Befristeter Arbeitsvertrag – mit Vorlage rechtskonform erstellen

Aktualisiert am: 15.06.2018

Die unsichere wirtschaftliche Lage, ein Großauftrag oder die schwere Erkrankung eines Mitarbeiters – gerade kleine Unternehmen benötigen häufig zusätzliches Personal für einen begrenzten Zeitraum. Mit einem befristeten Arbeitsvertrag können Sie Auftragsspitzen einfach überbrücken. Aber: Sie müssen sich an die Regeln für die Befristung halten. Damit Sie hier auf der sicheren Seite sind, empfiehlt sich der Einsatz einer rechtssicheren Vorlage.

Ausnahme: befristeter Arbeitsvertrag trotz Vorbeschäftigung

Im Juni 2018 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass ein befristeter Arbeitsvertrag trotz Vorbeschäftigung ausnahmsweise erlaubt ist, wenn

  • die Vorbeschäftigung sehr lange zurückliegt
  • ganz anders geartet war oder
  • nur sehr kurze Zeit gedauert hat.

Eine sachgrundlose Befristung soll z. B. möglich sein nach

  • bestimmten Nebenbeschäftigungen während der Studien- oder Familienzeit,
  • einer Tätigkeit als Werksstudent oder
  • einer lang zurückliegenden Beschäftigung eines Arbeitnehmers, der sich später beruflich völlig neu orientiert hat.

Was „sehr lange zurück liegt“ genau heißt, werden die Arbeitsgerichte noch entscheiden müssen. Die nach der bisherigen Rechtsprechung maßgeblichen drei Jahre werden auf jeden Fall nicht ausreichen.

Die Spielregeln des befristeten Arbeitsvertrags

Für den befristeten Vertrag ohne Sachgrund gilt:

  • die Befristung darf insgesamt höchstens zwei Jahre dauern
  • bei kürzerer Befristung ist eine höchstens dreimalige Verlängerung erlaubt

Grundsätzlich sind damit bis zur Höchstdauer vier einzelne befristete Verträge - ein Erstvertrag und drei Verlängerungen - möglich. Besonders in kleineren Betrieben sollte aber bedacht werden, dass mehrere kurze befristete Arbeitsverträge hintereinander viel Unsicherheit für den betroffenen Arbeitnehmer und die übrigen Beschäftigten mit sich bringen können.

Für junge Unternehmen und bei älteren Mitarbeitern sieht das Gesetz Erleichterungen vor. Wie diese genau aussehen, finden Sie in den Erklärungen zum Muster Arbeitsvertrag, befristet.

1. Die Befristung berechtigt nicht zu Unterschieden

Ein befristet Beschäftigter hat dieselben Rechte und Pflichten wie jeder andere Mitarbeiter. Er darf wegen der Befristung nicht schlechter behandelt werden. Er darf z. B. nicht schlechter bezahlt werden und muss (anteilig) denselben Urlaubsanspruch haben.

Nur wenn der Arbeitsvertrag auf weniger als einen Monat befristet ist, sieht das Gesetz generell keinen Urlaubsanspruch vor. Bei einer Beschäftigung von weniger als vier Wochen entsteht auch kein Anspruch auf Lohnfortzahlung bei Krankheit.

Als Arbeitgeber müssen Sie auch den befristet Beschäftigten über freie unbefristete Arbeitsplätze im Betrieb informieren.

2. Befristung immer schriftlich festhalten

Die Befristung muss immer schriftlich erfolgen und zwar vor Vertragsbeginn. Wird die Befristung nur mündlich oder erst nach Arbeitsaufnahme schriftlich vereinbart, entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Ist die Befristung nur unwirksam, weil sie nicht schriftlich erfolgt ist, darf der unbefristete Vertrag ausnahmsweise vor Fristablauf von beiden Seiten ordentlich gekündigt werden.

3. Kündigung im befristeten Arbeitsvertrag

Vor allem in Branchen, in denen geeignete Arbeitskräfte dringend gesucht werden, kommt es nicht selten vor, dass es sich der Arbeitnehmer vor Vertragsantritt anders überlegt. Im Lexware Muster zum befristeten Arbeitsvertrag wird deshalb die Kündigung vor Dienstantritt ausgeschlossen. Damit kann der Arbeitnehmer frühestens am 1. Arbeitstag kündigen.

Dass er dann nur für die kurze Kündigungsfrist im Betrieb ist, können Sie nicht verhindern. Durch das Verbot können Sie aber erreichen, dass er sich eine eventuelle Entscheidung gegen Ihren Betrieb vor der Unterschrift gründlich überlegt.

Sehen Sie im befristeten Arbeitsvertrag unbedingt eine Kündigungsmöglichkeit vor. Sonst können Sie das Arbeitsverhältnis vor Fristablauf nicht beenden, falls Sie mit dem Mitarbeiter z. B. unzufrieden sind.

Fristlos kündigen können Sie auch ohne ausdrückliche Vereinbarung. Dazu brauchen Sie aber einen „wichtigen Grund“ nach § 626 BGB. Schlechte Leistungen reichen z. B. nicht aus.

4. Verlängerung richtig gestalten

Legen Sie sich den befristeten Arbeitsvertrag auf Termin, damit Sie rechtzeitig über eine Verlängerung entscheiden können. Das ist aus zwei Gründen nötig:

  • Der Arbeitsvertrag kann nur vor Ablauf verlängert werden.
  • Der Mitarbeiter darf nicht unbedacht weiter beschäftigt werden.

Arbeitet Ihr Mitarbeiter nach Fristablauf mit Ihrem Wissen weiter, gilt das befristete Arbeitsverhältnis als auf unbestimmte Zeit verlängert. Eine weitere Befristung ist dann nicht mehr möglich. Arbeitet ein Arbeitnehmer ohne Ihr Wissen weiter, müssen Sie die Weiterarbeit so schnell wie möglich unterbinden, sobald Sie davon erfahren. Sonst entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Nur wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind, kann ein Arbeitsvertrag auch nachträglich noch befristet werden. Wegen des Vorbeschäftigungsverbots ist dann aber nur ein befristeter Vertrag mit Sachgrund möglich.

Achtung: Fallen bei der Verlängerung eines befristeten Arbeitsvertrags

Bitte beachten Sie folgende wichtigen Punkte bei der Verlängerung eines befristeten Arbeitsvertrags:

  • Die Verlängerung muss schriftlich erfolgen.
  • Zwischen Befristungsende und Verlängerung darf keine zeitliche Lücke sein, auch kein Wochenende oder ein Feiertag.

Kritisch wird es außerdem, wenn sie schon vor Vertragsablauf versprochen haben, den Vertrag zu verlängern. Die Zusage darf dann nicht zurückgenommen werden, nur weil die Arbeitnehmerin mittlerweile z. B. schwanger geworden ist. Sie könnten sonst zu Schadenersatz verurteilt werden.

Möchten Sie das Arbeitsverhältnis unbefristet fortsetzen, sollten Sie den Arbeitsvertrag um einige wichtige Punkte ergänzen. Welche das sind und wie Sie diese am besten formulieren, erfahren Sie in den Erläuterungen zum Lexware Muster für einen befristeten Arbeitsvertrag.

Befristeter Arbeitsvertrag: Gut zu wissen

Hält der Arbeitnehmer die Befristung für unwirksam, kann er vor dem Arbeitsgericht klagen. Ist das Gericht seiner Meinung, wird es feststellen, dass das Arbeitsverhältnis unbefristet fortbesteht. Er kann dann nur durch eine Kündigung beendet werden, für die die ganz normalen Vorgaben gelten. Die Klage muss spätestens innerhalb einer Frist von drei Wochen nach dem im Arbeitsvertrag vereinbarten Ende erfolgen.

Diesen Ärger können Sie vermeiden, wenn Sie für die Erstellung des befristeten Arbeitsvertrags ein rechtlich fundiertes Muster verwenden.

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Befristete Arbeitsverträge – schnell und einfach

mit der rechtssicheren Vorlage für einen befristeten Arbeitsvertrag

Befristeter Arbeitsvertrag: Voraussetzungen und Gründe

Ein befristeter Arbeitsvertrag zeichnet sich dadurch aus, dass

  • er mit Zeitablauf oder Erreichen des vereinbarten Zwecks automatisch endet (auch wenn die Arbeitnehmerin mittlerweile z. B. schwanger ist)
  • weder Kündigungsfristen noch Kündigungsschutz zu beachten sind
  • kein besonderer Kündigungsschutz z. B. für Schwerbehinderte besteht und damit die erforderliche Anhörung der zuständigen Behörde (Integrationsamt, Gewerbeaufsicht, Amt für Arbeitsschutz) entfällt

Die Tücke: Wird auch nur eine Regel nicht eingehalten, entsteht automatisch ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Dann gelten die ganz normalen Vorschriften zur Kündigung von Mitarbeitern. Die Anforderungen an einen wirksamen befristeten Vertrag sind enorm und für Nichtfachleute kaum überschaubar. Damit Sie bei der Einstellung neuer Mitarbeiter an alles denken, empfiehlt es sich deshalb, den befristeten Arbeitsvertrag mit Hilfe eines Musters zu erstellen.

Eine Vorlage für einen befristeten Arbeitsvertrag finden Sie hier. In diesem Muster erhalten Sie auch weiterführende Informationen zu einzelnen Punkten des befristeten Arbeitsvertrages wie Urlaubsansprüche, Nebentätigkeiten des Mitarbeiters oder Aufzeichnungspflichten des Mindestlohngesetzes.

1. Befristung mit sachlichem Grund

Normalerweise dürfen Sie einen Arbeitsvertrag nur befristen, wenn Sie einen sog. sachlichen Grund wie z. B. Krankheitsvertretung oder saisonalen Mehrbedarf haben. Unter bestimmten Voraussetzungen geht es auch ohne Sachgrund. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Ein sachlicher Grund kann nach dem Gesetz z. B. sein:

  • Vorübergehender Mehrbedarf an Personal,
  • Befristung in Anschluss an eine Ausbildung, um den Übergang in eine Anschlussbeschäftigung zu erleichtern,
  • Vertretung eines Mitarbeiters bei Krankheit oder Elternzeit oder
  • ein Ferienjob.

Die Vertretung muss nicht exakt die Aufgaben des fehlenden Mitarbeiters übernehmen. Der Vertrag muss auch nicht z. B. für die gesamte Krankheitsdauer befristet werden. Der Befristungsgrund muss jedoch im Arbeitsvertrag stehen.

Befristete Arbeitsverträge werden meistens für einen bestimmten Zeitraum abgeschlossen. Ein Vertrag mit sachlichem Grund kann aber auch für einen bestimmten Zweck (z. B. „für die Dauer des Projektes A.“ oder „als Elternzeitvertretung für Frau B.“) ohne festes Enddatum befristet werden. In diesem Fall hat der Vertrag keine bestimmte Dauer.

Achtung: Steht im Vertrag kein Befristungsdatum, endet das Arbeitsverhältnis nicht automatisch mit Erreichen des Zwecks, also z. B. dem Abschluss des Projekts. Sie müssen den Mitarbeiter mindestens 2 Wochen bevor sich das Vertragsende abzeichnet schriftlich informieren. Informieren Sie ihn erst später, endet das Arbeitsverhältnis erst 2 Wochen nach Ihrer Mitteilung.

Eine Befristung mit sachlichem Grund kann unbegrenzt verlängert werden, solange der Grund vorliegt. Eine Ausnahme ist der Grund „im Anschluss an eine Ausbildung“. Hier ist keine Verlängerung möglich.

Direkt im Anschluss an den Arbeitsvertrag mit sachlichem Grund kann auch ein neuer befristeter Vertrag auf der Basis eines neuen Sachgrunds abgeschlossen werden, z. B. erst Saisonarbeit, dann Krankheitsvertretung.

2. Neue Rechtsprechung beim befristeten Arbeitsvertrag ohne Sachgrund

Das Gesetz betrachtet den befristeten Arbeitsvertrag mit sachlichem Grund als Normalfall. Dabei wird ein Arbeitnehmer z. B. als Krankheitsvertretung oder zur Mitarbeit nur in einem Projekt eingestellt.

Die in der Praxis verbreitete Variante ist der befristete Arbeitsvertrag ohne Sachgrund. Diesen Vertragstyp finden Sie hier als aktuelles, vorformuliertes Muster.

Ein befristeter Arbeitsvertrag ohne Sachgrund ist z. B. möglich, wenn mit dem Arbeitnehmer noch nie ein Arbeitsverhältnis bestanden hat oder das sehr lange her ist. Eine Vorbeschäftigung als Leiharbeitnehmer oder freier Mitarbeiter schadet nicht, weil es sich dabei nicht um ein Arbeitsverhältnis handelt.

Die Besonderheiten des befristeten Vertrags werden in der Vorlage Arbeitsvertrag, befristet weiter ausgeführt. Sie erfahren, wo welche Alternativen bestehen und wie Sie diese rechtssicher formulieren können.

Damit sind Sie auf der sicheren Seite!

In der Vorlage „Arbeitsvertrag befristet“ finden Sie rechtssichere Formulierungen zu allen Punkten des Arbeitsvertrags. So erstellen Sie im Handumdrehen einen korrekten befristeten Arbeitsvertrag.

Betriebsübernahme und befristeter Arbeitsvertrag

Auch ein Arbeitsverhältnis bei einem Rechtsvorgänger schließt einen befristeten Vertrag ohne Sachgrund aus.

Wenn Sie z. B. einen schon länger bestehenden Betrieb übernommen haben, können Sie vielleicht nicht sicher feststellen, ob ein Arbeitnehmer schon einmal im Betrieb beschäftigt war. Fragen Sie ihn und lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass es keine solche Vorbeschäftigung gab. Sollten sich seine Angaben später als falsch erweisen, wird er sich nicht darauf berufen können, dass die Befristung deswegen unwirksam ist.


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