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Die 10 besten Steuertipps für 2020

Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 17.01.2020

Zum Jahreswechsel 2020 sind zahlreiche Steueränderungen in Kraft getreten, die Kleinunternehmer zu ihrem Vorteil nutzen können. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Steuertipps 2020, die sich finanziell besonders lohnen.

1. Begünstigungen bei E-Nutzfahrzeugen und E-Firmenwagen nutzen

Durch das Jahressteuergesetz 2019 wurden die Steuerbegünstigungen für E-Nutzfahrzeuge und E-Firmenwagen weiter ausgebaut. Vor allem diese beiden Neuerungen könnten sich für Sie rentieren:

50-prozentige Sonderabschreibung bei Nutzfahrzeugen

Der Kauf eines neuen Elektronutzfahrzeugs oder eines elektrisch betriebenen Lastenfahrrads rentiert sich 2020 steuerlich sehr für Unternehmer. Denn zusätzlich zur linearen Abschreibung dürfen Sie 2020 auch eine Sonderabschreibung in Höhe von 50 Prozent vornehmen.

Damit Sie von dieser Sonderabschreibung profitieren, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Das E-Nutzfahrzeug bzw. E-Lastenfahrrad muss im Jahr 2020 erworben werden.
  2. Es muss „neu“ sein, d. h. es muss 2020 eine Erstzulassung auf den abschreibenden Unternehmer erfolgen.

Beispiel: Schreinermeister Müller kauft für seinen Betrieb am 4. Juni 2020 ein E-Nutzfahrzeug der Klasse N1. Der Kaufpreis beträgt 30.000 EUR netto. 2020 darf er dafür zum einen regulär 5.000 EUR abschreiben (30.000 EUR : 6 Jahre Nutzungsdauer). Zusätzlich darf er eine Sonderabschreibung von 15.000 EUR vornehmen (30.000 EUR x 50%). Damit mindert er seinen Gewinn im Jahr 2020 um insgesamt 20.000 EUR.

Deutliche Einsparungen bei privat genutzten Firmenwagen ohne Kohlendioxidemission

Beim Kauf eines Elektro-Firmenwagens oder eines Hybridelektro-Firmenwagens galt schon seit 2019 eine reduzierte Bemessungsgrundlage für die Privatnutzung und für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb. So musste bei der Ermittlung des Privatanteils nach der 1%-Methode nur noch die Hälfte des Bruttolistenpreises herangezogen werden. Bei der Fahrtenbuchmethode durften aus den Gesamtkosten die Hälfte der Pkw-Abschreibung oder die Leasingraten abgezogen werden.

Unternehmer, die 2020 einen Firmenwagen privat nutzen, der ohne Kohlendioxidemission auskommt, dürfen sich jetzt sogar noch mehr freuen: Denn sie dürfen bei Ermittlung des zu versteuernden Anteils für die Privatnutzung und für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nach der 1%-Regelung den Bruttolistenpreis sogar um 75 Prozent reduzieren. Einziger Haken: Der Bruttolistenpreis darf nicht über 40.000 EUR liegen.

2. Mitarbeiter motivieren mit steuerbegünstigten Gehaltsextras

Steuerbegünstigte Arbeitgeberleistungen sind eine gute Möglichkeit, um Ihre Mitarbeiter zu motivieren. Im Vergleich zur klassischen Lohnerhöhung kommt dabei außerdem mehr beim Arbeitnehmer an. 2020 gibt es hier einige Neuerungen, von denen beide Seiten künftig profitieren:

Weiterbildungsmaßnahmen

Von Weiterbildungsmaßnahmen Ihrer Mitarbeiter profitieren Sie als Arbeitgeber dann, wenn diese überwiegend im betrieblichen Interesse vorgenommen werden oder der individuellen Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter dienen (z. B. Sprachkurse oder Computerkurse). Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt und Weiterbildungen, die diesen Kriterien entsprechen, von der Steuer befreit. Ermöglichen Sie Ihren Mitarbeitern Weiterbildungen, gewinnen Sie künftig also gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie motivieren den Mitarbeiter, profitieren von seinen neuen Fähigkeiten und sparen dabei auch noch Steuern.

Jobticket

Arbeitgeber dürfen Ihren Mitarbeitern schon seit Anfang 2019 unter bestimmten Voraussetzungen ein Jobticket steuerfrei spendieren. Allerdings hat dies für die Mitarbeiter den Nachteil, dass sie die Entfernungspauschale in diesem Fall nicht mehr als Werbungskosten abziehen können.

Nun hat der Gesetzgeber eine zweite Möglichkeit geschaffen, die für beide Seiten Vorteile bietet: Zahlt der Arbeitgeber eine pauschale Lohnsteuer in Höhe von 25 Prozent, darf der Arbeitnehmer die Entfernungspauschale weiterhin als Werbungskosten geltend machen. Außerdem ist es bei dieser Lohnsteuerpauschalierung nicht mehr nötig, dass die Zuschüsse zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden.

Vorsicht beim Sachbezug!

Besonders beliebt sind in der Praxis nach wie vor steuerfreie Sachbezüge in Höhe von maximal 44 EUR pro Monat. Mit solchen Gehaltsextras können Kleinunternehmer ihren im Unternehmen angestellten Minijobbern mehr als 450 EUR im Monat zuwenden, ohne dass diese ihren Status als geringfügig Beschäftigte verlieren.

Ab 2020 sollten Kleinunternehmer jedoch die neuen lohnsteuerlichen Spielregeln zu Sachbezügen auf dem Schirm haben:

  • Der Sachbezug muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Das bedeutet: Die Steuerfreiheit kippt bei einer Gehaltsumwandlung von Barlohn in Sachbezüge.
  • Ein Sachbezug liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer ausschließlich Waren und Dienstleistungen mit seinem Gutschein oder seiner Gutscheinkarte beziehen darf. Sobald die Karte eine eigene IBAN oder eine Barabhebungs- oder Überweisungsfunktion hat, liegt steuerpflichtiger Barlohn vor.

Praxis-Tipp

Wenn Sie Ihren Arbeitnehmern 2020 zum ersten Mal steuerfreie Gehaltextras in Form von Sachbezügen bis 44 EUR im Monat gewähren möchten und sich steuerlich unsicher sind, dann können Sie beim Finanzamt anklopfen und um eine Anrufungsauskunft bitten. Bei diesem Gratis-Service des Finanzamts checkt ein Finanzbeamter für Sie, ob lohnsteuerlich alles in Ordnung ist.

3. Neue Kleinunternehmerregelung beachten!

Unternehmer, die bisher als umsatzsteuerliche Kleinunternehmer nach § 19 UStG erfasst waren und im Jahr 2019 einen Umsatz von mehr als 17.500 EUR erzielt haben, wären ab 2020 eigentlich zum Ausweis der Umsatzsteuer verpflichtet. Doch die Höchstgrenze für Kleinunternehmer wurde durch das Bürokratieentlastungsgesetz III auf 22.000 EUR angehoben. Lag der Umsatz 2019 also nicht über 22.000 EUR, profitieren Unternehmer auch 2020 noch von der Kleinunternehmerregelung.

Die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung bedeutet weniger Bürokram, weil keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden muss und im Gegenzug die Vorsteuererstattung entfällt. Dies spart Ihnen viel Zeit und damit auch Kosten. Wenn Sie vor allem Privatkunden haben, haben Sie außerdem den Vorteil, dass Sie Ihre Leistungen günstiger anbieten können als Wettbewerber, die Umsatzsteuer ausweisen müssen.

4. Antrag auf Ist-Versteuerung stellen

Bei bilanzierenden Unternehmen gibt es die Möglichkeit, dass diese einen Antrag auf Ist-Versteuerung bei der Umsatzsteuer stellen können. Hintergrund: Normalerweise wird die Umsatzsteuer fällig, sobald ein Unternehmer seine Leistung erbracht hat. Wann er die Rechnung stellt oder wann der Kunde zahlt, interessiert nicht. Gerade bei großen Auftragsvolumen führt das zur Vorfinanzierung der Umsatzsteuerzahlung ans Finanzamt.

Bei der Ist-Versteuerung muss die Umsatzsteuer jedoch erst ans Finanzamt gezahlt werden, wenn der Kunde die Rechnung beglichen hat. Bisher war Voraussetzung für die Ist-Versteuerung für bilanzierende Unternehmen, dass der Vorjahresumsatz nicht über 500.000 EUR lag. Diese Höchstgrenze wurde nun auf 600.000 EUR erhöht.

Hat Ihr Umsatz 2019 die Grenze von 600.000 EUR nicht überschritten, steht der umsatzsteuerlichen Ist-Versteuerung in 2020 nichts im Weg. Die Umsatzsteuer wird damit künftig erst dann fällig, wenn auch das Geld des Kunden bei Ihnen eingegangen ist.

5. Steuern sparen mit privater Altersvorsorge

Hat ein Unternehmer Geld auf der hohen Kante und möchte es in seine private Altersvorsorge stecken, kann er die Beitragszahlungen beispielsweise in einen Rürup-Rentenvertrag (= Basisrente) im Jahr 2020 in Höhe von 90 Prozent als Sonderausgaben abziehen.

Hierbei sind jedoch bestimmte Höchstgrenzen zu beachten: Der Sonderausgabenabzug 2020 für die private Altersvorsorge ist auf 22.541 EUR/ 45.082 EUR (Ledige/ Zusammenveranlagte) begrenzt. Das bedeutet, dass nur Beiträge bis 25.046 EUR für Ledige und 50.092 EUR für zusammenveranlagte Eheleute Sinn machen.

6. Wehren Sie sich gegen eine unnötige Belegausgabepflicht

Unternehmer mit elektronischen Registrier- oder PC-Kassen sind seit 1.1.2020 dazu verpflichtet, jedem Kunden unabhängig von der Höhe des Umsatzes einen Kassenzettel in die Hand zu drücken. Für viele ist das ein wahres Bürokratiemonster. Doch lohnt sich Gegenwehr? Die Antwort auf diese Frage lautet ganz klar „ja“.

Unternehmer, die für Miniumsätze Papierrechnungen ausdrucken müssen, die vom Kunden postwendend im Papierkorb landen, sollten beim Finanzamt einen Antrag stellen, von der Belegausgabepflicht befreit zu werden. Denn nach § 146a der Abgabenordnung können die Finanzbehörden Unternehmen unter bestimmten Umständen von der Belegausgabepflicht befreien, wenn sie Waren an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen verkaufen. Hierbei muss allerdings die Voraussetzung erfüllt sein, dass die Bonpflicht unzumutbare Härten für das Unternehmen mit sich bringt und eine ordnungsgemäße Besteuerung trotzdem gewährleistet ist.

Lehnt das Finanzamt ab, haben Sie die Möglichkeit, Einspruch einzulegen.

Wichtig: Auch wenn ein Unternehmen von der Bonpflicht befreit ist, muss dem Kunden trotzdem ein Beleg ausgestellt werden, wenn er das wünscht.

7. Energetisches Sanieren

Nach jahrelangem Tauziehen wurde Ende Dezember das Klimapaket verabschiedet. Ein besonderes Bonbon für Eigenheimbesitzer und Bauhandwerker ist die Neuregelung in § 35c EStG ab 2020. Es winkt eine Steueranrechnung für energetische Sanierungsmaßnahmen an zu eigenen Wohnzwecken genutzten Eigenheimen. Je nachdem, ob ein Steuerzahler von dieser neuen Steuervergünstigung für seine Immobilie profitieren möchte oder ob Sie Bauhandwerker sind, ist Folgendes zu beachten:

Eigenheimbesitzer

Wer Eigentümer einer Immobilie ist, die er zu eigenen Wohnzwecken nutzt, kann mit energetischen Sanierungsmaßnahmen an diesem Eigenheim kräftig Steuern sparen. Es winkt auf Antrag in der Steuererklärung eine Steueranrechnung von 20 Prozent der Ausgaben für die Sanierung, maximal 40.000 EUR. Die Steueranrechnung wird auf drei Jahre gestreckt. Sie beginnt im Jahr des Abschlusses der energetischen Sanierungsmaßnahmen mit einer Steueranrechnung von 7 Prozent, maximal 14.000 EUR. Dasselbe gilt im Jahr danach. Im zweiten Jahr nach Abschluss der Sanierung beträgt die Steueranrechnung dann 6 Prozent der Ausgaben, maximal 12.000 EUR.

Wichtig: Weitere staatliche Vergünstigungen - wie zinsgünstige Darlehen für die Sanierung oder staatliche Zuschüsse aus Förderprogrammen - bringen die Steueranrechnung zu Fall.

Bauhandwerker

Durch die Steueranrechnung dürften sich die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe füllen, die energetische Sanierungsmaßnahmen in ihrem Dienstleistungsangebot haben. Für Bauhandwerker heißt es deshalb jetzt: Unbedingt das energetische Sanieren ins Leistungspaket des Handwerksbetriebs aufnehmen!

Informationen darüber, für welche energetischen Sanierungsmaßnahmen die Steueranrechnung gewährt wird, erhalten Sie in der „Energetischen Sanierungsmaßnahmen-Verordnung zu § 35c EStG“ (abrufbar hier). Angenehmer Nebeneffekt der Steueranrechnung: Potenzielle Kunden haben einen größeren finanziellen Spielraum bei der Auftragsvergabe.

8. Abschaffung des Solidaritätszuschlags

Der Solidaritätszuschlag wird ab 2021 für 90 Prozent aller Steuerzahler abgeschafft. Neben Spitzenverdienern und Kapitalanlegern wird der Soli weiterhin bei der Körperschaftsteuer festgesetzt. Wer Gesellschafter einer GmbH oder AG ist und keine besonderen Haftungsrisiken hat, sollte überlegen, von der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft in ein Einzelunternehmen oder in eine Personengesellschaft zu wechseln. Das verhindert ab 2021 möglicherweise die Belastung mit dem Solidaritätszuschlag. Hier empfiehlt es sich, frühzeitig mit den Planungen und der Umsetzung zu beginnen.

9. Innergemeinschaftliche Lieferung: Neue Bedingungen für Steuerfreiheit

Unternehmer, die steuerfrei an einen Unternehmer ins EU-Ausland liefern wollen, müssen sich von diesem dessen USt-IdNr. geben lassen. Wichtig ist, dass es sich dabei um eine USt-IdNr. aus einem anderen EU-Mitgliedstaat handelt (also keine deutsche USt-IdNr.). Außerdem müssen Lieferung und USt-IdNr. in der Zusammenfassenden Meldung erfasst werden. Geschieht dies nicht, entfällt die Steuerbefreiung nachträglich.

Praxis-Tipp

Unternehmer, die innergemeinschaftliche Lieferungen an Einzelunternehmer in den Niederlanden ausführen, müssen ab 2020 beachten, dass niederländische Einzelunternehmer seit 1.1.2020 neue Umsatzsteuer-Identifikationsnummern zugeteilt bekommen haben. Innergemeinschaftliche Lieferungen an solche Unternehmer sind 2020 also nur dann umsatzsteuerfrei, wenn die neue USt-IdNr. verwendet wird.

10. Existenzgründer aufgepasst

Gründer, die sich beim Finanzamt meldeten, bekamen bislang postwendend einen Gründerfragebogen vom Finanzamt zugesandt. Neu ist ab 2020, dass Existenzgründer innerhalb eines Monats unaufgefordert beim Finanzamt den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ mit Infos zu Rechtsform, den zu erwartenden Umsätzen und Gewinnen einreichen müssen. Der Fragebogen kann über das Portal Mein ELSTER (www.elster.de) ausgefüllt und elektronisch übermittelt werden.


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