigt.
  • Die Arbeitszeit soll für mindestens 2 Monate auf einen Umfang zwischen 15 und 30 Wochenstunden verringert werden.
  • Der Anspruch wird Ihnen 7 Wochen vorher schriftlich mitgeteilt.
  • Sie dürfen nur ablehnen, wenn dringende betriebliche Gründe entgegenstehen.

Häufiger Streitpunkt: Wie viel Urlaub hat eine Teilzeitkraft?

Arbeitet Ihr Teilzeitbeschäftigter an gleich vielen Wochentagen wie Ihre Vollzeitbeschäftigten, hat er genauso viele bezahlte Urlaubstage.

Arbeitet Ihre Teilzeitkraft nicht an allen Arbeitstagen, reduzieren sich seine Urlaubstage entsprechend. Als Urlaubstage sind dann nur die Wochentage anzurechnen, an denen die Teilzeitkraft arbeiten würde.

Beispiel: Berechnung der Urlaubstage
Ihre Vollzeitmitarbeiter erhalten bei 5 Arbeitstagen pro Woche 30 Tage Urlaub. Ihr Teilzeitmitarbeiter hat für 3 Arbeitstage pro Woche: 30 : 5 x 3 = 18 Tage bezahlten Urlaub.

Alten Urlaub aus der Beschäftigung in einer Vollzeitstelle dürfen Sie nicht reduzieren. Das würde Teilzeitmitarbeiter diskriminieren.

Beispiel: Alter Urlaub
Ihr Beschäftigter verkürzt ab dem 1. Juli von 5 Arbeitstagen auf 3 Arbeitstage. Im ersten Halbjahr hatte er noch keinen Urlaub. Bei 30 Urlaubstagen für Vollzeitbeschäftigte bleiben ihm 15 Tage bezahlter Urlaub aus dem ersten Halbjahr. Diese dürfen nicht umgerechnet werden. Für das zweite Halbjahr (Teilzeit) stehen ihm weitere 9 Tage Urlaub zu.

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