Brexit: Das müssen deutsche Unternehmer 2021 steuerlich beachten

Die Europäische Union und das Vereinigte Königreich haben sich in letzter Minute im Zuge des Brexits auf ein Handelsabkommen geeinigt. Was dies steuerlich für Unternehmer bedeutet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Brexit Umsatzsteuerregelung 2021
Gettyimages.com / Amer Ghazzal

Umsatzsteuerliche Besonderheiten aufgrund des Brexits im Jahr 2021

Trotz des geregelten Brexits ist das Vereinigte Königreich seit dem 1. Januar 2021 umsatzsteuerlich als Drittland einzustufen. Das gilt bis auf eine Ausnahme sowohl für Großbritannien als auch für Nordirland. Zum 1. Januar 2021 müssen Unternehmer mit Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien und Nordirland ihre Buchhaltung, die Nebenbuchhaltung und die Rechnungssoftware anpassen, um umsatzsteuerlich keine Fehler zu machen.

Info

Die Tax-Compliance-Prüfung

Hier empfiehlt es sich, seinen Steuerberater mit einer Tax-Compliance-Prüfung zu beauftragen. Der Steuerberater wird dann stichprobenartig Geschäftsvorfälle mit Verbindung zum Vereinigten Königreich aus der Buchhaltung herausfiltern und die steuerliche Behandlung aufgrund des Brexits ab 1. Januar 2021 überprüfen.

Eine Tax-Compliance-Prüfung kostet natürlich Geld, bringt aber im Endeffekt die notwendige umsatzsteuerliche Rechtssicherheit ab 2021. Ausgewähltes Personal, das für die Rechnungsstellung und für die Verbuchung solcher Geschäftsvorfälle verantwortlich ist, sollte zudem in Punkto Brexit geschult werden und als Ansprechpartner für den Steuerberater fungieren.

Sonderrolle für Nordirland aufgrund des Brexits im Warenverkehr

Für Nordirland gilt umsatzsteuerlich eine Sonderrolle – zumindest im Warenverkehr. Trotz Brexit wird Nordirland bei der Umsatzbesteuerung im Warenverkehr ab 1. Januar 2021 weiterhin so behandelt, als würde es zum Gebiet der Europäischen Union gehören. Beim Warenverkehr muss also ab 1.1.2021 unterschieden werden, ob Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien oder zu Nordirland bestehen (BMF, Schreiben v. 10.12.2020, Az. III C 1 – S 7050/19/10001:002; Tz. 1).

Umsatzsteuerlich gilt ab 1. Januar 2021 für den Waren- und Dienstleistungsverkehr also Folgendes:

  • Warenverkehr: Großbritannien wird ab 1. Januar 2021 beim Warenverkehr umsatzsteuerlich wie ein Drittland behandelt. Nordirland wird aufgrund seiner Sonderrolle beim Warenverkehr auch ab 2021 wie ein Mitgliedsstaat behandelt.
  • Dienstleistungsverkehr: Sowohl Großbritannien als auch Nordirland werden im Dienstleistungsverkehr umsatzsteuerlich als Drittland eingestuft.

Info

Umsatzsteuer-ID in Nordirland

Die umsatzsteuerliche Besonderheit Nordirlands im Warenverkehr nach dem Brexit wird auch Auswirkung auf die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer von Unternehmen mit Ansässigkeit in Nordirland haben. Die nordirische Umsatzsteuer-Identifikationsnummer für den Warenverkehr wird bei der Länderkennung die Großbuchstaben „XI“ ausweisen.

Auswirkung des Brexits für Lieferungen aus und nach Großbritannien – Übergangsregelungen beachten

Da Großbritannien aufgrund des Brexits im Warenverkehr ab 1. Januar 2021 umsatzsteuerlich als Drittland eingestuft wird, gelten spezielle zollrechtliche Förmlichkeiten. Waren sind bei der Einfuhr und bei der Ausfuhr zum Zollverfahren anzumelden und Einfuhrabgaben zu erheben (u. a. Zoll und Einfuhrumsatzsteuer).

Achtung

Übergangsregelung trotz Brexit

Für Warenlieferungen aus und nach Großbritannien, die vor dem 1. Januar 2021 begonnen haben und nach dem 31. Dezember 2020 enden, gilt trotz Brexit eine Übergangsregelung. Bei diesen Geschäftsvorfällen greifen nach wie vor die umsatzsteuerlichen Regelungen zum EU-Warenverkehr (BMF, Schreiben v. 10.12.2020, Tz. 2).

Aufgrund der Übergangsregelungen gilt Folgendes:

  • Lag bei einer Lieferung der Beginn der Versendung oder Beförderung vor dem 1. Januar 2021 im Inland, handelt es sich umsatzsteuerlich um steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen. Die Steuerfreiheit setzt voraus, dass die notwendigen Nachweise geführt werden. Die Lieferung muss zudem in der zusammenfassenden Meldung erfasst werden.
  • Kann vom Unternehmer nachgewiesen werden, dass die Ware nach dem 31. Januar 2020 das Gebiet der Europäischen Union verlassen hat, handelt es sich bei der Lieferung bei Vorliegen aller Voraussetzungen um eine steuerfreie Ausfuhrlieferung.
  • Begann die Lieferung aus Großbritannien vor dem 1. Januar 2021 und endete sie nach dem 31. Dezember 2020, liegt aus Sicht des deutschen Unternehmers umsatzsteuerlich ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor. Vereinfachung: Es wird auf eine Umsatzbesteuerung des Erwerbs verzichtet, wenn nachgewiesen wird, dass der Vorgang nach dem 31. Dezember 2020 der Einfuhrumsatzsteuer unterlegen hat.

Umsatzsteuerliche Behandlung von sonstigen Leistungen aufgrund des Brexits

Der Brexit hat auch umsatzsteuerliche Auswirkungen aus sonstigen Leistungen zwischen in Deutschland ansässigen Unternehmen und Unternehmen mit Ansässigkeit in Großbritannien und Nordirland.

Für die umsatzsteuerliche Behandlung von sonstigen Leistungen ist der Zeitpunkt der Ausführung der Leistung maßgeblich. Bei zeitlich begrenzten Dauerleistungen gilt die sonstige Leistung mit Beendigung des entsprechenden Rechtsverhältnisses als ausgeführt.

Hat die Erbringung einer sonstigen Leistung vor dem 1. Januar 2021 begonnen und endet nach dem 31. Dezember 2020, sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Beendigung für die Beurteilung der gesamten Leistung maßgeblich (BMF, Schreiben v. 10.12.2020, Tz. 3).

Umsätze mit privaten Kunden in Großbritannien: Zeitlicher Druck durch Brexit

Für in Deutschland ansässige bzw. registrierte Unternehmen, die Umsätze mit privaten Kunden in Großbritannien getätigt haben, gilt folgende Besonderheit:

  • Sie müssen die Steuererklärungen für Umsätze mit privaten Kunden in Großbritannien im Rahmen des MOSS-Verfahrens für das 4. Quartal einreichen.
  • Die Steuererklärungen waren ans Bundeszentralamt für Steuern zu übermitteln.
  • Die Abgabe der Steuererklärungen musste bis spätestens 20. Januar 2021 erfolgen.

Tipp

Fehler in der Steuererklärung berichtigen

Kommt es bei der Abgabe der Steuererklärung zu Fehlern oder zu unvollständigen Angaben, können die bis zum 20. Januar 2021 übermittelten Steuererklärungen bis zum 31.12.2021 berichtigt werden (BMF, Schreiben v. 10.12.2020, Tz. 4).

Brexit und die Auswirkungen auf das Vorsteuer-Vergütungsverfahren

Waren Sie oder Ihre Mitarbeiter im Jahr 2020 in Großbritannien und mussten Rechnungen und englische Umsatzsteuer bezahlen, können Sie sich diese Umsatzsteuer im so genannten Vorsteuervergütungsverfahren wieder erstatten lassen.

Normalerweise haben Sie für die Vorsteuervergütung Zeit mit der Antragstellung bis zum 30. Juni 2021. Aufgrund des Brexits gilt jedoch eine Besonderheit: Die Antragsfrist für das Vorsteuervergütungsverfahren für im Vereinigten Königreich in 2020 bezahlte Vorsteuern endete bereits am 31. März 2021.