KG, GmbH & Co.: Welche Rechtsform wähle ich für mein Unternehmen?

Aktualisiert am: 20.10.2016

Als Gründer haben Sie schon alle Hände voll zu tun, Ihr Geschäft anzukurbeln. Zwischen Umsatzzielen, Rechnungen und Kundenwünschen bleibt kaum noch Zeit. Doch gleichzeitig drängt sich die Frage nach der Rechtsform auf Ihren Schreibtisch: Einzelunternehmen oder GmbH? Was ist aus steuerlicher Sicht vorteilhafter? Wie hoch ist das Haftungsrisiko? Fakt ist: Bei der Wahl der Rechtsform sollten Sie keine Kompromisse machen. Sondern genau abwägen. Hier finden Sie erste Anhaltspunkte zu den wichtigsten Rechtsformen.

Rechtsformen: Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaft?

Mit ein paar wenigen Fragen können Sie sehr schnell klären, ob für Sie ein Einzelunternehmen, eine Personen- oder Kapitalgesellschaft in Frage kommt:

  • Einzelunternehmer/Einzelkaufmann: Sind Sie alleiniger Gründer Ihres Unternehmens und möchten kein Mindestkapital einbringen? Dann können Sie sich als Einzelunternehmer oder Einzelkaufmann anmelden. Als Einzelunternehmen können nur kleingewerbliche Betriebe geführt werden. Sobald Ihr Unternehmen einen auf kaufmännische Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb aufweist, müssen Sie sich ins Handelsregister eintragen und werden zum Einzelkaufmann.
  • Personengesellschaften: Sind an Ihrem Unternehmen mehrere Personen beteiligt? Und keiner der Gesellschafter bringt Mindestkapital ein? Dann bleiben Ihnen die Personengesellschaften (z.B. GbR) als Rechtsformen. Bei Ihnen schließen sich mehrere Personen ohne Mindestkapital zusammen und übernehmen selbst die Geschäftsführung (entweder gemeinsam oder durch einen der Gesellschafter).
  • Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH): Sind Sie bereit, einen Mindestbetrag an Kapital zu investieren? Dann können Sie eine Kapitalgesellschaft gründen. Dies ist für Unternehmen mit einem oder mehreren Inhabern möglich. Ein Vorteil ist, dass die Gesellschafter nicht mit ihrem Privatvermögen haften, wie es bei den Rechtsformen Einzelunternehmen/-kaufmann und Personengesellschaften der Fall ist. Die Gesellschafter müssen nicht selbst die Geschäftsführung übernehmen.

Jetzt wissen Sie schon, welche Art von Unternehmen oder Gesellschaft für Sie in Frage kommt. Doch wie unterscheiden sich die einzelnen Rechtsformen und welche passt zu Ihrem Unternehmen? Wir haben alle wichtigen Infos für Sie.

Rechtsform Einzelunternehmer: ein Gründer, kein Mindestkapital, volle Haftung

Die Rechtsform Einzelunternehmer empfiehlt sich für Gründer, die erst mal klein anfangen wollen. Wie der Name schon sagt, darf nur eine einzelne Person der Inhaber des Unternehmens sein. Der Inhaber muss zudem eine natürliche Person sein. Ihre Geschäfte sind im Kleingewerbe angesiedelt.

Das Kleingewerbe lässt sich nicht immer an Umsatzzahlen messen, sondern hängt u.a. auch von der Zahl und Funktion der Mitarbeiter ab. Wenn Ihr Unternehmen nämlich als ein auf kaufmännische Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb funktioniert, ist das Kleingewerbe überschritten. Dann müssen Sie sich ins Handelsregister eintragen, um die Rechtsform Einzelkaufmann/Einzelkauffrau anzunehmen.

Beispiel zur Unterscheidung der Rechtsformen Einzelunternehmer – Einzelkaufmann: Dem Pächter einer Bundeswehrkantine wurde sein Geschäft als Kleingewerbe anerkannt, obwohl er einen Jahresumsatz von rund 250.000 € erzielte. Denn seine Geschäfte liefen in überschaubaren Strukturen ab. Hingegen konnte ein Händler von Damenbekleidung die Definition als Kleingewerbe nicht erwirken. Zwar erreichte er nur einen Jahresumsatz von 120.000 €, jedoch fielen bei ihm die kaufmännischen Betriebsabläufe und -strukturen ins Gewicht (Filialstruktur, Anzahl der Geschäftsfälle, etc.).

Liegt Ihr Unternehmen noch im Rahmen des Kleingewerbes? Dann können Sie die Rechtsform Einzelunternehmer wählen und haben dabei nur geringen formalen Aufwand. In dieser Rechtsform betreiben Sie Ihre Geschäfte nach Privatrecht und wickeln sie auf eigenen Namen und eigene Rechnung ab. Besonders praktisch: Für die Rechnungslegung reicht eine einfache Einnahmen-Überschussrechnung.

Worüber Sie sich unbedingt im Klaren sein sollten: Bei der Rechtsform Einzelunternehmer haften Sie als Inhaber mit Ihrem Privatvermögen. Dies gilt ebenso für die Rechtsform des Einzelkaufmanns.

Was ist bei der Rechtsform Einzelkaufmann zu beachten? Wenn Sie einen auf kaufmännische Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb führen, müssen Sie sich als Einzelkaufmann ins Handelsregister eintragen. Ihre Geschäfte laufen dann nach Handelsgesetzbuch (HGB). Sie müssen sich um eine ordnungsgemäße Buchführung kümmern und eine Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung vorlegen.

Die Rechtsformen Einzelunternehmer und Einzelkaufmann / Einzelkauffrau eignen sich für kleine Unternehmen wie z.B. Handwerksbetriebe, Arztpraxen, Einzelhandels-Geschäfte, kleine gastronomische Betriebe oder Dienstleister – immer unter der Voraussetzung, dass es nur einen Inhaber gibt. Die Rechtsform Einzelkaufmann erlaubt neben natürlichen auch juristischen Personen (z.B. eine Stiftung, oder eine GmbH als Muttergesellschaft), das Unternehmen zu führen.

Rechtsform Personengesellschaften: mehrere Gründer, kein Mindestkapital

Sie führen Ihr Unternehmen mit mehreren Inhabern? Sie alle möchten auf das Einbringen von Mindestkapital lieber verzichten? Dann bietet sich für Sie die Gründung einer Personengesellschaft an. Hier gilt die Regel: mindestens zwei Gesellschafter, kein Mindestkapital. Allerdings nehmen Sie bei den gängigen Personengesellschaften in Kauf, dass Sie mit Ihrem Privatvermögen haften.

Bei Personengesellschaften erfolgt die Geschäftsführung durch einen oder mehrere Gesellschafter. Diese Rechtsform ist damit beliebt bei Gründern, die die Fäden selbst in der Hand behalten wollen. Welche genauen Rechtsformen gibt es unter den Personengesellschaften? Wir haben Ihnen die Wichtigsten zusammengestellt.

GbR - Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Wenn Sie sich mit mehreren Gründern zusammengeschlossen haben und im Kleingewerbe aktiv sind, können Sie eine GbR gründen. Bei dieser Rechtsform vermeiden Sie viel Papierkram: Es ist keine Eintragung ins Handelsregister erforderlich und die Geschäfte laufen ganz einfach nach Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB).

Auch Gesellschaften, die keine wirtschaftlichen, sondern soziale oder kulturelle Ziele anstreben, können diese Rechtsform wählen. Wichtig ist, dass Sie im Gesellschaftsvertrag angeben, welchen Zweck Sie verfolgen. Auch der Nachweis Ihrer Zahlen für steuerliche Zwecke/das Finanzamt ist denkbar unkompliziert: Die notwendige Einnahmen-Überschuss-Rechnung (inkl. Anlage zur Einkommensteuererklärung) haben Sie im Nu erstellt.

Die Geschäftsführung können Sie als Gesellschafter gemeinschaftlich übernehmen. Oder Sie bestimmen einen der Gesellschafter per Vertrag zum Geschäftsführer. Vielleicht hilft Ihnen eine solche Regelung, um Entscheidungen und Prozesse zu beschleunigen. Die Benennung eines Geschäftsführers hat allerdings keine Auswirkungen auf die Haftung: Alle Gesellschafter haften gesamtschuldnerisch. Also haften auch diejenigen, die sich nicht an der Geschäftsführung beteiligt haben.

Für die Rechtsform GbR kommen ähnliche Kleinunternehmen wie beim Einzelunternehmen in Frage - mit dem Unterschied, dass die GbR mehrere Eigner hat: Handwerksbetriebe, Restaurants, Praxisgemeinschaften oder Zusammenschlüsse von Freiberuflern. Unbedingt beachten: Sobald Ihre Geschäfte über das Kleingewerbe hinauswachsen, wird die GbR in eine OHG umgewandelt.

OHG - Offene Handelsgesellschaft

Erreichen Ihre Geschäfte größeren Umfang (z.B. mehrere 100.000 € Jahresumsatz), bietet sich die OHG als Rechtsform an. Ein Eintrag ins Handelsregister ist zwingend erforderlich. Ab jetzt laufen Ihre Geschäfte nach dem Handelsgesetzbuch (HGB). Und die ordnungsgemäße Buchführung ist von nun an Pflicht: Neben der Bilanz müssen Sie eine Gewinn- und Verlustrechnung vorlegen.

Die OHG ist die älteste Gesellschaftsform, kommt aber inzwischen nur noch relativ selten als Rechtsform vor. Man trifft sie mitunter bei mittelständischen Familienbetrieben im Handelsgewerbe an, die die Rechtsform aus früheren Zeit beibehalten haben.

Werden Anteile des Unternehmens an minderjährige Familienmitglieder übergeben, kann sich die Haftung als tückische Stolperfalle entpuppen. Denn schließlich haften bei dieser Rechtsform die Gesellschafter gesamtschuldnerisch. Möchten Sie die Haftung eines minderjährigen Eigners beschränken? Vielleicht sollten Sie dann die KG als Rechtsform in Erwägung ziehen.

Welche Rechtsform passt am besten zu meiner Geschäftsidee?

KG – Kommanditgesellschaft

Soll in Ihrer Personengesellschaft ein Gesellschafter mit besonderen Rechten und Pflichten ausgestattet werden? Z.B. wenn ein Personenkreis zusammen an eine Geschäftsidee glaubt, aber nur einer das Know-how zur Geschäftsführung und die Bereitschaft zur Haftung mitbringt. Dann könnte die Rechtsform der Kommanditgesellschaft für Sie interessant sein.

In der KG teilen sich die Gesellschafter in einen Komplementär und einen oder mehrere Kommanditisten auf. Der Komplementär hat üblicherweise die Geschäftsführung inne oder Sie treffen vertraglich eine andere Reglung. In jedem Fall haftet der Komplementär mit seinem Privatvermögen.

Die übrigen Gesellschafter – Kommanditisten genannt – müssen nur mit dem Vermögen haften, das sie ins Unternehmen eingebracht haben. So lassen sich ggf. auch besser neue Gesellschafter anwerben: Sie bringen neues Kapital ins Unternehmen ein, gehen dabei kein Risiko für ihr Privatvermögen ein und können nicht bei den Entscheidungen des Geschäftsführers mitreden.

Beim formalen Aufwand steht die KG der OHG in nichts nach: Die Eintragung ins Handelsregister und korrekte Buchführung (mit Bilanz und Gewinn-/Verlustrechnung) stehen auf Ihrer Checkliste.

Die Rechtsform der KG ist besonders bei mittelständischen Unternehmen sehr beliebt. In Familienunternehmen genießen Sie mit der KG den Vorteil, dass Sie die Haftung minderjähriger Gesellschafter beschränken können. Setzen Sie Ihre Kinder einfach als Kommanditisten ein. Doch auch im Kleingewerbe bietet sich die KG inzwischen als mögliche Rechtsform an.

Sonderform: GmbH & Co. KG

Was ist eigentlich die GmbH und Co. KG? Sie haben diese Rechtsform schon so oft gesehen und wissen nicht genau, was sich hinter der umständlichen Abkürzung verbirgt? Die GmbH & Co. KG ist eine der beliebtesten Personengesellschaften (auf Platz 2 hinter GbR). Der Grund ist, dass sie die Vorteile verschiedener Rechtsformen clever miteinander kombiniert und damit den Gesellschaftern einige Kopfschmerzen bei Haftungsfragen erspart.

Der GmbH & Co. KG liegt der Aufbau der KG zu Grunde: Die Kommanditisten bringen ein gewisses Vermögen ein und müssen nur mit diesem Vermögen haften. Normalerweise haftet der Komplementär mit seinem Privatvermögen. Aber seine Stelle tritt nun eine juristische Person: die GmbH. Die Kapitalgesellschaft GmbH kann nämlich als juristische Person auftreten und die Position des Komplementärs in der KG einnehmen. Da in der Rechtsform GmbH die Haftung der Gesellschafter per se beschränkt ist, muss in der GmbH &Co. KG niemand mit seinem Privatvermögen haften.

Die GmbH & Co. KG erfreut sich großer Beliebtheit, weshalb es zahlreiche Beispiele von Unternehmen mit dieser Rechtsform gibt. In der Schweiz ist diese Rechtsform jedoch nicht möglich.

Rechtsform Kapitalgesellschaften: ein oder mehrere Gründer mit Mindestkapital

In Ihrem Unternehmen sind ein oder mehrere Gründer an Bord? Zusammen können Sie ein gewisses Mindestkapital einbringen? Dann ist für Sie die Gründung einer Kapitalgesellschaft möglich. Vorteil: Sie können die Haftung allein auf das Firmenvermögen beschränken und damit Ihr Privatvermögen schützen. Welche Rechtsform diese und andere Möglichkeiten bietet, sehen Sie im Folgenden.

Zum formalen Aufwand sei schon vorweggenommen: Die Eintragung ins Handelsregister sowie die ordnungsgemäße Buchführung (mit Bilanz und Gewinn-/Verlustrechnung) verstehen sich von selbst. Erfolgstipp von uns: Sparen Sie sich bei der Schreibtischarbeit und konzentrieren Sie sich auf Ihr Kerngeschäft. Mit Lexware büro easy haben Sie bürokratische Aufgaben schnell vom Tisch.

GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Unter den Kapitalgesellschaften ist die GmbH die beliebteste Rechtsform. Die Geschäfte der GmbH laufen nach HGB. Voraussetzung zur Gründung einer GmbH ist, dass der oder die Gründer ein Mindestkapital in Höhe von 25.000 € einbringen. Wenn Sie diese Summe beschaffen können, steht Ihnen die GmbH als Rechtsform offen. Wie der Name schon sagt, genießen Sie bei der GmbH den Vorteil, dass die Haftung auf das Firmenvermögen beschränkt ist. So können Sie Ihr Privatvermögen schützen.

Ihren Geschäftspartnern ist jedoch bewusst, dass im Falle einer Haftung nur das Firmenvermögen in die Waagschale geworfen wird. Daher kann es vorkommen, dass die Kreditwürdigkeit Ihrer GmbH nicht so hoch eingestuft wird, wie Sie es sich erhofft hatten.

Als Gesellschafter einer GmbH müssen Sie sich nicht selbst die Geschäftsführung auflasten. Wenn Ihnen die nötige Erfahrung in der Unternehmensleitung fehlt, können Sie eine andere natürliche Person als Geschäftsführer bestimmen. Wofür der Geschäftsführer dann aber doch wiederum persönlich haften muss, ist für die Erfüllung der steuerlichen Pflichten der GmbH. Werden Steuern nicht ordnungsgemäß abgeführt, haftet der Geschäftsführer für die Steuerschulden.

AG – Aktiengesellschaft

Planen Sie größere Gründungsvorhaben? Und können sie schon zum Start mindestens 50.000 € als Kapital einbringen? Dann eignet sich die AG als Rechtsform. Auch als Einzelperson können Sie eine AG gründen. Trotzdem benötigen Sie immer einen Vorstand (ggf. Sie selbst) und einen Aufsichtsrat. Ebenso muss jährlich eine Hauptversammlung stattfinden. Für den Cashflow bietet die AG den Vorteil, dass neue Aktionäre Kapital einbringen können. Bei der Gründung ist jedoch ratsam, die Anzahl der Aktionäre überschaubar zu halten.

Inhaber Gesellschaft HGB Mindestkapital Haftung
Einzelunternehmen 1 X X X privat
Einzelkaufleute 1 X ja X privat
GbR mind. 2 Personenges. X X privat
OHG mind. 2 Personenges. ja X privat
KG mind. 2 Personenges. ja X privat
GmbH mind. 1 Kapitalges. ja 25.000 € beschränkt
GmbH mind. 1 Kapitalges. ja 50.000 € beschränkt
 
Sonderformen und Kombinationen aus Rechtsformen

Mit unserer Liste hat sich das gesamte Spektrum an Rechtsformen noch nicht erschöpft. Es gibt noch weitere Rechtsformen wie die UG mit 1 € Mindestkapital oder die SE, die nach europäischem Recht funktioniert. Außerdem gibt es neben der GmbH & Co. KG noch weitere Kombinationen aus verschiedenen Rechtsformen: In der KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) haftet z.B. der Komplementär mit seinem Privatvermögen, kann sich aber stärkere Entscheidungsbefugnisse als bei der AG bewahren. Die gängigsten Rechtsformen haben wir in der Übersicht abgebildet.

Noch mehr Infos zum Thema Rechtsform finden Existengründer übrigens hier.

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