Steuern: Verdeckte Gewinnausschüttung und deren Folgen /fileadmin/_processed_/4/0/csm_Gewinnausschuettung-verdeckt-Folgen-Steuern_e63c886782.jpg 2017-02-07 Lexware

Steuern: Verdeckte Gewinnausschüttung und deren Folgen

Die verdeckte Gewinnausschüttung und ihre steuerlichen Auswirkungen: Darauf müssen Sie achten!
Von Bernhard Köstler und Susanne Christ
Aktualisiert am: 07.02.2017

Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn eine GmbH von einem Gesellschafter für Wirtschaftsgüter oder Dienstleistungen zu wenig berechnet oder ihm zu viel Gehalt, Miete, Zinsen oder Kaufpreis für Wirtschaftsgüter bezahlt. Doch es gibt weitere Fallstricke. Verschaffen Sie sich einen Kurzüberblick, wann das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung annimmt und was die Folgen sind.

"Verdeckte Gewinnausschüttung" bezeichnet Vorgänge, bei denen eine GmbH zu Lasten ihres Gewinns einem Gesellschafter oder einer Person, die einem Gesellschafter nahesteht, Vorteile zuwendet. Entscheidend ist, dass einem fremden Dritten, also einer Person, die nicht Gesellschafter ist oder einem Gesellschafter nahesteht, ein solcher Vorteil nicht zugewendet worden wäre.

Möglichkeit 1 (vgl. Richtlinie 36 Abs. 1 KStR)

Unangemessene Vorteile: Die GmbH hätte einem Nichtgesellschafter bestimmte Vorteile nicht zugewendet.

Beispiel: GmbH zahlt zu viel an den Gesellschafter (zu hohes Gehalt, zu hohe Miete, zu hoher Kaufpreis bei Verkauf von Gegenständen an die GmbH)

Variante: Gesellschafter zahlt für Leistungen der GmbH zu wenig (zu geringer Kaufpreis bei Warenkauf, zu geringe Miete, etc).

Möglichkeit 2 (vgl. Richtlinie 36 Abs. 2 KStR)

Zwar sind die Leistungen an den Gesellschafter angemessen, es liegen jedoch folgende zwei Voraussetzungen vor: 1. Es handelt sich um einen beherrschenden Gesellschafter und 2. die Vereinbarungen wurden nicht im Voraus getroffen.

Möglichkeit 3 (vgl. Richtlinie 36 Abs. 2 KStR)

Die Vereinbarungen zwischen GmbH und beherrschendem Gesellschafter wurden zwar im Voraus getroffen, sie wurden jedoch nicht vertragsgemäß eingehalten.

Achtung: Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt auch vor, wenn diese Kriterien für nahestehende Personen des Gesellschafters erfüllt sind (z.B. in der GmbH angestellte Ehefrau erhält zu hohes Gehalt, Nachbar muss für Leistungen weniger bezahlen als ein fremder Kunde, etc.). Die verdeckte Gewinnausschüttung führt in diesem Fall dennoch zu Kapitalerträgen beim Gesellschafter der GmbH.

Folgen der verdeckten Gewinnausschüttung

Tatbestand
Tatbestand Steuerliche Auswirkung
Das Rechtsverhältnis wäre mit einem Nichtgesellschafter nicht vereinbart worden. Aufwand in vollem Umfang verdeckte Gewinnausschüttung
Das Rechtsverhältnis wäre auch mit einem Nichtgesellschafter vereinbart worden, jedoch hätte sich die GmbH nur zu einer niedrigeren Gegenleistung verpflichtet. Überhöhter Aufwand ist verdeckte Gewinnausschüttung; Gegenleistung in üblicher Höhe ist Aufwand.
Das Rechtsverhältnis wäre auch mit einem Nichtgesellschafter vereinbart worden, jedoch hätte die GmbH eine höhere Gegenleistung, z. B. Mietzahlung, vereinbart. Die vom Gesellschafter der GmbH gegenüber erbrachte Leistung sowie der Anteil der üblichen, aber nicht vereinbarten Leistung stellt bei der GmbH Ertrag dar; der nicht erbrachte Anteil an der Leistung ist zugleich verdeckte Gewinnausschüttung.
Das Rechtsverhältnis wäre genauso mit einem Nichtgesellschafter vereinbart worden. Keine verdeckte Gewinnausschüttung

Grundsatz zur Zuordnung einer verdeckten Gewinnausschüttung

Die Zurechnung von Einkünften aus Kapitalvermögen im Zusammenhang mit einer verdeckten Gewinnausschüttungrichtet sich nach § 20 Abs. 2a EStG. Anteilseigner im Sinn dieser Vorschrift ist derjenige, dem nach § 39 AO die Anteile an der GmbH wirtschaftlich zuzurechnen sind.

Ausnahme: Stößt der Betriebsprüfer beispielsweise auf zweifelhafte Beteiligungskonstellationen, kann es sein, dass die verdeckte Gewinnausschüttung nicht prozentual auf die Gesellschafter der GmbH zu verteilen ist.

Beispiel: In einem Urteilsfall wurden einem fünfjährigen Kind, der Mutter und der Ehefrau die Anteile an einer Kapitalgesellschaft übertragen. Der Vater, Geschäftsführer der GmbH, wollte so den Zugriff von Gläubigern im Haftungsfall auf die GmbH-Anteile verhindern. Doch das Finanzamt stellte fest, dass ein Treuhandverhältnis bestand. Insbesondere der fünfjährige Sohn konnte über seine GmbH-Anteile nicht frei verfügen und auch keine Stimmrechte ausüben. Eine verdeckte Gewinnausschüttung in dieser GmbH wurde daher nicht dem Kind zugerechnet, sondern dem Vater als tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümer. Das war natürlich steuerlich ungünstig, weil das fünfjährige Kind bis zum Grundfreibetrag die Kapitalerträge aus der verdeckten Gewinnausschüttung nicht versteuern hätte müssen. Doch die Richter des Bundesfinanzhofs blieben hart und ordneten die verdeckte Gewinnausschüttung nach dem wirtschaftlichen Eigentum an den GmbH-Anteilen zu (BFH, Urteil v. 6.8.2013, Az. VIII R 10/10).

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Steuerliche Auswirkungen bei der GmbH und beim Gesellschafter

Eine verdeckte Gewinnausschüttung darf ebenso wenig wie eine offene Gewinnausschüttung den Gewinn der GmbH mindern. Deshalb muss die verdeckte Gewinnausschüttung außerhalb der Bilanz der GmbH dem steuerlichen Gewinn hinzugerechnet werden. Die so berechnete Summe ist Ausgangspunkt für die Berechnung der Körperschaftsteuer, des Solidaritätszuschlags und der Gewerbesteuer.

Passivposten, wie z. B. die Bildung einer Pensionsrückstellung, die zum Teil steuerlich eine vGA darstellen, sind ebenfalls durch eine Hinzurechnung zum steuerlichen Gewinn der GmbH zu neutralisieren. Ist allerdings eine Hinzurechnung aus verfahrensrechtlichen Gründen (Bestandskraft, Verjährung) in dem jeweiligen Wirtschaftsjahr nicht mehr möglich, ist der Hinzurechnungsbetrag durch eine Nebenrechnung zu ermitteln und entsprechend im noch offenen Veranlagungsjahr dem steuerlichen Gewinn hinzuzurechnen.

Steuerliche Auswirkungen beim Gesellschafter

Beim Gesellschafter handelt es sich bei einer verdeckten Gewinnausschüttung um Einkünfte aus Kapitalvermögen, für die Abgeltungsteuer anfällt. Ist die Gewinnausschüttung zunächst bei einer anderen Einkunftsart, z. B. Einkünften aus nichtselbstständiger Tätigkeit, erfasst worden, sind diese Einkünfte in Kapitaleinkünfte umzuqualifizieren. Die in § 32a KStG enthaltene Hemmung der Verjährung regelt, dass ohne diese Vorschrift bereits bestandskräftige oder verjährte Einkommensteuerbescheide auch zugunsten des Gesellschafters bzw. der ihm nahestehenden Person geändert werden dürfen, wenn - z. B. durch eine Betriebsprüfung - bei der GmbH eine verdeckte Gewinnausschüttung festgestellt wird.

Praxis-Tipp: In bestimmten Fällen kann statt der Anwendung der Abgeltungsteuer die Anwendung des Teileinkünfteverfahrens gewählt werden. Dann wird die Gewinnausschüttung nicht mit dem pauschalen Steuersatz von 25 %, sondern mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Vorteilhaft daran ist, dass auch Werbungskosten abgezogen werden können, während bei der Anwendung der Abgeltungsteuer der Werbungskostenabzug ausgeschlossen ist.

Wird die verdeckte Gewinnausschüttung auf Einlagen des Gesellschafters, die nicht das Nennkapital der GmbH betreffen, angerechnet, liegen keine Einkünfte aus Kapitalvermögen vor. In diesem Fall entsteht durch die verdeckte Gewinnausschüttung  keine Einkommensteuer und damit auch keine Abgeltungsteuer.

Achtung: Es besteht eine Informationspflicht gegenüber den Mitgesellschaftern, weil die verdeckte Gewinnausschüttung einen Rückzahlungsanspruch der GmbH auslösen kann (BGH, Urteil vom 11.2.2006, Az. II ZR 166/05).

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Das Risiko nahestehender Personen

Wer eine nahestehende Person im Sinne einer verdeckten Gewinnausschüttung ist, kann keiner gesetzlichen Fundstelle entnommen werden. Nahestehende Personen sind nicht nur Angehörige im Sinn des § 15 Abgabenordnung, sondern alle Personen, die in einer persönlichen Beziehung zum Gesellschafter bestehen. Nahestehende Personen sind demnach: Verwandte,  Freunde, Bekannte, langjährige Geschäftskunden, künftige Mitgesellschafter.

Beispiel 1: Herr Huber ist alleiniger Gesellschafter der Huber-GmbH. Er verkauft seinem Bruder Waren für 10.000 EUR, für die ein fremder Kunde 20.000 EUR bezahlen müsste. Folge: Da es sich bei dem Bruder um eine nahe stehende Person handelt, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 10.000 EUR vor.

Beispiel 2: Frau Müller ist Allein-Gesellschafterin der Müller-GmbH. Sie gewährt Ihrem in der GmbH angestellten Ehemann nachträglich eine Gehaltserhöhung von 20.000 EUR. Folge: Da der Ehemann eine nahe stehende Person ist, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 20.000 EUR vor.

Beispiel 3: Herr Becker ist Gesellschafter der Becker GmbH. Er kauft von einem Bekannten ein Grundstück an, für das er einem fremden Immobilieneigentümer 20.000 EUR weniger bezahlt hätte. Folge: Es liegt durch das bekanntschaftliche Verhältnis eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 20.000 EUR vor.

Beispiel 4: Die XY-GmbH gewährt einem Lieferanten einen Zuschuss für eine Wareneinführung in Höhe von 10.000 EUR. Solche Zuschüsse kommen sonst nicht vor. Nach einigen Monaten beteiligt sich der Lieferant an der GmbH. Folge: Da die Zahlung des Zuschusses gesellschaftsrechtlich bedingt war, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung in Höhe von 10.000 EUR vor.

Wie kommt das Finanzamt eigentlich auf nahestehende Personen?

Im Rahmen der Betriebsprüfung bei einer GmbH sucht der Betriebsprüfer zu allererst nach auffälligen Geschäftsvorfällen. Stellt sich heraus, dass offensichtlich zu hohe Zahlungen geleistet oder zu wenig für Leistungen berechnet wurde, kommt die Suche nach „nahestehenden Personen“.

Dabei sind folgende Prüfungsansätze denkbar:

Der Prüfer fragt Sie direkt, in welcher Beziehung Sie zu der Person stehen, die begünstigt wurde. Verneinen Sie das Vorliegen eines persönlichen Verhältnisses, sind weitere Prüfungen wahrscheinlich. Der Prüfer gibt beispielsweise Ihren Namen und den Namen der begünstigten Person im Internet ein. Er sucht in Xing oder Facebook nach Zusammenhängen. Er sucht durch den Wohnort des Begünstigten nach Anhaltspunkten für eine persönliche Beziehung. Er verlangt archivierte E-Mails oder Schriftverkehr zu den fraglichen Geschäftsvorfällen.

Praxis-Tipp: Oft sind gerade in E-Mails oder Geschäftsbriefen dann verhängnisvolle Informationen enthalten, die die Annahme bestätigen, dass es sich bei dem Begünstigten um eine nahe stehende Person des Gesellschafters handelt. Hinweise darauf ist das Duzen oder eine kurzer Hinweis auf ein gemeinsames Treffen.

Doch auch wenn der Prüfer nicht 100 %ig beweisen kann, dass eine nahestehende Person vorliegt, können ungewöhnliche Vereinbarungen zu einer verdeckten Gewinnausschüttung führen. Denn können Sie nicht nachvollziehbar erläutern, warum ein Kunde oder ein Arbeitnehmer eine Sonderbehandlung im Gegensatz zu anderen Kunden und Arbeitnehmern kam, muss vom Vorliegen einer persönlichen Beziehung ausgegangen werden.

Wem ist die verdeckte Gewinnausschüttung zuzurechnen?

Die verdeckte Gewinnausschüttung ist immer dem Gesellschafter der GmbH zuzurechnen und nicht der nahe stehenden Person. Mit anderen Worten: Die verdeckte Gewinnausschüttung führt beim Gesellschafter der GmbH im Privatvermögen zum Zufluss von Kapitalerträgen.

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