Praktikanten beschäftigen und von ihnen profitieren
Viele Praktikanten sind junge Menschen ohne viel Berufserfahrung. Nichtsdestotrotz kann das Praktikum zu einem erfolgreichen Geben und Nehmen werden. Denn, wenn du es schaffst, dass dein Praktikant von deiner Branche und deinem Unternehmen angesprochen wird, berichtet er wiederum anderen positiv und überzeugt von seiner Zeit – wertvolles Marketing für dein Unternehmen. Mach das Praktikum also zu einem Erfolgserlebnis, von dem alle Seiten profitieren.
Wer kann ein Praktikum machen?
Anders als bei einem Arbeitsverhältnis sind für ein Praktikum keine genauen gesetzlichen Vorschriften zu beachten. Du kannst im Prinzip jeden als Praktikanten einstellen.
Dabei zählt vor allem, dass dem Praktikanten ein echter Mehrwert geboten wird und der Einblick in deinen Arbeitsbereich tatsächlich stattfindet. In größeren Unternehmen ist das gelegentlich schwierig. Aber gerade wenn du als Einzelunternehmer einen Praktikumsplatz anbietest, ist die Gefahr vergleichsweise gering. Wer den Arbeitsalltag von Freiberuflern und Selbstständigen aus nächster Nähe erlebt, bekommt nicht nur einen Ausschnitt eines Berufs präsentiert. Vielmehr erhält der Praktikant einen umfassenden Einblick in Details des operativen Tagesgeschäfts.
Wer darf Praktiken einstellen?
Einen Praktikumsplatz kann eine jede unternehmerisch tätige Person anbieten. Erfüllst du diese Voraussetzung, bist du in der Lage, einen Praktikumsbescheid auszustellen. Das ist vor allem bei einem Schülerpraktikum eine wichtige Voraussetzung. Denn die Bescheinigung muss häufig den Schulen vorgelegt werden, um die Erfahrung zu belegen.
Wie lange dauert ein Praktikum?
Wie lange ein Praktikum dauert, ist nicht definiert. Dies basiert stets auf den Absprachen zwischen dem Unternehmer und dem Praktikanten. Typischerweise liegt die Dauer zwischen zwei Wochen und drei Monaten - gelegentlich länger (z. B. bei Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums). Auch ob das Praktikum bezahlt wird oder welche Aufgaben dem Praktikanten zugetragen werden, kann individuell vor dem Beginn des Praktikums vereinbart werden, hängt aber damit zusammen, ob es sich um ein Pflicht- oder ein freiwilliges Praktikum handelt.
Übrigens: Definiert ist auch nicht, wie viele Praktikanten man einstellen darf. Du solltest dir lediglich deiner Verantwortung bewusst sein und sicherstellen, dass allen Praktikanten ein Mehrwert geboten wird und ausreichend Aufgaben bereitgestellt werden können.
In 6 Schritten zum erfolgreichen Praktikum
Egal, ob du in einem Kleingewerbe einen Praktikanten anmeldest oder in einem größeren Unternehmen einen einstellst: Die folgenden 6 Schritte stellen sicher, dass für alle Seiten ein Mehrwert geboten wird.
1. Praktikanten gewinnen
Der Weg zu einem erfolgreichen Praktikum beginnt schon beim Bewerbungsprozess. Mache das Unternehmen attraktiv für zumeist junge und motivierte Menschen, die noch vor dem Einstieg ins Berufsleben stehen. Damit du und dein Unternehmen von genau solchen Personen wahrgenommen werdet, setze dort an, wo diese sich aufhalten: Gehe auf Schulen zu. Oftmals besteht die Möglichkeit, Informationen über dein Unternehmen und einen Praktikumsplatz zum Beispiel auf der Schulwebsite posten oder am Schwarzen Brett aushängen zu lassen. Stelle zudem sicher, dass deine eigene Internetseite eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bietet. Durch solche Kleinigkeiten gewinnst du direkt an Attraktivität.
2. Sich Zeit für die Praktikanten nehmen
Wenn du einen Praktikanten beschäftigst, ist es gerade am Anfang wichtig, dass du ihm nicht das Gefühl gibst, er sei eine reine Belastung. Investiere etwas mehr Zeit, um ihm Abläufe oder Prozesse zu erklären. So musst du später auch weniger Verständnisfragen beantworten.
3. Für Rückfragen der Praktikanten offen sein
Auch wenn du unter Zeitdruck stehst und gestresst bist, versuchst du dennoch, deinem Praktikanten zu vermitteln, dass er dich jederzeit ansprechen kann. So wird die Hemmschwelle gesenkt und der Praktikant hat weniger Sorge, etwas falsch zu machen. Wenn einzelne Probleme und Unklarheiten direkt geklärt werden können, steigert sich seine Effektivität.
4. Verantwortung abgeben
Aus der Sicht eines Praktikanten kann es sehr motivierend sein, wenn ihm stückweise Verantwortung für einzelne Aufgaben und Abläufe übertragen werden. Wie sie jedoch tatsächlich mit dieser Verantwortung umgehen, variiert stark von Praktikant zu Praktikant: Während die einen durch Verantwortung motiviert werden, werden die anderen unsicher und haben Angst vor dem wahrgenommenen Druck. Hier ist es nun an dir, den Praktikanten einzuschätzen und das richtige Maß zu finden.
5. Anspruchsvolle Aufgaben stellen
Ein Praktikant, der nichts zu tun hat und sich langweilt oder völlig unterfordert und frustriert an der Kaffeemaschine steht, ist garantiert kein Praktikant, der aus deinem Unternehmen rausgehen und anderen positiv davon berichten wird. Beschäftige deinen Praktikanten, stell ihm anspruchsvolle, aber machbare Aufgaben, an denen er sich versuchen kann. Vorsicht, auch Überforderung frustriert.
Lass ihn selbstständig versuchen, die Aufgaben zu erfüllen. Der Lerneffekt wird umso größer sein und gleichzeitig auch das Erfolgserlebnis. Deine Aufgabe ist es, die Balance zwischen Herausforderung und Überforderung für deinen Praktikanten zu finden.
6. Praktikanten sozial miteinbeziehen
Es ist gerade für den Praktikanten oft schon Überwindung genug, sich in ein völlig neues Umfeld ohne bekannte Personen zu begeben, wenn er dann auch noch alleine sein Mittagessen in der Kantine einnehmen muss oder sich in den Pausen auf die Toilette flüchtet, um nicht alleine irgendwo rumzustehen, ist das Praktikum mit größter Sicherheit für ihn gelaufen. Versetze dich in seine Lage: Wie würdest du dich fühlen? Frage, ob er zum Beispiel in der Mittagspause mit dir und den Kollegen gemeinsam Essen gehen möchte, denn auch solche kleinen Gesten können entscheidende Auswirkungen auf das Wohlbefinden aller Beteiligten haben.
Ein Praktikum ist oftmals auch eine Herausforderung für alle Beteiligten. Doch sind die etwaigen Schwierigkeiten ausgeräumt, wirst du erstaunt sein, welchen Output dein Praktikant leisten kann.
Wie ist ein Praktikant versichert?
Ob für ein Praktikum Sozialversicherungsbeiträge anfallen oder nicht, hängt von genauen Vereinbarungen ab. Dabei spielen auch Verdienstgrenzen eine Rolle.
Zunächst steht im Fokus, um welche Art von Praktikum es sich handelt (z. B. freiwilliges Praktikum, Schüler- oder Pflichtpraktikum). Sobald die Art und Dauer des Praktikums definiert sind, kannst du die sozialversicherungsrechtlichen Richtlinien der Krankenkasse prüfen. Diese geben an, ob eine Versicherungsfreiheit vorliegt.
Der sogenannte Übergangsbereich sorgt zudem dafür, dass bei einem Einkommen über 556 Euro nicht sofort der volle Beitragsanteil gezahlt werden muss. Hast du diesbezüglich Zweifel, kannst du zur Absicherung eine Steuerkanzlei hinzuziehen, die die Beschäftigung deines Praktikanten konkret einschätzt.
Praktika als Win-Win-Situation für alle Beteiligten
Ein Praktikum bietet nicht nur den Praktikanten selbst die Chance, den Arbeitsalltag von Freiberuflern oder kleinen und großen Unternehmen kennenzulernen. Auch als Unternehmer kannst du Vorteile erwarten. So blicken unerfahrene Praktikanten mit einer frischen Perspektive auf Abläufe, hinterfragen Routinen und können wertvolle Rückmeldungen aus einer kundenähnlichen Perspektive geben. Wenn beispielsweise Informationen für Praktikanten unverständlich sind, könnten auch Kunden Schwierigkeiten haben – eine Gelegenheit zur Optimierung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Dass auch für Freiberufler das Praktikum eine wertvolle Gelegenheit bieten kann, zeigt das Beispiel von Biggi Mestmäcker, freie Werbetexterin. Der Freund ihrer Tochter fragte vor dem Start seines Marketing-Studiums an, ob er bei ihr etwas praktische Erfahrung sammeln könne. Sie willigte ein und war überrascht über die positive Entwicklung der Zusammenarbeit. Der Praktikant entlastete Sie, während er wiederum wichtige Einblicke für seine Zukunft gewann. Seitdem hat Biggi Mestmäcker regelmäßig Praktikanten, die sie durch Anzeigen in Abi-Zeitungen, Online-Beiträgen oder lokalen Magazinen findet.
Kurz gesagt: Praktika sind auch für Freiberufler und deren Praktikanten eine wertvolle Erfahrung, die sich mit der Grundlage einer guten Organisation und gegenseitigem Engagement für beide Seiten lohnt.