Familienmitglieder im Betrieb – was gilt es zu prüfen?

Wenn Unternehmer ein Familienunternehmen aufbauen wollen, binden Sie Verwandte, Kinder, Ehefrau oder Ehemann etc. in der Regel früh in die Arbeitsprozesse ein. Doch was gilt es dabei zu beachten? Immerhin handelt es sich bei Familienangehörigen nicht um gewöhnliche Angestellte. Alles zum Thema arbeitende Familienangehörige haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.

Blend Images/stock.adobe.com
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So gehen Sie vor, wenn Sie Familienmitglieder im Betrieb einbinden

Um klar abzugrenzen, welches Arbeitsverhältnis vorliegt, sollte in jedem Falle eine Statusprüfung erfolgen, bevor die jeweilige Person die Arbeit aufnimmt. Diese bringt rechtliche Sicherheit und erspart hohe Kosten im Zusammenhang mit „falschen“ Zahlungen.

Bei mitarbeitenden Ehegatten -frauen und Lebenspartnern, die nach dem 31.12.2004 im Betrieb tätig sind, wird das Statusfeststellungsverfahren automatisch durchgeführt. Mitarbeitende Kinder, Enkelkinder, Verwandte und Verschwägerte des Arbeitgebers werden allerdings nicht automatisch auf ihren Status überprüft.

Für sie besteht also weiterhin Rechtsunsicherheit. Das gilt auch für die „Altfälle“ der Ehe- und Lebenspartner, sodass Betroffene selbst die Initiative ergreifen und ein Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen müssen. Wer mit der Entscheidung des Sozialversicherungsträgers nicht einverstanden ist, kann schriftlich Widerspruch einlegen.

Familienhafte Mitarbeit: Statusunterschiede bei sozial- und steuerrechtlicher Klärung

Mit Ihnen arbeitende Familienangehörige können aus steuerrechtlicher Sicht einen anderen Status haben als aus sozialrechtlicher Sicht. Er oder sie kann nach der Rechtsprechung der Finanzgerichte als Arbeitnehmer:in gelten, nach der Rechtsprechung der Sozialgerichte jedoch als Mitunternehmer:in. Steuerrecht und Sozialversicherungsrecht sind voneinander unabhängig.

Familienmitglieder im Betrieb aus steuerrechtlicher Sicht

Die Mitarbeit eines Familienangehörigen wird in folgenden Fällen steuerlich anerkannt:

  • Wenn es sich nicht nur um eine normale Mithilfe handelt.
  • Wenn der Arbeitsvertrag schriftlich abgeschlossen ist und hinsichtlich Höhe des Arbeitslohns, aller notwendigen übrigen Bestandteile und seine Einhaltung einem Drittvergleich genügt.
  • Wenn die gesetzliche Arbeitszeit nachgewiesen wird.
  • Wenn das Arbeitsentgeld pünktlich und in bar bezahlt wird.

Zwischen Ehegatten und –partnern muss das Arbeitsverhältnis ernsthaft vereinbart und durchgeführt werden. Bei Mitarbeit von Kindern wird auf angemessene Bezüge geachtet. Sind Kinder Arbeitgeber der Eltern, darf es sich nicht um verdeckte Unterhaltsleistungen handeln.

Familienmitglieder im Betrieb mit oder ohne Sozialversicherung

In vielen Betrieben und bei Selbstständigen wie z. B. Ärzten, Architekten etc. sind mithelfende Familienangehörige sozialversicherungspflichtig beschäftigt und es werden Beiträge zur Sozialversicherung entrichtet. Sie müssen nicht selten – oft nach Jahren – erleben, dass sie bei näherer Prüfung als Unternehmer oder Unternehmerin und nicht als Arbeitnehmer eingestuft werden mit der Folge, dass im schlimmsten Fall – Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Insolvenz u. Ä. – der Antrag auf Leistung abgelehnt wird. Der Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrags und die Zahlung von Lohnnebenkosten reichen allein nicht aus, um klar als Arbeitnehmer:in zu gelten.

Die Folgen des falschen Status eines Familienmitglieds im Betrieb

Die Einstufung als Unternehmer hat fatale Folgen für das mitarbeitende Familienmitglied. So gibt es im Falle einer Arbeitslosigkeit kein Geld von der Arbeitsagentur, bei Berufs- und Erwerbsunfähigkeit oder –minderung gewährt der Rentenversicherungsträger keine Rente, es besteht kein Anspruch auf Kurzarbeitergeld und bei Arbeits- und Wegeunfällen entfallen jegliche Leistungsansprüche.

Schließlich können sich auch steuerliche Nachteile dadurch ergeben, dass die Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Kranken- und Sozialversicherung ggf. nachversteuert werden müssen.

Können Sie als Arbeitgeber oder Arbeitgeberin in einem solchen Falle Versicherungsbeiträge, die Sie überflüssigerweise für Ihr Familienmitglied im Betrieb gezahlt haben, zurückverlangen? Grundsätzlich ja. Allerdings gelten Verjährungsfristen:

Für die Beiträge zur Rentenversicherung 30 Jahre, für Beiträge zur gesetzlichen Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung lediglich 4 Jahre.

Checkliste zur Sozialversicherungspflicht bei familienhafter Mitarbeit

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sind Mitunternehmer diejenigen, die „Mitunternehmerrisiko tragen und Mitunternehmerinitiative entfalten können. Der oder die mitarbeitende Familienangehörige muss demnach einen gewissen Einfluss auf das Unternehmen haben und am Erfolg wie Misserfolg beteiligt sein. Das trifft immer dann zu, wenn er oder sie Gesellschafter der GmbH, KG, OHG oder GbR ist.

Info

Familienmitglieder im Betrieb als Mitunternehmer 

Überwiegend sind arbeitende Familienangehörige aber nicht Gesellschafter. Für ihre Einordnung als Mitunternehmer hilft folgende Checkliste weiter:

  • Bürgschaft des Ehepartners für Kreditvertrag
  • Familienangehöriger erhält ein höheres Gehalt als eine vergleichbare Fremdarbeitskraft.
  • Familienangehöriger gewährt dem Unternehmer/Unternehmen ein Darlehen.
  • Familienangehöriger besitzt Prokura.
  • Familienangehöriger besitzt Gesellschaftsanteile.
  • Familienangehöriger kann Entscheidungen des Unternehmers (wesentlich) beeinflussen.
  • Ehepartner lebt mit Unternehmer in Gütergemeinschaft.
  • Ein schriftlicher Arbeitsvertrag wurde nicht geschlossen.
  • Er/sie arbeitet wesentlich länger als vergleichbare Angestellte, ohne dafür Lohnausgleich zu erhalten.
  • Familienangehöriger hat Einblick in die Preiskalkulation des Unternehmers und bestimmt diese mit.
  • Das Arbeitsentgelt liegt weit unter/über der üblichen Höhe.
  • Der Angehörige ist am Gewinn/Umsatz beteiligt.

Fazit: Die rechtlichen und tatsächlichen Beziehungen des Unternehmers und Mitunternehmers müssen sich auf einer partnerschaftlichen Ebene befinden.

Für den Arbeitnehmerstatus des mitarbeitenden Familienangehörigen spricht, wenn seine persönliche Arbeitsleistung deutlich im Vordergrund steht. Weitere Kriterien sind:

  • Das Beschäftigungsverhältnis ist ernsthaft und eindeutig gewollt, entsprechend vereinbart und tatsächlich vollzogen.
  • Der oder die Familienangehörige ist wie ein fremder Arbeitnehmer im Betrieb eingegliedert.
  • Das Arbeitsentgelt bei der familienhaften Mitarbeit wird als Betriebsausgabe verbucht und es wird dafür Lohnsteuer abgeführt.
  • Der Familienangehörige wird anstelle einer fremden Hilfskraft beschäftigt.
  • Ein schriftlich abgeschlossener Arbeitsvertrag regelt Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Arbeitszeit etc.

Info

Bei arbeitenden Familienangehörigen sind Sozialgerichte streng

Aufgrund der familiären Bindung der Beteiligten legen die Sozialversicherungsträger und Sozialgerichte bei der Statusprüfung strenge Maßstäbe an. Stets müssen die Gesamtumstände gewürdigt werden. Einzelne Kriterien sind nicht ausschlaggebend.