Krank im Urlaub: Rechte und Pflichten Ihres Mitarbeiters

Wird ein Mitarbeiter krank im Urlaub, kann er seinen Urlaubsanspruch retten, wenn er sich ordnungsgemäß krankmeldet. Er erhält dann Lohnfortzahlung und kann die ausgefallenen Urlaubstage später nehmen. Besonderes gilt, wenn er im Auslandsurlaub erkrankt. Was er im Einzelnen tun muss, um seinen Anspruch zu erhalten, lesen Sie hier.

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Frau mit Erkältung auf dem Sofa
Anna Subbotina – stock.adobe.com

Der Mitarbeiter muss sich krank (im Urlaub) melden

Wird ein Arbeitnehmer krank im Urlaub, muss er den Arbeitgeber so schnell wie möglich über seine Arbeitsunfähigkeit informieren. Das gilt auch, wenn der Mitarbeiter den Urlaub im Ausland verbringt. Denn ein Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit besteht auch im Urlaub. Dazu muss er dem Arbeitgeber Folgendes mitteilen:

  • seine Arbeitsunfähigkeit an sich,
  • die voraussichtliche Dauer der Krankmeldung und
  • seine Urlaubsadresse bzw. Kontaktdaten (bei Auslandsaufenthalt).

Die Krankmeldung muss so schnell wie möglich erfolgen, also am besten per Telefon, E-Mail oder Fax. Erkrankt er im Auslandsurlaub kann er vom Arbeitgeber sogar die Erstattung der Übermittlungskosten verlangen. Das hat der Gesetzgeber ausdrücklich so festgelegt (§ 5 Entgeltfortzahlungsgesetz). Auch seiner gesetzlichen Krankenkasse muss er die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzeigen.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Mitarbeiter wird krank im Urlaub im Ausland

Auch wenn Ihr Mitarbeiter im Auslandsurlaub krank wird, muss er dafür sorgen, dass Ihnen neben der z. B. telefonischen Krankmeldung eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zum Abruf bei seiner Krankenkasse bereitgestellt wird. Dafür bestehen mit den EU-Ländern vereinfachende Abkommen. Das funktioniert so:

Der Arbeitnehmer gibt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des ausländischen Arztes bei einer Krankenkasse im Urlaubsort ab. Die ausländische Krankenkasse leitet sie an seine deutsche Krankenkasse weiter und diese stellt sie dem Arbeitgeber zum Abruf zur Verfügung.

Wenn Ihr Mitarbeiter außerhalb der EU krank im Urlaub wird, kann er Ihnen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung möglicherweise ebenfalls über die ausländische Krankenkasse zukommen lassen. Denn auch mit manchen Nicht-EU-Ländern bestehen entsprechende Sozialversicherungsabkommen.

Aus der ausländischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss hervorgehen, dass der Arzt nicht nur eine einfache Erkrankung, sondern eine Krankheit mit Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat. Ansonsten hat die ausländische Bescheinigung den gleichen Beweiswert wie eine inländische. Glaubt der Arbeitgeber nicht, dass sein Mitarbeiter arbeitsunfähig krank im Urlaub ist, muss er ihm das Gegenteil beweisen, um den Urlaubsanspruch zu entkräften.

Früher durfte der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit anzweifeln, wenn sich ein ausländischer Mitarbeiter wiederholt gegen Ende des Heimatbesuchs krank im Urlaub und darüber hinaus gemeldet hatte. Heute ist es wesentlich schwerer, die Lohnfortzahlung zu verweigern, wenn der Mitarbeiter eine in einem EU-Land ausgestellte Bescheinigung vorlegt. Dazu muss der Arbeitgeber belegen können, dass der Mitarbeiter ihn betrügen wollte. Kommt es zu einem Prozess, muss er beweisen können, dass sich der Mitarbeiter krank im Urlaub gemeldet hat, ohne tatsächlich arbeitsunfähig gewesen zu sein. Ernsthafte Zweifel reichen nicht.

Krank im Urlaub heißt krank: Krankheitstage sind keine Urlaubstage

Wenn ein Mitarbeiter krank im Urlaub wird, muss der Arbeitgeber für diese Tage Lohnfortzahlung leisten. Die durch Attest nachgewiesenen Tage dürfen ihm nicht als Urlaubstage angerechnet werden (§ 9 Bundesurlaubsgesetz). Der Mitarbeiter darf die „entgangenen“ Urlaubstage aber auch nicht eigenmächtig an den ursprünglichen Urlaub anhängen. Sein Urlaub endet zum vereinbarten Datum. Den „entgangenen“ Urlaub muss er wie alle anderen Urlaubstage beim Arbeitgeber beantragen und genehmigen lassen.

Sonderfall: Der Mitarbeiter bleibt monatelang krank (im Urlaub und darüber hinaus)

Der gesetzliche Urlaub bei Langzeiterkrankung erlischt grundsätzlich spätestens 15 Monate nach Ablauf des entsprechenden Urlaubsjahrs. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers über das Verfallsdatum hinaus fortdauert oder nicht (BAG, Urteil v. 18.9.2012, 9 AZR 623/10). Unklar war lange, ob das auch der Fall ist, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeiter nicht auf den drohenden Verfall hingewiesen und zur Urlaubsnahme aufgefordert hat.

Das wurde 2022 vom BAG entschieden: Der Anspruch auf gesetzlichen Mindesturlaub aus dem Urlaubsjahr, in dem der Mitarbeiter gearbeitet hat, bevor er krank wurde, erlischt nur regelmäßig spätestens 15 Monate nach Ablauf des Übertragungszeitraums, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer rechtzeitig in die Lage versetzt hat, den Urlaub zu nehmen (BAG, Urteil v. 20. Dezember 2022, 9 AZR 245/19).

Praxis-Beispiele: Mitarbeiter wird vor, mit oder im Urlaub krank

Unternehmer U. möchte wissen, welchen Unterschied es macht, wann sein Mitarbeiter M. krank im Urlaub wurde.

1. Möglichkeit: M. wird vor dem Urlaub krank und bleibt auch krank im Urlaub

M. muss U. ganz normal darüber informieren, dass er krank ist und voraussichtlich krank im Urlaub sein wird. Sein Urlaubsanspruch bleibt unverändert bestehen. Er muss seinen Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt erneut bei U. beantragen und genehmigen lassen. Für die Dauer des Urlaubs leistet U. Lohnfortzahlung.

2. Möglichkeit: M. ist bis zum Urlaubsbeginn krankgeschrieben

M. kann seinen Urlaub wie geplant antreten. Bis zum Urlaubsantritt leistet U. Lohnfortzahlung, für die Dauer des Urlaubs Urlaubsentgelt.

3. Möglichkeit: M. wird krank im Urlaub

M. muss U. so schnell wie möglich von seiner Arbeitsunfähigkeit informieren. Wird er krank im Urlaub im Ausland, kann er für die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung das vereinfachte Verfahren über die Krankenkassen wählen. Die Kranktage werden nicht auf den Urlaubsanspruch angerechnet. Für die Urlaubstage zahlt U. Urlaubsentgelt, für die Krankheitstage Lohnfortzahlung.

4. Möglichkeit: M. wird erst zum Arbeitsbeginn krank

M. muss U. so schnell wie möglich darüber informieren, dass er die Arbeit nach dem Urlaub nicht antreten kann. Auch wenn U. den Verdacht hat, dass M. nur seinen Heimaturlaub „verlängern“ möchte, darf er die Lohnfortzahlung nicht verweigern. Er muss das ärztliche Attest aus dem EU-Ausland akzeptieren, es sei denn, er kann M. einen Betrug nachweisen.