Einkommensteuer: Das müssen Sie als Unternehmer berücksichtigen

Die Einkommensteuer ist die Steuer, die jede natürliche Person zahlen muss, die in Deutschland einen Wohnsitz hat und deren zu versteuerndes Einkommen (kurz: zvE) über dem Grundfreibetrag von aktuell 9.408 Euro bzw. 18.816 Euro (ledig bzw. Zusammenveranlagung) liegt.

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Definition: Was ist die Einkommensteuer?

Die Einkommensteuer ist eine Gemeinschaftssteuer, das bedeutet, dass sie dem Bund und den Ländern gemeinsam zufließt. Die Einkommensteuer ist die Steuer für natürliche Personen. Sie wird unabhängig vom Alter für alle Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland fällig, wenn diese Einkünfte erzielen. Steuern werden allerdings nur dann festgesetzt und fällig, wenn das zu versteuernde Einkommen der natürlichen Person über dem Grundfreibetrag von derzeit 9.408 Euro liegt.

Prinzip der Einkommensteuer

Der Einkommensteuer liegen folgende fünf Prinzipien zugrunde:

  • Leistungsfähigkeitsprinzip
  • Grundsatz der Individualbesteuerung
  • Markteinkommensprinzip.
  • Prinzip der Abschnittsbesteuerung
  • Welteinkommensprinzip

Leistungsfähigkeitsprinzip

Jeder Steuerzahler soll nach dem Leistungsfähigkeitsprinzip besteuert werden. Das bedeutet: Erzielen Steuerzahler in etwa ein gleich hohes Einkommen, müssen beide nach ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit auch eine gleich hohe Steuer entrichten (so genannte horizontale Gleichbehandlung).

Individualbesteuerung

Jeder Steuerzahler muss die von ihm erwirtschafteten Einkünfte versteuern. Bei Ehegatten, die sich zusammenveranlagen lassen und eine gemeinsame Steuererklärung einreichen, rechnet das Finanzamt die Einkünfte der beiden zusammen und besteuert diese.

Markteinkommensprinzip

Besteuert werden sollen nur marktoffene Einkünfte. Es gibt sieben Einkunftsarten, die eine Einkommensteuerpflicht auslösen, z. B.:

  • nichtselbständige Arbeit
  • Renten
  • Vermietung
  • selbständige Tätigkeit

 Nicht einkommensteuerpflichtig sind daher Erträge aus der Privatsphäre

  • Erbschaft,
  • Schenkung
  • Lottogewinn

Abschnittsbesteuerung

Besteuert wird bei der Einkommensteuer jeweils das in einem Kalenderjahr bezogene Einkommen. Der Einkommensteuertarif ist auch als Jahrestarif ausgerichtet.

Welteinkommensprinzip

In der Steuererklärung muss ein unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger Steuerzahler alle Einkünfte angeben, egal in welchem Land auf der Welt er diese Einkünfte erzielt hat. Je nachdem, ob mit dem jeweiligen Land ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, werden die im Ausland erzielten Einkünfte dann von der Besteuerung freigestellt oder die im Ausland bezahlte Steuer wird auf die deutsche Steuer angerechnet.

Unterschied Einkommensteuer und Lohnsteuer

Die Lohnsteuer, die ein Arbeitgeber vom Bruttogehalt eines Arbeitnehmers einbehält und ans Finanzamt abführt, ist lediglich eine Art Vorauszahlung zur Einkommensteuer. Denn setzt das Finanzamt in einem Steuerbescheid Einkommensteuer für den erzielten Arbeitslohn fest, wird die bereits während des Jahres ans Finanzamt abgeführte Lohnsteuer angerechnet.

Rechtliche Grundlagen

Die rechtlichen Grundlagen zur Einkommensteuer finden sich im Einkommensteuergesetz (EstG). In diesem Gesetz ist geregelt, wer in Deutschland unter welchen Voraussetzungen unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist, welche Einkünfte besteuert werden und welche steuerlichen Ausgaben das zu versteuernde Einkommen mindern dürfen. An das Einkommensteuergesetz sind die Finanzämter und die Steuerzahler gebunden.

Daneben gibt es noch Richtlinien und Hinweis zum Einkommensteuergesetz sowie die Einkommensteuer-Durchführungsverordnung. Diese Nebenvorschriften erläutern die Gesetzestexte.

Steuerpflicht

In Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist jede natürliche Person, die in Deutschland entweder einen Wohnsitz oder einen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Die Einkommensteuerpflicht beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod eines Steuerzahlers.

Besteuerungsverfahren

Das Besteuerungsverfahren bei der Einkommensteuer erfolgt in verschiedenen Schritten. Zuerst erklärt ein Steuerzahler entweder verpflichtend oder freiwillig dem Finanzamt seine Einkünfte und Ausgaben in einer Steuererklärung. Das Finanzamt überprüft die Angaben der Einkommensteuererklärung und ermittelt die Steuerbelastung in einem Steuerbescheid. Die festgesetzte Steuer muss der Steuerzahler innerhalb einer angemessenen Zeit bezahlen. Winkt eine Steuererstattung, wird ihm die zu viel bezahlte Steuer auf sein Konto zurücküberwiesen. Gegen den Steuerbescheid kann der Steuerzahler kostenlos Einspruch einlegen, wenn er der Meinung ist, dass der Einkommensteuerbescheid fehlerhaft ist.

Bemessungsgrundlage

Die Bemessungsgrundlage, die bei der Festsetzung der Einkommensteuer herangezogen wird, ist das zu versteuernde Einkommen des Steuerzahlers. Das zu versteuernde Einkommen setzt sich aus der Summe der erzielten Einkünfte abzüglich bestimmter Ausgabenposten wie Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen zusammen.

Aktuelle Änderungen bei Sozialversicherung und Lohnsteuer

Praktisch jedes Jahr ändern sich die Werte bei der Sozialversicherung und bei der Lohnsteuer. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber jedes Jahr die Inflation in den Steuertarifen berücksichtigen muss und dass bei der Sozialversicherung sozialverträgliche Beitragszahlungen erhoben werden.  

Neue Sozialversicherungswerte 2021

Zum 1. Januar 2021 steigen Beitragsbemessungsgrenzen, Jahresarbeitsentgeltgrenzen und Bezugsgrößen ebenso an wie die Sachbezugswerte für Unterkunft und Verpflegung. Zudem wird der Mindestlohn im Jahr 2021 gleich zweimal angehoben. 

So funktioniert die Besteuerung bei der Einkommensteuer

Das Grundprinzip der Besteuerung bei der Einkommensteuer besteht aus sieben Einkunftsarten, die zu erfassen sind und aus bestimmten Abzugsbeträgen, deren Differenz das zu versteuernde Einkommen bildet.

Überblick: Einkommensteuerpflichtige Einkunftsarten

Das Einkommensteuergesetz enthält eine abschließende Aufzählung, welche Einkünfte einkommensteuerpflichtig sind. Gemeint sind folgende Einkünfte:

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft,
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
  • Einkünfte aus selbstständiger Arbeit,
  • Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit,
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen,
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
  • Sonstige Einkünfte (Renten, Spekulationsgewinne)

Für die Einkünfte aus Kapitalvermögen gibt es eine Besonderheit. Sie werden grundsätzlich isoliert mit der 25%igen Abgeltungsteuer ermittelt.

Höhe und Freibeträge

Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens. Je höher das Einkommen, desto höher fällt die Einkommensteuer aus. Das Finanzamt ermittelt das zu versteuernde Einkommen und wendet den Tarif der Grundtabelle bei Ledigen und den Tarif der Splittingtabelle bei zusammenveranlagten Ehegatten oder Partnern einer eingetragenen Partnerschaft an.

Tipp

Bis zum Grundfreibetrag steuerfrei

Liegt das zu versteuernde Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 9.408 Euro bzw. 18.816 Euro (ledig bzw. Zusammenveranlagung in 2020), fallen grundsätzlich keine Steuern an.

Steuermindernde Ausgaben

Bei der Ermittlung der Einkünfte erklärt der Steuerzahler seine jeweils erzielten Einnahmen und zieht davon seine Werbungskosten ab. Werbungskosten sind alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit einer Einkunftsart angefallen sind und nachgewiesen werden können. Bei Werbungskostenabzug bei Ermittlung der Einkommensteuer ist ein Steuerzahler grundsätzlich in der Beweislast, in welcher Höhe Werbungskosten angefallen sind und dass die jeweiligen Ausgaben tatsächlich mit einer Einkunftsart zusammenhängen.

Info

Sonderfall Kapitalerträge

Bei Kapitalerträgen, die grundsätzlich isoliert von den übrigen Einkünften mit der 25%igen Abgeltungsteuer und nicht mit der tariflichen Einkommensteuer besteuert werden, dürfen keine Werbungskosten abgezogen werden. Das Finanzamt lässt hier nur einen Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro bzw. 1.602 Euro (ledig bzw. Zusammenveranlagung) zum Abzug zu. 

Einkommensteuer für Unternehmer

Für Unternehmer, die Einkünfte aus Land- und Fortwirtschaft, Gewerbebetrieb oder aus selbständiger (freiberuflicher) Arbeit erzielen, gelten keine Besonderheiten. Auch Sie müssen dem Finanzamt die jeweiligen Betriebseinnahmen erklären und dürfen davon Betriebsausgaben abziehen.

Abzugsfähige Betriebsausgaben

Beim Betriebsausgabenabzug im Rahmen der Ermittlung der Einkommensteuer gilt folgender Grundsatz: Der Unternehmer muss zum einen nachweisen, dass die jeweiligen Ausgaben tatsächlich mit dem Unternehmen zusammenhängen. Privatausgaben sind in der Gewinnermittlung tabu. Zum anderen muss er die Ausgabe der Höhe nach nachweisen und zwar durch Rechnungen, die er zehn Jahre lang aufbewahren muss.

Beim Betriebsausgabenabzug müssen Unternehmer zahleiche Abzugsbeschränkungen beachten. Diese finden sich in § 4 Abs. 5 EStG. Beispielsweise Bewirtungskosten dürfen nur zu 70% als Betriebsausgabe abgezogen werden. Bei Geschenken gilt folgender Grundsatz: Abziehbar sind nur Geschenke bis zu einem Nettobetrag von 35 Euro je Jahr und Empfänger .
 

Lohnsteuerprüfung

Hat ein Unternehmer Personal angestellt und behält vom Arbeitslohn Lohnsteuer ein, kann es passieren, dass sich das Finanzamt zu einer Lohnsteuerprüfung anmeldet. Dann nimmt ein Lohnsteuerprüfer des Finanzamts die Lohnabzüge unter die Lupe. 

Steuer-Vorauszahlungen

Unternehmer müssen Einkommensteuer-Vorauszahlungen leisten, wenn sie in einem Jahr einen Gewinn erwarten. Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen sind viermal im Jahr fällig und zwar 

  • am 10. März
  • am 10. Juni
  • am 10. September und
  • am 10. Dezember.

Hier empfiehlt es sich, denn Gewinn vor Fälligkeit der vierten Einkommensteuer-Vorauszahlung zu kalkulieren. Fällt der Gewinn deutlich niedriger aus als bei Ermittlung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen berücksichtigt, kann noch vor dem 10. Dezember ein Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen beim Finanzamt gestellt werden.

Abzugsmöglichkeiten bei der Einkommensteuer

Bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommen und der Einkommensteuer dürfen von ermittelten Einkünften weitere Ausgaben abgezogen werden. Typische Abzugsbeträge sind

  • Sonderausgaben, beispielsweise Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • geleistete Spenden
  • Studienkosten oder
  • Unterhaltszahlungen an den Ex-Ehegatten.

Daneben lässt das Finanzamt für Krankheitskosten oder für Unterstützungsleistungen an Eltern oder Kinder den Abzug außergewöhnlicher Belastung zu. Das zu versteuernde Einkommen kann auch noch durch Pauschbeträge gemindert werden. Typische Pauschbeträge sind u.a.

  • der Behinderten-Pauschbetrag
  • der Pflegepauschbetrag
  • der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende oder
  • der Altersentlastungsbetrag für Steuerzahler, die zu Beginn des Steuerjahrs bereits ihr 64. Lebensjahr vollendet haben.

Beschränkte und unbeschränkte Steuerpflicht

Bei der Einkommensteuer ist zwischen der unbeschränkten und der beschränkten Steuerpflicht zu unterscheiden. Unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist ein Steuerzahler, wenn er entweder seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Bei der unbeschränktenEinkommensteuerpflicht gilt das Welteinkommensprinzip, nachdem alle Einkünfte zu erklären sind.

Beschränkt einkommensteuerpflichtig sind natürliche Personen, die weder ihren Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, aber bestimmte Einkünfte im Sinn des § 49 EStG in Deutschland bezogen haben.

Sonderfall Gewerbesteuer

Neben der Einkommensteuer müssen gewerblich tätige Unternehmer auch Gewerbesteuer bezahlen. Bei der Gewerbesteuer gibt es jedoch zwei Entlastungsfaktoren. Gewerbesteuer wird nur fällig, wenn der Gewerbeertrag in einem Jahr über 24.500 Euro liegt. Setzt die Gemeinde Gewerbesteuer fest, wird ein Teil oder die komplette Gewerbesteuer auf die festgesetzte Einkommensteuer angerechnet.

Faustformel: Im Jahr 2020 wird die Gewerbesteuerbelastung in Gemeinden mit einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 422 Prozent durch die Anrechnung auf die Einkommensteuer neutralisiert.

Einkommensteuererklärung

Die Einkommensteuererklärung setzt sich aus sehr vielen verschiedenen Anlagen zusammen. Wichtig ist die Abgabe des Mantelbogens zur Einkommensteuererklärung mit den Allgemeinen Angaben wie Namen, Anschrift, Familienstand oder Kontonummer.

Steuerbescheid

Bei Abgabe einer Steuererklärung erhalten Sie vom Finanzamt einen Steuerbescheid, gegen den Sie im Zweifel mit einem Einspruch vorgehen können. Der Einspruch muss jedoch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Bescheids ans zuständige Finanzamt übermittelt werden . 

Einkommensteuersoftware

Anstatt die Papier-Einkommensteuererklärung auszufüllen, empfiehlt es sich, eine professionelle Einkommensteuersoftware zu verwenden. Die Gründe liegen auf der Hand: In der Einkommensteuererklärung auf Papier finden Sie keinen einzigen Steuertipp und sind völlig auf sich alleine gestellt. Bei Nutzung einer professionellen Einkommensteuersoftware werden Sie Schritt für Schritt durch die Erklärung geführt, bekommen Steuerspartipps an die Hand und können so selbst als Steuerlaie und ohne die Hilfe eines Steuerberaters das steuerlich optimalste Ergebnis erzielen.

Tipp

Einkommensteuererklärung mit Software selbst erledigen

Mit einer professionellen Steuersoftware können Sie Ihre Steuererklärung auch selbst erledigen und sind nicht auf die Hilfe eines Steuerberaters angewiesen. So sparen Sie Zeit und Geld und können Ihre Daten ganz einfach immer ins nächste Jahr übertragen.

Einkommensteuersoftware für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer müssen keine Einkommensteuersoftware nutzen, sie können und sollten aber. Denn eine professionelle Software ist immer aktuell und liefert die Steuersparmöglichkeiten praktisch auf dem Silbertablett.

Einkommensteuersoftware für Unternehmer

Unternehmer müssen ihre Einkommensteuererklärung zwingend in elektronischer Form ans Finanzamt übermitteln. Ohne Betreuung durch einen Steuerberater. Sie benötigen also eine professionelle Steuersoftware. Die Betonung liegt hier auf „professionell“. Klar kann ein Unternehmer auch die Einkommensteuersoftware ELSTER der Finanzverwaltung nutzen. Doch hierbei handelt es sich lediglich um die elektronische Abbildung der Papier-Einkommensteuererklärung. Von Tipps und Benutzerführung ist hier keine Spur.