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Was muss ich bei einem Kreditantrag beachten?

Der Kreditantrag von A bis Z: So geht's
Von Dr. Manfred Buchner
Aktualisiert am: 24.03.2017

Für kleine Unternehmen ist es häufig schwierig, einen Kredit bei der Bank zu bekommen. Das zeigen diverse Umfragen der staatlichen KfW Bankengruppe. Deshalb ist es heute sowohl für Selbstständige als auch für kleine GmbH wichtiger denn je, bei der Beantragung von Krediten professionell vorzugehen - angefangen bei der Vorbereitung eines Kreditgesprächs, bis hin zu den Unterlagen, die man dem Banker an die Hand gibt. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihren Banker überzeugen können.

Vorbereitung eines Kreditantrags

Die Zeiten, in denen die Vorlage einer guten Bilanz bei der Hausbank ausreichte, um den gewünschten Kredit als Selbstständiger zu erhalten, sind längst vorbei. Viele Unternehmer haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ihre Kreditgesuche abgelehnt wurden. Mal missfällt das Rating, mal missfallen die Unterlagen, die in Sachen Transparenz zu wünschen übrig lassen. Die Vorbereitung ist besonders wichtig! Unternehmer sollten vor einem Kreditgespräch bei ihrer Bank oder Sparkasse fragen, welche Unterlagen Sie vorlegen sollen. Folgende Dokumente sind bei einem Kreditantrag für ein Investitionsvorhaben grundsätzlich wichtig:

  • Beschreibung des Investitionsprojekts
    Die Beschreibung sollte alle wichtigen Daten zum Projekt enthalten. Dazu zählen Angaben zu den wirtschaftlichen Vorteilen, die Investitionsberechnung und der Realisierungszeitraum, die erforderliche Kreditsumme und die Rückzahlungsmodalitäten.

  • Jahresabschlüsse mit Bilanz bzw. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
    Informationen über die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage sind die Quelle zur Ermittlung von betriebs- und finanzwirtschaftlichen Kennzahlen (z. B. Umsatz- und Eigenkapitalrendite, Cash-Flow, etc.). Diese interessieren Ihre Bank. Sie sollten die Angaben mit einem Bestätigungsvermerk des Steuerberaters vorlegen.
  • Aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)
    Eine BWA zeigt die Zusammensetzung und die Entwicklung der Erträge und der einzelnen Aufwendungen. Die Zahlen informieren über den Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres. Die Summen-Saldenliste lässt besondere Kontovorgänge erkennen. Zusätzlich wichtig sind Informationen über Abschreibungen, Bestandsveränderungen und saisonale Schwankungen bei einzelnen Konten (Sonderverkäufe, Urlaubs- und Weihnachtsgeld etc.).

  • Umsatz- und Ergebnisplan mit Erläuterungen
    Unternehmen werden neben den Vergangenheitswerten vor allem nach der zukünftigen Entwicklung beurteilt. Dafür ist die Absatzplanung für die einzelne Produkte und Leistungen mit Mengen- und Wertangaben erforderlich. Hinzu kommt die Planung der erforderlichen Aufwendungen für Lohn, Material etc.

  • Liquiditätsplan mit Erläuterungen
    Der Liquiditätsplan enthält die Gegenüberstellung der monatlich zu er-wartenden Einnahmen und Ausgaben mit Zahlungs- bzw. Fälligkeits-terminen für das laufende und kommende Geschäftsjahr. Die Differenz ergibt den monatlichen Überschuss (Überdeckung) oder einen Fehlbe-trag (Unterdeckung), für den die Finanzierung geklärt werden muss.

  • Liste der Verbindlichkeiten und Forderungen (Kreditoren- und De-bitorenliste)
    Die offenen Posten bei den Verbindlichkeiten und Forderungen spielen bei der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eine zentrale Rolle. Bei den Debitoren ist die Zahlungsfähigkeit (Bonität) der Schuldner zu bewerten.

  • Kreditübersicht
    Listen Sie hierbei alle laufenden Kreditverträge mit Angaben zur Höhe, Tilgung, Restlaufzeit und den Sicherheiten auf.

  • Sicherheiten
    Hierzu gehören zum Beispiel Immobilien, Beteiligungen, Wertpapiere, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert und Bürgschaften.

  • Aktueller Handelsregisterauszug, Gesellschaftsvertrag, betriebliche und persönliche Steuererklärungen und -bescheide

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Bewertung der Kreditwürdigkeit

Wer Geld von der Bank will, muss Überzeugungsarbeit leisten. Die Banken bewerten Ihre Bonität; für hohe Risiken berechnen sie hohe Zinsen. „Kein Kredit ohne Rating“ heißt das entsprechende Finanzierungsprinzip, mit dem die Bonität eines Unternehmens bewertet und seine Kreditwürdigkeit beurteilt wird. Dabei bewertet die Bank quantitative und qualitative Merkmale. Das gilt sowohl für den klassischen Kredit einer GmbH, als auch bei Krediten für Selbstständige.

Zur quantitativen Beurteilung der Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage werden Kennzahlen aus den Daten der Bilanz, GuV oder der BWA berechnet, ergänzt um Planwerte. Typische Kennzahlen für das Rating sind der Zinsaufwand, die Kreditorenlaufzeit, die Schuldentilgungsdauer, die Rentabilität, der Cash-Flow und die Eigenkapitalquote.

Zu den qualitativen Kriterien gehören Angaben über das Alter des Führungsteams, Nachfolgeregelungen, der Einsatz von Planungs- und Controlling-Instrumenten, die Qualität der Produkte und der Kunden sowie die fachliche und unternehmerische Kompetenz der Führung.

Zusätzlich bewerten die Banken auch das Kontoführungsverhalten (Überziehungen), die Dauer der Kundenbeziehung, Scheck- und Lastschriftrückgaben oder Kontopfändungen.

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Achtung: Gefahr durch Schnellratings

Kreditinstitute bewerten kleine Unternehmen immer häufiger durch automatische Schnell-Ratings. Sparkassen und Genossenschaftsbanken bewerten mit dem Schnell-Rating Betriebe bis 250.000 EUR Kreditsumme. Erfahrungen zeigen, dass die Ergebnisse dieser Ratings schlechter ausfallen als bei einem Voll-Rating. Unternehmer sollten klären, nach welchem Verfahren ein Rating erfolgt und wie die Bewertung verbessert werden kann.

Praxisbeispiel

Der Inhaber eines Kunststoff verarbeitenden Betriebs hält regelmäßig Kontakt zu seiner Hausbank. Er schickt unaufgefordert den aktuellen Jahresabschluss an den Kreditsachbearbeiter seiner Bank. Das beschleunigt die Kreditzusage bei der Anschaffung einer Spritzgussmaschine im Wert von 200.000 EUR. Seine alte Maschine kann er für 20.000 EUR verkaufen, er braucht damit 180.000 EUR Kredit. Darüber hinaus möchte er die Hard- und Software im Unternehmen modernisieren und dazu ein neues Buchhaltungsprogramm mit Mahnwesen auf einem neuen PC für 10.000 EUR einrichten. 

Die Finanzierung der Spritzgussmaschine erfolgt mit einem Investitions-darlehen. Die Laufzeit wird mit 96 Monaten an die voraussichtliche Nutzungsdauer der Maschine angepasst. Damit steht in der Bilanz den langfristigen Verbindlichkeiten der entsprechende Vermögenswert gegenüber. Bei der Finanzierung der Hard- und Software empfiehlt die Bank eine Leasing-Finanzierung mit einer Laufzeit von 36 Monaten. Bei schnelllebigen Wirtschaftsgütern wie der EDV ist ein kündbarer Leasingvertrag von Vorteil, mit dem flexibel auf neue technische Entwicklungen reagiert werden kann. Mit dem herstellerunabhängigen Leasing kann der Unternehmer beim EDV-Händler als Barzahler auftreten und entsprechende Rabatte vereinbaren.

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