Betriebsprüfung: Prüfungsschwerpunkte in der Gastronomie, bei Heilberufen und im Kfz-Handel /fileadmin/_processed_/a/7/csm_betriebspruefung-pruefungsschwerpunkte-in-der-gastronomie-bei-heilberufen-und-im-kfz-handel_cc4b7fec3d.jpg 2017-04-10 Lexware

Betriebsprüfung: Prüfungsschwerpunkte in der Gastronomie, bei Heilberufen und im Kfz-Handel

Betriebsprüfer bei einer Außenprüfung
Von Wolfgang Macht
Aktualisiert am: 10.04.2017

Auch wenn keine Betriebsprüfung wie die andere verläuft, so sind doch gewisse Strukturen erkennbar. Besondere Geschäftsvorfälle (Investitionen, Gesellschafterwechsel, Standortverlegungen, Umsatzsteigerungen) werden immer im Fokus des Betriebsprüfers stehen. Dabei richtet sich die Betriebsprüfung stets an den Besonderheiten der Branche aus. Lesen Sie hier beispielhaft die Prüfungsschwerpunkte in den Branchen Gastronomie, Heilberufe und Kfz-Handel.

Ziel einer Betriebsprüfung

Während bei Arbeitnehmern die Steuerzahlung weitgehend von fremden Dritten (Arbeitgebern) im Rahmen des Lohnsteuerabzugs vorgenommen wird, werden die Bemessungsgrundlagen für die Steuerentrichtung von Unternehmen von diesen selbst berechnet und erklärt. Aufgabe der Betriebsprüfung ist es, hier einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Erhebungsformen zu schaffen.

Ziel ist die periodengerechte Besteuerung. Dazu gilt es:

  • den Gewinn mithilfe der Bilanzposten bzw. Betriebseinnahmen und -ausgaben Jahr für Jahr genau festzustellen,
  • die Höhe des betrieblichen Kapitals zu ermitteln,
  • Betriebs- und Privatbereich voneinander abzugrenzen,
  • Umsätze und Vorsteuern zu berechnen und sonstige steuerrelevante Vorgänge (z.B. Schenkungen) zu erkennen und steuerlich auszuwerten.

Betriebsprüfung: Diese Prüfungstechniken stehen dem Prüfer zur Verfügung

Den Steuerprüfern steht eine Vielzahl von Prüfungstechniken zur Verfügung, die in drei Kategorien eingeteilt werden können:

    • Klassische Prüfungstechniken,
    • neue Prüfungstechniken und
    • Prüfung von Branchenbesonderheiten.

    Je nach betrieblichen Gegebenheiten wird der Betriebsprüfer aus den nachfolgend genannten Prüffeldern einzelne herausgreifen und schwerpunktmäßig abprüfen.

    Klassische Prüfungstechniken

    Hier geht es um die Entscheidung, ob Zahlungen zu einer Bilanzierung, Betriebsausgaben oder Betriebseinnahmen führen, betrieblich oder privat veranlasst sind und welche steuerlichen Folgen sich daraus ergeben.
    Im Bereich der Bilanz stehen oft Investitionsabzugsbetrag, die Bildung von 6b-Rücklagen oder die Bewertung immaterieller Wirtschaftsgüter im Fokus.
    Bei der Gewinn- und Verlustrechnung sieht sich der Prüfer die Aufwandskosten an und verprobt eventuell im Wareneinkauf den Rohstoffaufschlag. Er wird auch beim Privatkonto im Rahmen der Geldverkehrsrechnung prüfen, ob der Lebensunterhalt mit den gebuchten Entnahmen und sonstigen Mittelzuflüssen gedeckt werden konnte.
    Neben der Buchführung bzw. Einnahmenüberschussrechnung gilt es noch diverse gesetzliche Normen zu beachten: So wird bspw. geprüft, ob alle nichtabzugsfähigen Betriebsausgaben richtig verbucht sind oder ob Verlustabzugsbeschränkungen nach 15a EStG vorliegen. Bei der Gewerbesteuer geht es um Hinzurechnungen bzw. Kürzungen. Und bei der Umsatzsteuer richtet sich der Blick auf steuerfreie Umsätze, ermäßigt besteuerte Umsätze, auf Vorsteuerabzug und Vorsteuerberichtigungen.

    Neue Prüfungstechniken

    Seit Einführung des digitalen Datenzugriffs (Abgabenordnung 2004) ist es der Finanzverwaltung gestattet, direkt auf die elektronischen Daten des zu prüfenden Unternehmens zuzugreifen. Der Zugriff betrifft nicht nur die Finanz- und Anlagenbuchhaltung, sondern umfasst auch Daten aus den sog. „Vorsystemen“ wie Warenwirtschaftssystem, Kassensystem, Auftragsabwicklung etc. Sämtliche steuerrelevanten elektronischen Daten sind unveränderbar aufzubewahren. Dabei ist es unbeachtlich, ob die Daten im Unternehmen generiert wurden (z.B. Buchführung) oder von außen in die betriebliche Sphäre gelangten (z.B. elektronische Bankauszüge). Im Extremfall kann es bei Verstößen zur vollständigen Verwerfung der Buchführung und anschließenden Vollschätzung kommen.  In Bezug auf diese neuen digitalen Daten haben sich auch neue Prüffelder und -methoden entwickelt:

    • Auslesen von Kassendaten und Speichern
    • Filtern von Daten mittels Pivot-Tabellen
    • Lückenanalyse
    • Mehrfachbelegungen

    Branchenbesonderheiten

    Daneben wird die Betriebsprüfung immer darauf achten, ob branchenspezifische Besonderheiten vorliegen und diese in ihre Prüfung mit einbeziehen. Dazu werden entweder bestimmte der o.g. Prüffelder intensiv geprüft oder der Branche angepasst. In diesem Artikel wird beispielhaft die Betriebsprüfung der Branchen Gastronomie,  Heilberufe und Kfz-Handel dargestellt. Selbstverständlich gelten die Ausführungen auch bei ähnlich strukturierten Betrieben.

    Betriebsprüfung in der Gastronomie

    Besonderes Augenmerk legt die Betriebsprüfung seit je her auf bargeldintensive Betriebe. Dies sind im Groben Bäckereien, Metzgereien und Gaststätten. Die Umsätze werden hier fast ausschließlich bar abgerechnet. Meist werden bei einem Geschäftsvorgang Umsätze mit verschiedenen Steuersätzen erzielt. Eine Kalkulation wird durch Eigenverbrauch und Verderb erschwert. Saisonale Schwankungen und häufiger Wechsel von geringfügig beschäftigten Arbeitnehmern sind zu beachten. Diese Problematiken treten am häufigsten und komplexesten in der Gastronomie auf.

    Betriebsformen: In den letzten Jahren hat sich das Gaststättengewerbe in Deutschland stark verändert. Neben der reinen „Deutschen Küche“, „US-Burger“ und italienischer Pizza sind viele weitere Spezialitäten hinzugekommen: Griechische, türkische, chinesische, indische und sonstige asiatische Küchen. Auch die Art und Weise der Speisen- und Getränkeabgabe hat sich diversifiziert: Speisegaststätte, Erlebnisgastronomie, Cateringservice einerseits, Bierlokal, Imbisswagen, Dönerbude etc. andererseits. Zu beachten sind auch gastronomische „Nebenbetriebe“, wie Café in der Bäckerei, Mittagstheke beim Metzger oder Essen und Trinken im Möbelhaus. Die „Klassiker“ Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Fest- und Zeltbetriebe runden das Umfeld ab.

    Kalkulation: Bei jeder Kalkulation sind diese o.g. Besonderheiten in der Betriebsform zu berücksichtigen. Zunächst müssen Wareneinsatz, Personalkosten und Umsätze dem jeweiligen Geschäftsbereich zugeordnet werden. Die Anteile der Umsätze im und außer Haus sowie das Verhältnis Getränke zu Speisen sind zu ermitteln. Anschließend müssen Verderb, Personalverpflegung und Eigenverbrauch berücksichtigt werden. Anhand der im Betrieb verwendeten Rezepturen und Abgabepreise wird dann eine Aufschlagskalkulation erstellt. Zum Schluss findet eine Abstimmung mit den Daten der meist elektronischen Kasse bzw. verbuchten Einnahmen statt.

    Aufzeichnungen: Das Finanzamt wird folgende aufbewahrungspflichtige Unterlagen anfordern: Wareneingang, Lohnkonten, Aufzeichnungen nach dem Mindestlohngesetz (ab 2015), Speisekarten, Rezepturen, Unterlagen zu Länge und Reinigung der Bierleitung.

    Kassensystem: Die alten Einnahmeerfassungssysteme (Schub, Geldbeutel, Registrierkasse, Kassenbuch) sind in der Praxis kaum mehr anzutreffen. Sie wurden durch elektronische Kassen, PC-Kassen und „Orderman“ (Smartphone als Bestell- und Abrechnungsmedium) ersetzt. Sie bieten eine große Bandbreite an Eingabe- und Auswertungsmöglichkeiten: Sofortige Zuordnung eines Umsatzes zu „in“ bzw. „außer Haus“, Ermittlung von Umsätzen pro Tisch, zu gewisser Uhrzeit, bei bestimmten Wetter, pro Kellner(-in). Im Zusammenspiel mit Wareneinsatz werden Umsatzrenner oder Aufschlagsflops ermittelt. Die Bestellmenge für den Wareneinkauf kann vorausberechnet, die körperliche Inventur mit der Buchinventur abgeglichen werden.


    Auch der Fiskus wird darauf zurückgreifen. Problematisch ist hier die gesetzlich vorgeschriebene „Unveränderbarkeit“ der Daten, die bei jedem Kassensystem wesentlicher Bestandteil für die Beweiskraft der Buchführung ist.

    Sonstige Umsatzträger: Zusätzlich zum reinen Gastronomiebetrieb kommen unter Umständen noch Umsätze aus Automaten (z.B. Zigaretten) oder Veranstaltungen (Theater, Musik, Kabarett) hinzu.

    Umsatzsteuer: Bei der Umsatzsteuer unterliegen Umsätze in der Gastwirtschaft dem vollen, die Lieferung von Speisen außer Haus dem ermäßigten Steuersatz. Hierauf wird die Außenprüfung ein gewichtiges Augenmerk legen. Zu beachten ist z.B., dass die meisten Getränke grundsätzlich dem vollen Steuersatz unterliegen – auch wenn sie „außer Haus“ verkauft werden.

    Betriebsprüfung bei Heilberufen

    Der Berufsstand umfasst insbesondere Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Dentisten und Krankengymnasten/Ergotherapeuten.

    Einkommensteuer, Gewerbesteuer: Heilberufe unterliegen, sofern sie unter Einkünften aus freiberuflicher Tätigkeit fallen, nicht der Gewerbesteuer. Die Betriebsprüfung wird daher in diesen Fällen stets auch einen Blick darauf werfen, ob die Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich ausgeübt wird.

    Umsatzsteuer: Hier ist alles möglich. Grundsätzlich erzielen Heilberufe steuerfreie Umsätze. Für Nebenprodukte (z.B. Leistungen von Zahntechnikern) kann 7% Umsatzsteuer anfallen. Sogenannte „individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL) ohne therapeutisches Ziel (z.B. Vaterschaftstests, Schönheitsoperationen) unterliegen dem vollen Steuersatz. Ein Prüfungsschwerpunkt ist hier in jedem Fall angesagt.

    Gewinnermittlung: Traditionsbedingt ist bei den Heilberufen die Gewinnermittlung nach Einnahmenüberschussrechnung weit verbreitet. Prüffelder hierbei sind Zeitpunkt des Zu- bzw. Abflusses von Betriebseinnahmen bzw. -ausgaben, Anlagenzugang und -abgang, Abschreibungen, durchlaufende Posten sowie Aufzeichnungspflichten.

    Betriebsform: Der Trend geht weg vom „Einzelkämpfer“ Haus- oder Facharzt, hin zum „Gesundheitszentrum“ in der Form einer GbR oder Partnergesellschaft. Prüffelder sind in solchen Fällen die Aufteilung der Einkünfte aus der Gesamthand, Sonderbetriebsvermögen, Ergänzungsbilanzen. Behandlung stiller Reserven beziehungsweise Patientenstamm beim Eintritt, Austritt oder Wechsel von Gesellschaftern.

    Abrechnungssysteme: Neben Kassenumsätzen erzielen die Heilberufe regelmäßig auch Einnahmen von Privatpatienten und aus individuellen Gesundheitsleistungen – mit und ohne therapeutischem Ziel. Hier stehen sich bei der Überprüfung durch die Steuerbehörden das Arzt- und das Steuergeheimnis gegenüber (Stichwort Anonymisierung von Daten).

    Nebenbetriebe: Hier sind z.B. die Abgrenzung zu gewerblichen Laborgemeinschaften oder die Besteuerung von Privatliquidationen angestellter Chefärzte zu nennen.

    Abgrenzung Privatbereich: Als Prüffelder stehen private Kfz-Nutzungen, Incentive-Reisen auf dem Plan.

    Betriebsprüfung im Kfz-Handel

    Neu- und Gebrauchtwagen, Jahreswagen, Reimporte, Reparaturen, Markenbindung, bargeldintensiv, Konkurrenz aus dem Internet sind die Schlagworte dieser Branche.

    Die Branche gliedert sich dabei insbesondere in folgende drei Kategorien:

    • Markengebundener Händler mit Neu- und Gebrauchtwagen sowie Reparatur,
    • reiner Gebrauchtwagenhändler vor Ort,
    • Internethändler (Verkauf von ehemaligen Leasingfahrzeugen, Reimporten etc.).

    Je nach Kategorien stehen bestimmte Prüffelder im Fokus:

    Markengebundener Händler: Themen sind hier die Bewertung und Aktivierung von Vorführwagen bzw. Zuordnung der Fahrzeuge zum Umlaufvermögen, die Abgrenzung der Reparatur zu den Verkaufsumsätzen und damit zusammenhängende Gewinne oder Verluste aus Differenzbesteuerung, Rabatte, Incentives der Autohersteller.

    Reiner Gebrauchtwagenhändler: Differenzbesteuerung

    Internethändler: Auswertung der Internetaktivitäten, Umsatzsteuer beim Reimport.

    Prüfungspunkte für alle Kfz-Händler
    Höchst komplex ist die grenzüberschreitende Fahrzeuglieferung geregelt. Hier gilt es zur Sicherung der Umsatzsteuerfreiheit die richtigen Belegnachweise vorzuhalten.

    Differenzbesteuerung: Erwirbt der Händler Fahrzeuge von Privatpersonen ohne Vorsteuerabzug, wird die Umsatzsteuer beim Verkauf nur aus dem Differenzbetrag zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis berechnet. Bei Verlusten fällt keine Umsatzsteuer an.

    Altteile: Hier sind umsatzsteuerliche Besonderheiten hinsichtlich „Austauschteilen“ zu beachten.

    Nebengeschäfte: Weitere Prüffelder können Verschrottungserlöse-/aufwendungen sowie die Vermittlung von Haftpflicht- oder Garantieversicherungen sein.

    Kalkulationsform: Abstimmung der Einkäufe, Verkäufe und Bestände anhand der Fahrgestellnummern.

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