Die neue Brückenteilzeit: Das müssen Sie als Arbeitgeber wissen

Wechselte ein Arbeitnehmer vor 2019 ohne speziellen Grund in Teilzeit, hatte er kein Rückkehrrecht zur Vollzeit. Das änderte sich durch die Brückenteilzeit – zumindest für Betriebe mit mehr als 45 Arbeitnehmern. Welche Regelungen für die befristete Teilzeit gelten und in welchen Punkten sie sich von anderen Teilzeitansprüchen unterscheidet, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Holzmodell wo den Ausgleich von "Work" und "Life" in Balance stellt
Andrey Popov/stock.adobe.com

Die Teilzeitvarianten im Überblick

Für Arbeitnehmer gibt es verschiedene Möglichkeiten, von ihrer normalen Arbeitszeit in Teilzeit zu wechseln – mit oder ohne zeitliche Begrenzung. Einige Beispiele:

  • für die Elternzeit (nach dem Bundeselterngeld- und Elternteilzeitgesetz)
  • bis zu 6 Monate zur Pflege eines Angehörigen (nach dem Pflegezeitgesetz)
  • bis zu 24 Monate zur Pflege eines nahen Angehörigen (nach dem Familienpflegegesetz)
  • zeitliche unbefristete Teilzeit ohne speziellen Anlass (nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz)

Wechselt ein Mitarbeiter aufgrund von Elternzeit oder Pflege in Teilzeit, ist dies schon immer mit einem Rückkehrrecht zur ursprünglichen Arbeitszeit verbunden.

Anders sieht es bei Teilzeit ohne speziellen Grund aus. Arbeitnehmer, die diese Teilzeitvariante wählen, haben keinen Anspruch darauf, in ihre „alte“ Arbeitszeit zurückzuwechseln. Streben sie eine Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit an, müssen sie laut Gesetz lediglich bei der Vergabe freier Vollzeitstellen bevorzugt berücksichtigt werden. Diese „Teilzeitfalle“ ist seit 2019 mit der Alternative der sogenannten Brückenteilzeit beseitigt.

Recht auf befristete Teilzeit seit 2019

Seit dem 1. Januar 2019 ist zusätzlich zur bisherigen anlasslosen, zeitlich unbefristeten Teilzeit auch eine Brückenteilzeit möglich. Das bedeutet, der Arbeitnehmer kann seine Arbeitszeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg reduzieren und kehrt danach automatisch zur ursprünglich vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zurück. Er hat damit also einen gesetzlichen Anspruch auf eine zeitlich begrenzte Teilzeit. Die Brückenteilzeit ist in § 9a Teilzeit- und Befristungsgesetz geregelt.

Was bedeutet Brückenteilzeit?

Brückenteilzeit heißt, dass der Arbeitnehmer

  • seine arbeitsvertraglich vereinbarte Arbeitszeit für einen fixen Zeitraum von mindestens 1 Jahr bis höchstens 5 Jahre verringert und
  • danach automatisch zur ursprünglich vereinbarten Arbeitszeit (Teilzeit oder Vollzeit) zurückkehrt.

Tarifverträge können einen anderen möglichen Zeitrahmen für die Brückenteilzeit vorsehen. Auch können Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf freiwilliger Basis einen anderen Zeitraum vereinbaren.

Voraussetzungen für den Anspruch auf Brückenteilzeit

Beschäftigte haben allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Brückenteilzeit. Wichtigste Bedingungen für den Anspruch auf Brückenteilzeit sind:

  • das Arbeitsverhältnis besteht schon länger als 6 Monate und
  • im Unternehmen sind regelmäßig mehr als 45 Arbeitnehmer beschäftigt.

Brückenteilzeit nur in Betrieben mit mehr als 45 Arbeitnehmern

Um kleine Unternehmen durch die Brückenteilzeit nicht zusätzlich zu belasten, hat der Gesetzgeber eine Beschäftigten-Untergrenze festgelegt, ab der die befristete Teilzeit überhaupt erst in Anspruch genommen werden kann. Beschäftigen Sie in Ihrem Betrieb nicht mehr als 45 Arbeitnehmer (ohne Mitarbeiter in Berufsbildung), besteht kein Anspruch auf Brückenteilzeit.

Für Arbeitgeber mit 46 bis 200 Arbeitnehmern gilt eine Zumutbarkeitsgrenze: Pro angefangene 15 Mitarbeiter hat hier nur ein Mitarbeiter Anrecht auf Brückenteilzeit. Möchten weitere Beschäftigte die zeitlich begrenzte Teilzeit mit Rückkehrrecht nutzen, darf der Arbeitgeber das ablehnen.

Bei der Berechnung ist zu beachten:

  • Auch die ersten 45 Mitarbeiter sind mitzuzählen.
  • Angerechnet werden nur die Teilzeitmitarbeiter mit Brückenteilzeit, andere Teilzeitkräfte zählen nicht.
  • Stichtag ist die voraussichtliche Lage am Tag des gewünschten Beginns der Brückenteilzeit. Eventuelle spätere Änderungen bleiben unberücksichtigt

Erst wenn in einem Unternehmen mehr als 200 Mitarbeiter angestellt sind, besteht ein umfassender Anspruch auf Brückenteilzeit.

Beispiel: Unternehmer U führt einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern, davon sind zwei Auszubildende. Drei Mitarbeitern hat U bereits einen Antrag auf Brückenteilzeit genehmigt. Nun stellt auch Kollege M einen entsprechenden Antrag.

Grundsätzlich hat M einen Anspruch auf Brückenteilzeit. Denn auch wenn sich die zur Berechnung heranzuziehende Mitarbeiterzahl durch die beiden Azubis reduziert, liegt U immer noch über den maßgeblichen 45 Mitarbeitern. Da auch die ersten 45 Mitarbeiter bei der Berechnung der Mitarbeiter mit Anspruch auf Brückenteilzeit miteinzurechnen sind, besteht insgesamt für vier Mitarbeiter (einer pro angefangenen 15) in U‘s Unternehmen dieser Anspruch. Somit muss er den Antrag von M genehmigen, wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.

In diesen Fällen dürfen Sie die Brückenteilzeit ablehnen

Hat Ihr Betrieb 46 bis 200 Mitarbeiter, dürfen Sie die Brückenteilzeit ablehnen, wenn die gesetzliche Zumutbarkeitsgrenze erreicht ist.

In allen Betrieben darf die Brückenteilzeit abgelehnt werden, wenn betriebliche Gründe vorliegen. Wie bei der zeitlich unbegrenzten Teilzeit liegt ein betrieblicher Grund insbesondere vor, wenn die Kürzung der Arbeitszeit

  • die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder
  • unverhältnismäßige Kosten verursacht.

Haben Sie den Antrag Ihres Mitarbeiters aus betrieblichen Gründen berechtigt abgelehnt, darf er nach frühestens 2 Jahren einen neuen Antrag auf Brückenteilzeit stellen. Die Beweislast für den betrieblichen Grund liegt beim Arbeitgeber.

Das sind die genauen Regeln

Ihr Mitarbeiter muss seinen Antrag auf Brückenteilzeit mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn und in Textform stellen. Der Antrag muss die vorgesehene Dauer, die gewünschte Kürzung der Arbeitszeit und deren Verteilung enthalten.

Darauf folgen diese Schritte:

  • Sie besprechen den Teilzeitwunsch mit Ihrem Mitarbeiter. Ziel muss es sein, zu einer Einigung – auch über die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit – zu kommen.
  • Ihre Entscheidung teilen Sie Ihrem Mitarbeiter spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn der Brückenteilzeit schriftlich mit. Versäumen Sie diese Frist, gilt die Brückenteilzeit – wie vom Arbeitnehmer gewünscht – als festgelegt. Letzteres gilt auch für die gewünschte Verteilung der Arbeitszeit. Auch diese dürfen Sie nur bis spätestens einen Monat vor Beginn der Brückenteilzeit und schriftlich ablehnen.

Während der Brückenteilzeit sind Änderungen ausgeschlossen

Ihr Mitarbeiter hat keinen Anspruch darauf, die Brückenteilzeit während ihrer Laufzeit zu ändern. Er kann weder eine vorzeitige Rückkehr zur alten Arbeitszeit verlangen noch eine Kürzung oder Verlängerung der Arbeitszeit.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können aber einvernehmlich eine Änderung vereinbaren. Eine weitere Reduzierung der Arbeitszeit in der Brückenteilzeit ist ebenfalls möglich, wenn diese aufgrund einer anderen Vorschrift erfolgt (z. B. dem Pflegezeitgesetz).

Beispiel: Elternzeit in Brückenteilzeit
Liegen die Voraussetzungen für Elternzeit bei einem Mitarbeiter vor, der bereits Brückenteilzeit in Anspruch nimmt, kann Ihr Mitarbeiter seine Arbeitszeit weiter reduzieren (nach den Vorgaben für die Teilzeit in Elternzeit).

Wie oft kann ein Mitarbeiter Brückenteilzeit nehmen?

Grundsätzlich ist es möglich, dass ein Mitarbeiter mehrmals in Brückenteilzeit geht. Wenn er jedoch bereits in Brückenzeit war, kann er frühestens ein Jahr nach seiner Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit erneut Brückenteilzeit (oder unbegrenzte Teilzeit) beantragen.