Midijob: Alles Wichtige zur Einkommensobergrenze in der Gleitzone

Seit April 2003 haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, einen Midijob auszuüben. Bisher betrug das Einkommen in dieser Form des Arbeitsverhältnisses zwischen 450,01 Euro und 850 Euro. Dies änderte sich im Juli 2019. Hier wurde die Obergrenze auf 1.300 Euro erhöht. Außerdem erwerben Midijobber seitdem die vollen Rentenansprüche. Der Midijob ist so zu einem sozialversicherungsrechtlichen Übergangsbereich geworden. Von dieser Regelung profitieren sowohl Ihre Angestellten als auch Sie Arbeitgeber. Was Sie darüber wissen müssen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Definition

Definition: Midijob einfach erklärt

Arbeitnehmer, die mit ihrem Gehalt über der Minijob-Gehaltsgrenze von 450 Euro liegen, aber durchschnittlich maximal 1.300 Euro pro Monat verdienen, befinden sich in einem sogenannten Midijob. Diese Grenze wird auch als Gleitzone bezeichnet. Bei einem Einkommen von bis zu 450 Euro monatlich spricht man hingegen von einem klassischen Minijob.

Seit dem 01. Juli 2019 gilt für ein Midijob-Beschäftigungsverhältnis eine Obergrenze von 1.300 Euro. Dadurch werden deutlich mehr Geringverdiener entlastet, denn Arbeitnehmer müssen erst mit einem Monatseinkommen ab 1.300,01 Euro die vollen Sozialabgaben zahlen. Bei einem Midijob werden hingegen nur zwischen 11 und 21 % fällig. Darüber hinaus hat sich auch die Begrifflichkeit geändert. Aus der „Gleitzone“ ist der „Übergangsbereich“ geworden.

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MinijobMidijob
Verdienstgrenze (durchschnittlich pro Monat) Max. 450 Euro Zw. 450,01 und 1.300 Euro
Sozialversicherung Keine; Ausnahme: Arbeitnehmer können freiwillig in die Rentenversicherung einzahlen bzw. sich von den 3,6 % befreien lassen. Arbeitgeber zahlen 28 % (13 % Krankenversicherung, 15 % Rentenversicherung) Zwischen 11 und 21 % des monatlichen Gehalts (Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung). Arbeitgeberbeitrag: ~ 19,875 %
Lohnsteuer Pauschalsteuersatz 2 % Hängt von der Steuerklasse des Arbeitnehmers ab: Steuerklasse I bis IV: Ab Verdienst von mehr als 1.000 Euro. Steuerklasse V und VI: Ab 450,01 Euro

Unterschiede zwischen einem Minijob und einem Midijob

Der Unterschied zum Minijob liegt darin, dass Arbeitnehmer bei einem Midijob in der Gleitzone sozialversicherungspflichtig sind. Ihr Anteil zur gesetzlichen Sozialversicherung ist allerdings abhängig vom Bruttoarbeitsentgelt. Die Arbeitnehmerbeiträge werden für Midijobber nach einer reduzierten beitragspflichtigen Einnahme (Gleitzonenentgelt) berechnet. Je weniger der Arbeitnehmer verdient, desto größer ist die Entlastung beim Sozialversicherungsbeitrag. Im Gegensatz dazu ist der Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung bei einem Midijob konstant. Er liegt bei der Hälfte des Gesamtbeitragssatzes.

Die Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Überblick

Zunächst mag es vorteilhaft klingen, dass bei einem Minijob das Brutto-Entgelt gleich Netto-Entgelt ist. Dennoch liegt der enorme Vorteil eines Midijobs eben genau darin, dass Sie sozialversicherungspflichtig und im Falle eines Verdienstausfalls gesetzlich abgesichert sind. Das bedeutet: Werden Sie arbeitslos, waren aber vorher mindestens ein Jahr in einem Midijob beschäftigt, erhalten Sie Arbeitslosengeld (ALG) 1 zur Überbrückung. Hinzu kommt die Tatsache, dass Sie zwar Abgaben zahlen, die Beiträge aber im Vergleich zu einem Vollzeit- oder Teilzeitjob bei einem Midijob deutlich niedriger sind. Anders sieht es hingegen aus, wenn Sie bereits einen Hauptberuf ausüben und nebenbei einen Midijob haben. In diesem Fall profitieren Sie nicht von den geringeren Sozialbeiträgen.

Midijob: Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer:

  • Vorteil: Sozialversicherungsrechtliche Absicherung
  • Vorteil: Geringere Sozialabgaben
     
  • Nachteil: Brutto nicht gleich Netto
  • Nachteil: Keine Vergünstigung, wenn Midijob als Nebenjob ausgeübt wird

Auch Sie Arbeitgeber profitieren von einem Angestellten im Gleitzonenbereich. Bei einem Minijob müssen Sie alle Beiträge komplett übernehmen, bei einem Midijob hingegen nur anteilig. Gleichzeitig bedeutet ein solches Arbeitsverhältnis für Sie aber auch deutlich mehr Aufwand, weil Sie darauf achten müssen, dass der Arbeitnehmer die Obergrenze nicht überschreitet.

Gleitzonenregelung: Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer:

  • Vorteil: Beteiligung an den Sozialversicherungsabgaben nur anteilig
  • Nachteil: Höherer bürokratischer Aufwand

Diese arbeitsrechtlichen Regelungen gelten im Midijob

Im Grunde gilt als Vorlage auch hier der Arbeitsvertrag. Dieser beinhaltet sowohl die gesetzlichen Regelungen als auch die betriebsinternen Sonderfälle. Wie bei jeder beruflichen Tätigkeit haben sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber Rechte und Pflichten, die sie einhalten müssen.

Was hat sich seit dem 1. Juli 2019 geändert?

Im Rahmen der Rentenreform kam es zu einer Neuregelung der Gleitzone im Jahr 2019. Diese wird nun als Übergangsbereich bezeichnet. Folgendes hat sich geändert:

  • Verdienst: Bei einem Midijob vor 2019 durften Arbeitnehmer maximal 850 Euro verdienen und mussten hohe Beiträge in die Sozialversicherung zahlen, je näher sie der Obergrenze kamen. Dies hat sich geändert. Zum einen wurde der Übergangsbereich des Midijobs erweitert. Sie dürfen nun bis zu 1.300 Euro monatlich verdienen, um in der Gleitzone zu bleiben.
  • Versicherungsbeiträge: Auch weiterhin gelten die Entlastungsregelungen der Bundesregierung. Je mehr ein Midijobber verdient, umso höher werden die Abgaben. Sie als Arbeitgeber bezahlen Midijobregelung den halben Beitragssatz.
  • Rentenanspruch: Bisher war es so, dass für die Berechnung ein fiktiver, beitragspflichtiger Faktor einbezogen wurde. Dies hat sich ebenfalls geändert. Nun haben Arbeitnehmer im Midijob denselben Rentenanspruch wie ein Vollzeitbeschäftigter.
  • Arbeitsrecht: Midijobber haben dieselben Vorteile wie jeder normale Arbeitnehmer in Vollzeit auch. Das betrifft unter anderem Urlaubstage, Lohnfortzahlung und Arbeitslosengeld.

Wie viele Stunden dürfen Midijobber arbeiten?

Dies ist abhängig vom gezahlten Stundenlohn. Gehen wir vom Mindestlohn aus, der 2021 9,50 Euro / Stunde beträgt, dürfen Arbeitnehmer maximal 136 Stunden pro Monat arbeiten. Je höher demnach der Lohn ausfällt, umso weniger Stunden darf der Arbeitnehmer im Rahmen seines Midijobs ausüben.

Was gilt, wenn ein Angestellter neben dem Midijob weitere Jobs hat?

Handelt es sich beim Midijob Ihres Mitarbeiters um einen sogenannten Zweitjob, den er neben seiner Vollzeitstelle ausübt, profitiert er nicht von den Vergünstigungen bei den Sozialabgaben. Tatsächlich ist es sogar so, dass er in diesem Fall automatisch für den Midijob in Steuerklasse 6 fällt. Aus diesem Grund kann es finanziell sinnvoller sein, sich für einen Minijob zu entscheiden.

Wieviel Urlaub steht Midijobbern zu?

Auch bei einem Midijob haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Dieser entspricht dem gesetzlichen Urlaubsmindestanspruch und ist abhängig von den Arbeitstagen:

  • 6-Tage-Woche = 24 Urlaubstage
  • 5-Tage-Woche = 20 Urlaubstage
  • 4-Tage-Woche = 16 Urlaubstage

Aus diesem Grund lohnt es sich für Arbeitnehmer, die Stunden auf mehrere Tage zu verteilen, um einen höheren Urlaubsanspruch im Midijob zu erhalten.

Gleitzone: Wer zahlt was?

Bei einem Midijob fallen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterschiedlich hohe Beiträge bei der Sozialversicherung und bei den Steuern an. Da dieser Umstand für Verwirrung sorgen kann, haben wir die einzelnen Fakten für Sie zusammengestellt.

Welche Abgaben und Steuern müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entrichten?

Midijobber zahlen einen geringeren Steuer- und Abgabesatz:

  • Midijob und Lohnsteuer: In der Gleitzone müssen Arbeitnehmer, die einen Midijob ausüben, nur dann Lohnsteuer zahlen, wenn sie sich in Steuerklasse 5 oder 6 befinden. Alle anderen Steuerklassen sind im Midijob steuerfrei. Einzige Ausnahme: Es handelt sich um einen Zweitjob. Dann fallen die Midijobber in Steuerklasse 6. In diesem Fall macht sich der Midijob deutlich in der Steuererklärung bemerkbar, weil sehr viele Abzüge anfallen.
  • Midijob und Sozialversicherung: Arbeitnehmer im Midijob sind vollständig abgesichert. Egal ob Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung – trotz geringerer Beiträge erhalten diese den vollen Versicherungsschutz.

Auch Sie als Arbeitgeber profitieren von Angestellten, die einen Midijob ausüben. Denn als Unternehmer zahlen Sie ebenfalls nur anteilige Beiträge für den Versicherungsschutz.

So berechnen sich die Arbeitgeberbeiträge

Für die Ermittlung der Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungsbeiträgen gibt es bei Mitarbeitern in der Gleitzone bzw. im Übergangsbereich keine Besonderheiten. Sie berechnen die Beiträge von Midijobbern, wie bei allen anderen Mitarbeitern auch, aus dem vollen Arbeitsentgelt.

So berechnen sich die Arbeitnehmerbeiträge

Die Arbeitnehmeranteile resultieren beim Midijob aus einer reduziertenbeitragspflichtigen Einnahme. Diese berechnen Sie anhand einer Formel, die jedes Jahr zum 1. Januar aktualisiert wird. Die so ermittelte Einnahme bildet die Berechnungsgrundlage für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag des Midijobbers.

Tipp

Formel zur Ermittlung der reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen

Die Formel zur Ermittlung der reduzierten beitragspflichtigen Einnahmen lautet: (H4)

  • F x 450 + ([1300/(1300 - 450)] – [450/(1300-450)] x F ) x (Arbeitsentgelt - 450)
  • Oder vereinfacht (für das Jahr 2021): 1,131876 x Arbeitsentgelt - 171,43941

F ist hierbei ein Faktor, der jedes Jahr neu festgelegt wird. 2021 hat er den Wert 0,7509. 
 

Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit Kindern verdient 600 Euro monatlich in seinem Midijob. Bei Anwendung der Gleitzonenformel gilt für die Arbeitnehmerbeiträge im Jahr 2021 eine fiktive beitragspflichtige Einnahme von 507,69 Euro.

Info

Mit einem Lohnprogramm geht die Beitragsberechnung automatisch

Sparen Sie sich das aufwändige Berechnen der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme. Mit unseren Lohnabrechnungsprogrammen berechnen Sie die Beiträge Ihrer Midijobber mit einem Klick und sind gesetzlich stets auf der sicheren Seite. Denn die Software verwendet immer die aktuelle Formel. 

Keine Rentennachteile mehr beim Midijob

Vor der Änderung erwarb ein Beschäftigter in der Gleitzone aufgrund der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme nur reduzierte Rentenanwartschaften. Dies konnte der Midijobber nur vermeiden, indem er in der Rentenversicherung auf die Anwendung der Gleitzonenregelung verzichtete. In diesem Fall wurden seine Rentenversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber aus dem vollen Arbeitsentgelt errechnet.

Die Entgeltpunkte (Werteinheit in der gesetzlichen Rentenversicherung, vgl. § 63 Abs. 1 bis 3 SGB VI) für Beitragszeiten aus einer Beschäftigung im Übergangsbereich werden seit dem 1. Juli 2019 generell aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt ermittelt. Die verminderte Beitragsbemessungsgrundlage im Midijob spielt dann für die Entgeltpunkte in der Rentenversicherung keine Rolle mehr.

Achtung

Welche Beiträge fallen bei Studenten oder Rentnern an, die einen Midijob ausüben?

Studenten führen lediglich Steuern und Beiträge zur Rentenversicherung ab. Alles andere ist versicherungsfrei. Bei Rentnern entfallen selbstverständlich die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Lediglich Steuern und Krankenkassenbeiträge müssen diese abführen.

Entgeltmeldungen für Midijobber

In sämtlichen Entgeltmeldungen, in denen die beitragspflichtige Einnahme nach den Regelungen der Gleitzone bzw. im Übergangsbereich berechnet wird, muss seit Juli 2019 zusätzlich das tatsächliche Arbeitsentgelt angegeben werden. Dadurch dass Sie den Midijob anmelden, erhält jeder Arbeitnehmer im Übergangsbereich automatisch höhere Entgeltpunkte für seine Rente.

Schwankendes Entgelt

Bei Mitarbeitern, deren Entgelt stark schwankt, liegt das Entgelt unter Umständen in einigen Monaten unterhalb oder oberhalb der Gleitzone, obwohl die Beschäftigten insgesamt gesehen im Übergangsbereich bleiben.

Beispiel für schwankendes Entgelt bei einem Midijob

Ein Arbeitnehmer verdient in einigen Monaten 400 Euro, in anderen 1.400 Euro und in einigen 800 Euro. Damit liegt er mit seinem regelmäßigen Jahresarbeitsentgelt grundsätzlich im Übergangsbereich. In den Monaten, in denen der Mitarbeiter mit seinem Entgelt unterhalb oder oberhalb der Midijob-Zone liegt, kann die Beitragsbemessungsgrundlage für die Arbeitnehmerbeiträge aber nicht nach der Formel für die Gleitzone berechnet werden.

Tipp

Bei schwankendem Entgelt gilt Folgendes

1. Fall: Das Entgelt liegt unter 450,01 Euro (Minijob-Grenze)

Sie als Arbeitgeber berechnen die beitragspflichtige Einnahme (für die Berechnung der Arbeitnehmerbeiträge), indem Sie das tatsächliche Arbeitsentgelt mit dem Faktor F multiplizieren (Wert für 2020: 0,7547).

2. Fall: Das Entgelt übersteigt 1.300 Euro

In Monaten, in denen das Entgelt die obere Grenze von 1.300 Euro überschreitet, müssen sowohl die Arbeitnehmer- als auch die Arbeitgeberbeiträge nach dem tatsächlichen Arbeitsentgelt berechnet werden. Die Regelungen für den Midijob kommen hier nicht zur Anwendung: