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Gehaltsgestaltung: Diese Möglichkeiten gibt es

Glückliche Mitarbeiter - variable Gehaltsbestandteile sind eine Alternative zur klassischen Gehaltserhöhung
Von Cecilia Hardenberg, Diplom-Wirtschaftsjuristin, M.I.Tax und Fachjournalistin
Aktualisiert am: 29.08.2018

Vielleicht kennen Sie den Fall: Eine klassische Gehaltserhöhung für einen Mitarbeiter ist nicht möglich – trotzdem wollen Sie seine Leistung würdigen. Variable Gehaltsbestandteile können dies ermöglichen: Spendieren Sie z.B. einen Firmenwagen oder übernehmen Sie die Kosten für den Kindergarten. Das hat auch steuerliche Vorteile, für Arbeitgeber und für Arbeitnehmer.

Variable Gehaltsbestandteile

Viele Vergütungen in Form sogenannter Extras bieten den Vorteil, dass der Arbeitgeber sie lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei gewähren kann. Andere wiederum werden pauschal versteuert. Doch der finanzielle Vorteil ist in jedem Fall gegeben. Zu den wichtigsten variablen Gehaltsbestandteilen zählen:

Firmenwagen
Ein beliebter Gehaltsbestandteil ist die Überlassung eines Firmenwagens zur privaten Nutzung. Der Geschäftsführer oder Mitarbeiter muss dann den geldwerten Vorteil der Privatnutzung versteuern, entweder pauschal mit der Ein-Prozent-Methode (1 % des Fahrzeug-Listenpreises = geldwerter Vorteil) oder indem er ein Fahrtenbuch führt.

    Beispiel: Die Leasingrate für das Firmenfahrzeug liegt bei 800 EUR, der monatliche geldwerte Vorteil des Mitarbeiters bei 550 EUR (1 % des Listenpreises für das Auto sowie Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle). Vereinbaren der Unternehmer U. und sein Mitarbeiter M., dass M. auf einen Teil seines Gehalts (die Differenz zwischen der Leasingrate und dem geldwerten Vorteil) verzichtet und stattdessen den Firmenwagen erhält, mindert sich durch die niedrigere Bewertung des Firmenwagens das steuer- und sozialversicherungspflichtige Gehalt von M. um monatlich 250 EUR.
    Doch Vorsicht:
    Für die Privatnutzung wird Umsatzsteuer fällig (hier: 19 % auf 550 EUR)!

IT-Geräte
Viele Unternehmen überlassen ihren Mitarbeitern leihweise einen Laptop, ein Telefon oder andere IT-Geräte und übernehmen auch die laufenden Kosten (z. B. Telefonrechnung, Internet-Flatrate). Dies ist vollständig steuer- und sozialversicherungsfrei möglich.

Übernahme der Kosten für Kinderbetreuung, Kindergarten oder Kindertagesstätte
Für Mitarbeiter mit Kindern empfiehlt sich die Übernahme der Kosten für eine externe Kindertagesstätte, einen Kindergarten oder andere Betreuungsmöglichkeiten. Diese Leistungen sind ebenfalls steuer- und sozialversicherungsfrei.

Sachgeschenke
Geschenke (z. B. Eintrittskarten, Jobtickets) sind steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn der Preis für die Sache (inklusive Umsatzsteuer und sonstigen Preisbestandteilen) die Freigrenze von 44 EUR im Kalendermonat nicht überschreitet. Entscheidend ist es für die Finanzverwaltung, dass in einem Monat tatsächlich nur Sachbezüge im Wert von höchstens 44 Euro zugeflossen sind. Sämtliche Sachzuwendungen werden pro Monat demnach zusammengerechnet und nicht ausgeschöpfte Beträge dürfen nicht in den nächsten Monat übertragen werden.

    Wichtig: Da die Finanzämter den Steuervorteil nur für einen echten Sachbezug gewähren, muss besonders bei Gutscheinen darauf geachtet werden, dass sie nicht in bar ausgezahlt werden können. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Arbeitgeber nachweisen kann, wann er den Gutschein überreicht hat.

Rabatte auf hauseigene Waren
Häufig gewähren Unternehmer ihren Mitarbeitern Rabatte auf hauseigene Waren oder Dienstleistungen mit einem Bewertungsabschlag von 4 Prozent. Die Rabatte, die ein Mitarbeiter erhält, bleiben bis zum Betrag von 1.080 EUR pro Kalenderjahr steuer- und sozialversicherungsfrei.

Aufmerksamkeiten wie Genussmittel, Getränke und Blumen
Stellt der Unternehmer seinen Mitarbeitern im Betrieb Getränke und Genussmittel zur Verfügung oder erhalten sie einen Blumenstrauß zum Geburtstag, handelt es sich um steuerfreie Aufmerksamkeiten. Sie sind bis zu einem Wert von 60 EUR pro Monat lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei.

    Wichtig: Geldzuwendungen sind – auch innerhalb der 60-EUR-Grenze – (weiterhin) stets steuer- und beitragspflichtig.

Erholungsbeihilfen
Erholungsbeihilfen zur Kräftigung und Erholung der Gesundheit des Arbeitnehmers (und ggf. seiner Angehörigen) im Allgemeinen, sind zumeist steuerpflichtiger Arbeitslohn. Sie sind nur dann sozialversicherungsfrei, wenn die Erholungsbeihilfe pauschal mit 25 % versteuert wird und sie 156 EUR pro Arbeitnehmer und Kalenderjahr nicht überschreitet. Zusätzlich kann der Arbeitgeber für den Ehegatten des Mitarbeiters 104 EUR und für jedes seiner Kinder jährlich 52 EUR an Beihilfe gewähren, sofern die Beihilfen tatsächlich Erholungszwecken dienen. Wenn sich der Arbeitnehmer zur Wiederherstellung seiner Arbeitsfähigkeit z. B. einer Kur unterziehen muss, sind unter bestimmten Voraussetzungen und unter Einbeziehung des Betriebsrates sogar Erholungsbeihilfen bis zu 600 EUR steuerfrei.

Kindergartenzuschuss
Arbeitgeber können einen Kindergartenzuschuss gewähren. Die Voraussetzung ist, dass das Kind noch nicht schulpflichtig ist und außerhalb des Haushalts betreut wird. Steuerlich begünstigt sind damit Kindergärten, Krippen, Krabbelstuben und auch die Betreuung bei einer Tagesmutter. Sind beide Elternteile angestellt, können auch beide von ihren Arbeitgebern den begünstigten Zuschuss erhalten – steuerfrei aber natürlich maximal nur so viel, wie tatsächlich auch Kosten angefallen sind.

Essensmarken
Auch Essensmarken, z. B. in Form von Restaurantschecks für Gasttätten und Supermärkte, sind steuerlich begünstigt. Für kostenlose oder verbilligte Verpflegung hat die Finanzverwaltung Sachbezugswerte festgelegt. In 2018 dürfen für ein Frühstück 1,73 Euro und für ein Mittag- oder Abendessen 3,23 Euro angesetzt werden. Hinzu kommt, dass der Restaurantcheck pro Stück höchstens 3,10 Euro über dem Betrag liegen darf, der aktuell als Sachbezugwert für das Mittagessen festgelegt ist. Das bedeutet: Für 2018 gilt eine Maximalsumme von 6,33 Euro pro Menüscheck, also 3,23 Euro Mitarbeiteranteil und 3,10 Euro Arbeitgeberanteil.

Zinsgünstige Darlehen und Beteiligungen

Lohnsteuerfrei sind

  • zinslose bzw. zinsgünstige Darlehen bis zu einer Höhe von 2.600 EUR,
  • Vermögensbeteiligungen bis 360 EUR jährlich,
  • durch den Arbeitgeber finanzierte Mitarbeiterkapitalbeteiligungen bis 360 EUR jährlich.

Betriebliche Altersvorsorge

Eine große Rolle spielt bei Gehaltsverhandlungen auch die Betriebliche Altersversorgung. Voraussetzung ist, dass ein Risiko (Alter, Tod, Invalidität) zu Versorgungszwecken abgesichert wird und die Ansprüche auf diese Leistungen erst mit dem Eintritt des Ereignisses fällig werden. Für die Betriebliche Altersvorsorge gibt es folgende Wege:

  • Pensionszusage (Direktzusage) Das Unternehmen ist selbst Träger der Versorgung. Es leistet Beiträge an den Pensionssicherungsverein, kann diese aber als Betriebsausgabe abziehen. Der Arbeitnehmer versteuert die Versorgungsbezüge erst mit Eintritt des Versorgungsfalls (z. B. Rente).
  • Unterstützungskasse: Die Unterstützungskasse ist Träger der Versorgung, jedoch hat der Mitarbeiter nur einen Rechtsanspruch gegen seinen Arbeitgeber. Im Unterschied zur Pensionszusage sind die Beiträge manchmal nur begrenzt als Betriebsausgabe abzugsfähig.
  • Pensionskasse: Träger der Altersvorsorge ist die Pensionskasse, der Mitarbeiter hat also einen Anspruch gegen die Pensionskasse. Die Beiträge sind als Betriebsausgaben abzugsfähig. Beim Mitarbeiter werden die Beiträge dem individuellen Steuersatz unterworfen; sie sind jedoch bis zum Betrag von 4 %  der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, bei Neuverträgen sind zusätzlich 1.800 EUR steuerfrei.
  • Direktversicherung: Der Unternehmer schließt für den Mitarbeiter eine Kapital- oder Rentenversicherung ab. Der Unternehmer kann die geleisteten Beiträge als Betriebsausgaben abziehen; der Mitarbeiter muss sie versteuern (siehe Pensionskasse).
  • Pensionsfonds: Der Arbeitgeber leistet Beiträge an den Pensionssicherungsverein, die teilweise als Betriebsausgabe abgezogen werden können. Der Mitarbeiter muss die Beiträge versteuern (siehe Pensionskasse).

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