Umsatzsteuervoranmeldung: So gewinnen Sie Zeit mit der Dauerfristverlängerung

So geht's: Dauerfristverlängerung
Aktualisiert am: 18.12.2017

Bei vielen Unternehmen ist der 10. Tag im Monat dick angestrichen. Der Grund: Das ist der spätmöglichste Termin, bis zu dem Sie die monatliche Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einreichen können. Ist die Buchhaltung in Schuss, wird die Umsatzsteuervoranmeldung zum Kinderspiel. Doch wehe, wenn nicht. Dann gibt es häufig nur einen Ausweg: Die Dauerfristverlängerung.

Ist die Auftragslage gut, geht die Umsatzsteuervoranmeldung im Betrieb schnell mal unter oder wird bis zum Schluss geschoben. Dabei  kann man leicht in Zeitnot geraten – denn jeder Umsatzsteuervoranmeldung geht schließlich eine ordentlich geführte Buchhaltung voraus. Die Dauerfristverlängerung ist dann oft der eleganteste Ausweg.

Umsatzsteuervoranmeldung: So funktioniert die Dauerfristverlängerung

Mit der Dauerfristverlängerung können Sie als Unternehmer Zeit für die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung schinden. Die Abgabefrist verschiebt sich dann um jeweils einen Monat nach hinten.

Eine Dauerfristverlängerung kann nur beantragen, wer Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben muss. Da es verschiedene Abgabefristen gibt, wirkt sich eine Dauerfristverlängerung unterschiedlich aus. Umsatzsteuervoranmeldungen werden monatlich oder in vierteljährlichem Rhythmus beim zuständigen Finanzamt eingereicht. Das hängt davon ab, wie hoch die Steuer bzw. die Summe der Vorauszahlungen im vorangegangenen Jahr ausgefallen sind.

Beispiele: So wirkt die Dauerfristverlängerung

  • Ein „Monatszahler“, der die Dauerfristverlängerung beantragt hat, muss seine Umsatzsteuervoranmeldung von März nicht bis spätestens 10. April, sondern erst bis 10. Mai abgeben.
  • Bei einem „Quartalszahler“ verschiebt sich die Abgabefrist ebenfalls um einen Monat, d. h. für die Monate Januar bis März muss die Umsatzsteuervoranmeldung nicht bereits zum 10. April, sondern erst zum 10. Mai eingereicht werden.

Dauerfristverlängerung gilt unbegrenzt. Eine genehmigte Dauerfristverlängerung gilt für sämtliche dem Antrag folgenden Umsatzsteuervoranmeldungen, also auch für die folgenden Kalenderjahre. Das gilt selbst dann, wenn Sie vergessen, Ihre Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung anzumelden bzw. zu bezahlen. Allerdings wird das Finanzamt in diesem Fall wahrscheinlich einen Verspätungszuschlag festsetzen.

Abgabe immer am Werktag. Fällt der 10. auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt sich der Stichtag auf den nächsten Werktag.

Keine Ablehnung gilt als Genehmigung. Solange das Finanzamt die Dauerfristverlängerung nicht ablehnt, können Sie sie in Anspruch nehmen. Denn: Eine Dauerfristverlängerung muss nicht ausdrücklich vom Finanzamt genehmigt werden (Abschn. 18.4 Abs. 1 Satz 1 UStAE).

Monatliche Umsatzsteuervoranmeldung ist für Gründer Pflicht. Gründer von Unternehmen müssen im Gründungsjahr bzw. im laufenden Kalenderjahr sowie im darauf folgenden Jahr beziehungsweise Veranlagungszeitraum die Umsatzsteuervoranmeldungen grundsätzlich monatlich abgeben, d. h. immer bis spätestens zum 10. Tag des Folgemonats.

Kleinunternehmer, deren Umsatz inklusive Umsatzsteuer im Vorjahr nicht mehr als 17.500 EUR betrug, und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 EUR betragen wird, brauchen grundsätzlich keine Umsatzsteuer abzuführen. Solange Sie in diesem Fall nicht gegenüber dem Finanzamt ausdrücklich auf die Kleinunternehmerregelung verzichten, spielt die Dauerfristverlängerung für Sie keine Rolle.

Achtung: Dauerfristverlängerungen gelten nur für Umsatzsteuervoranmeldungen – nicht für zusammenfassende Meldungen und auch nicht für Umsatzsteuerjahreserklärungen.

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Dauerfristverlängerung der Umsatzsteuervoranmeldung beantragen

Eine Dauerfristverlängerung müssen Sie beim zuständigen Finanzamt beantragen, d. h. dort, wo Sie die meisten inländischen Umsätze tätigen. Eine Begründung des Antrags ist nicht erforderlich, in der Regel hat das Finanzamt auch keine Einwände gegen eine Dauerfristverlängerung.

Die Dauerfristverlängerung beantragen Sie mittels des amtlich vorgeschriebenen Datensatzes bzw. Elster-Vordrucks USt 1H. Sowohl der Antrag sowie die Anmeldung zur Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung müssen elektronisch erfolgen. Einen postalisch eingereichten Antrag akzeptiert das Finanzamt nur im Ausnahmefall.

Je nachdem, ob Sie Ihre Umsatzsteuervoranmeldung monatlich oder vierteljährlich abgeben müssen, gelten unterschiedliche Abgabefristen für den Antrag auf Dauerfristverlängerung. So müssen „Monatszahler“ den Antrag bis spätestens zum 10. Februar beim Finanzamt stellen, damit die Dauerfristverlängerung bereits im laufenden Kalenderjahr zur Anwendung kommt. „Quartalszahler“ müssen den Antrag dagegen erst bis spätestens 10. April einreichen.

Übersicht: Ab diesen Zeitpunkten gilt die Dauerfristverlängerung für Umsatzsteuervoranmeldungen

USt-Voranmeldung
USt-Voranmeldung Dauerfristverlängerung
monatlich quartalsweise Abgabe zum Wirkung ab
ja 10.1.2018 Dez. 2017
ja 11.2.2018 Jan. 2018
ja 11.3.2018 Febr. 2018
ja 10.4.2018 März 2018
ja 10.1.2018 4. Quartal 2017
ja 11.2.2018 1. Quartal 2018
ja 11.3.2018 1. Quartal 2018
ja 10.4.2018 1. Quartal 2018
ja 10.5.2018 2. Quartal 2018

Anmeldung der Sondervorauszahlung der Umsatzsteuervoranmeldung

Gehört Ihr Unternehmen zu den „Monatszahlern“, müssen Sie zwingend bei Antragstellung der Dauerfristverlängerung eine Sondervorauszahlung anmelden. Sie beträgt 1/11 der gesamten Umsatzsteuer-Vorauszahlungen des Vorjahres. Eventuell geleistete Sondervorauszahlungen werden dabei nicht berücksichtigt. Damit schöpft sich der Staat einen Teil des Zinsvorteils ab, den Sie möglicherweise durch die Dauerfristverlängerung erlangen.

„Quartalszahler“ müssen keine Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung leisten, um eine Dauerfristverlängerung zu erhalten. Sie müssen jedoch eine 0-Meldung abgeben, um die Dauerfristverlängerung zu deklarieren. Das bedeutet, dass im betreffenden Formular überall eine 0 eingetragen wird.

Bei neu gegründeten Unternehmen werden die künftigen Umsätze für die Berechnung der Sondervorauszahlung geschätzt.

Tipp: So vermeiden Sie Säumniszuschläge zusätzlich zur Steuer
Während der Geltungsdauer der Dauerfristverlängerung ist der „Monatszahler“ dazu verpflichtet, die Sondervorauszahlung jeweils zum 10. Februar anzumelden und zu entrichten. Andernfalls werden Säumniszuschläge für jeden angefangenen Monat fällig, den die Sondervorauszahlung verzögert eintrifft.

Ergibt sich bei der Berechnung der Sondervorauszahlung ein Überschuss zu Ihren Gunsten, dürfen Sie im Antragsformular bei der Sondervorauszahlung (Zeile 27) den Betrag 0 EUR eintragen.

Die Sondervorauszahlung dürfen Sie im Dezember wieder als Umsatzsteuer-Erstattung zurechnen. Somit wird klar, dass es sich bei der Sondervorauszahlung nur um eine Verschiebung des Zahlungszeitpunktes oder um eine Art „Kaution“ handelt, die wieder „zurückbezahlt“ wird. Dabei sollten Sie wissen, dass solche Erstattungen oder Verrechnungen bei der Berechnung der Sondervorauszahlung für das Folgejahr wieder zugerechnet werden müssen.

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Widerruf der Dauerfristverlängerung

Sowohl Sie als Unternehmer als auch das zuständige Finanzamt können die Dauerfristverlängerung jederzeit widerrufen. Während Sie dafür keine Begründung brauchen, muss das Finanzamt seinen Widerruf erklären. Abgeschlossene und laufende Steuerstrafverfahren oder Ermittlungen der Steuerfahndung gegenüber dem betroffenen Unternehmer können zum Beispiel eine plausible Erklärung für einen solchen Widerruf sein, da damit der Steueranspruch des Staates gefährdet erscheint.

Achtung: Keine Erstattung der Sondervorauszahlung bei Widerruf
Wird die Dauerfristverlängerung widerrufen, darf das Finanzamt die bereits geleistete Sondervorauszahlung mit bestehenden Umsatzsteuerforderungen verrechnen. Das gilt auch für Insolvenzfälle. Sie haben demnach erst nach einer etwaigen Verrechnung  einen Erstattungsanspruch auf die Auszahlung von geleisteten Sondervorauszahlungen.

Beispiel: Fehler bei Dauerfristverlängerung

Sachverhalt: Unternehmer Hans ist zur monatlichen Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung verpflichtet. Da er die Umsatzsteuervoranmeldungen meistens unter Zeitdruck erledigt, entschließt er sich, einen Antrag auf Dauerfristverlängerung zu stellen. Dieser geht beim Finanzamt am 11. Februar ein. Obwohl er vom Finanzamt noch keine Rückmeldung hat, reicht er die Umsatzsteuervoranmeldung für Januar im Vertrauen darauf, dass die Dauerfristverlängerung nicht abgelehnt wird, erst zum 10. März beim Finanzamt ein. Kurz darauf stellt er fest, dass er vergessen hat, die Sondervorauszahlung zu bezahlen. Er fragt sich nun, ob damit die ganze Dauerfristverlängerung hinfällig ist und er gegenüber dem Finanzamt in Verzug geraten ist.

Antwort: Die Dauerfristverlängerung muss zum 10. Februar eingereicht werden, damit sie ihre Wirkung bereits für die Umsatzsteuervoranmeldung von Januar und damit für das gesamte laufende Kalenderjahr entfaltet.

Obwohl der Antrag von Hans erst am 11. Februar beim Finanzamt eingegangen ist, hat er Glück, denn der 10. Februar war ein Sonntag. Demnach ist erst der 11. Februar der Stichtag und die Dauerfristverlängerung gilt bereits für die Umsatzsteuervoranmeldung von Januar. Solange das Finanzamt die Dauerfristverlängerung nicht ablehnt oder widerruft, kann Hans darauf vertrauen, dass sie genehmigt wurde. Insofern ist es völlig in Ordnung, dass er die Umsatzsteuervoranmeldung von Januar erst zum 10. März eingereicht hat.

Die Sondervorauszahlung dagegen ist für „Monatszahler“ wie Hans verpflichtend. Hans hätte die Sondervorauszahlung bis zum 10. Februar leisten müssen, und ist daher in Verzug geraten. Er muss deshalb damit rechnen, dass das Finanzamt den Verzug anmahnen und mit Säumniszuschlägen belegen wird. Allerdings muss er nicht befürchten, dass die gesamte Dauerfristverlängerung hinfällig ist. Hans sollte das Finanzamt von seinem Versäumnis in Kenntnis setzen und einen Antrag auf Erlass der Säumniszuschläge stellen. Wenn er sonst immer ein pünktlicher Zahler war, kann er dadurch etwaige Säumniszuschläge möglicherweise abwenden.

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