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Arbeitsvertrag erstellen: Alles über Inhalte und Ihre Pflichten

Handschlag nach unterschriebenem Arbeitsvertrag
Von Birgit Bohnert
Aktualisiert am: 17.09.2018

Beim Gestalten eines Arbeitsvertrags für Ihre Angestellten sind Sie weitgehend frei. Wenn Sie aber sicher sein wollen, dass der Arbeitsvertrag rechtssicher ist und Sie Ihre Interessen im Notfall auch vor Gericht durchsetzen können, sollten Sie die wichtigsten Regeln kennen. Worauf Sie beim Erstellen des Arbeitsvertrags achten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Form des Arbeitsvertrags

Befristet oder unbefristet? Vertragstyp festlegen

Für die meisten Unternehmen ist der unbefristete Vertrag der Normalfall, wenn sie Mitarbeiter einstellen. Befristete Verträge werden aber immer beliebter. Der befristete Vertrag hat den Vorteil, dass er automatisch endet, wenn das Ende der Frist oder der Zweck erreicht sind. Für den befristeten Arbeitsvertrag gelten jedoch teilweise andere Regeln als für den unbefristeten Vertrag.

Alles, was Sie zum unbefristeten Arbeitsvertrag, wissen müssen, erfahren Sie im Artikel „Unbefristeter Arbeitsvertrag – mit Muster schnell und sicher erstellt“.

Umfassende Informationen zum befristeten Arbeitsvertrag finden Sie im Artikel „Befristeter Arbeitsvertrag – mit Vorlage rechtskonform erstellen“.

Ist ein mündlicher Vertrag rechtskräftig?

Was viele nicht wissen: Sie können den Arbeitsvertrag mündlich oder schriftlich schließen. Ein Arbeitsvertrag kommt bereits dann zustande, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer mündlich über die Eckpunkte einigen. Es ist also nicht unbedingt nötig, den Arbeitsvertrag schriftlich festzuhalten.

Allerdings empfiehlt es sich in den meisten Fällen, Arbeitsverträge schriftlich einzugehen. So haben Sie als Arbeitgeber einen Nachweis über die vereinbarten Bedingungen des Arbeitsvertrags. Nur mit einem schriftlichen Vertrag können Sie im Zweifelsfall auch vor Gericht beweisen, welche Bestandteile Sie im Arbeitsvertrag mit Ihrem Mitarbeiter vereinbart haben.

Wichtig: Wollen Sie einen befristeten Vertrag schließen, müssen Sie die Befristung auf jeden Fall schriftlich formulieren. Sonst entsteht automatisch ein unbefristeter Vertrag.

Inhalte: Was muss in einem Arbeitsvertrag stehen?

Viele Inhalte eines Arbeitsvertrags können Sie frei gestalten. Sie müssen nur aufpassen, dass Sie mit Ihrer Formulierung wirklich genau das festlegen, was Sie beabsichtigen. Hier einige Tipps zu den wichtigsten Punkten eines Standard Arbeitsvertrags:

  • Befristung
    Wenn Sie einen befristeten Arbeitsvertrag ohne Sachgrund abschließen möchten, gehört das Fristende in den Arbeitsvertrag. Sie formulieren z. B.: „Das Arbeitsverhältnis endet mit Ablauf des 31.7.2018, ohne dass es einer Kündigung bedarf.“ Handelt es sich um einen befristeten Arbeitsvertrag mit Sachgrund, muss der Sachgrund angegeben werden, z. B. „als Elternzeitvertretung“.
  • Tätigkeitsbeschreibung
    Im Arbeitsvertrag vereinbaren Sie, welche Arbeit Ihr Mitarbeiter ausführen soll. Wenn Sie den Mitarbeiter z. B. als kaufmännischen Angestellten einstellen, muss er alle Arbeiten leisten, die zu diesem Berufsbild gehören. Da Sie als Kleinunternehmer meist darauf angewiesen sind, Ihre wenigen Mitarbeiter flexibel einsetzen zu können, bedenken Sie: Je genauer Sie die Tätigkeit im Arbeitsvertrag beschreiben, desto geringer sind Ihre Möglichkeiten, dem Mitarbeiter später andere Arbeiten zuzuweisen. Wenn Sie Ihren Mitarbeiter z. B. als Buchhalter eingestellt haben, können Sie ihn nicht anweisen, Angebote zu erstellen.
  • Arbeitszeit
    Bei der Vereinbarung der Arbeitszeit sind Ihnen durch das Arbeitszeitgesetz Grenzen gesetzt. Überstunden dürfen Sie nur anordnen, wenn Sie sich dieses Recht im Arbeitsvertrag vorbehalten haben. Ohne Vereinbarung können Sie Überstunden nur in absoluten Notfällen verlangen.
  • Arbeitsort
    Wenn Sie mehrere Niederlassungen haben, können Sie im Arbeitsvertrag vorsehen, dass Sie den Mitarbeiter, soweit es ihm zumutbar ist, an einen anderen Standort versetzen können.
  • Gehalt
    Regeln Sie das Gehalt (Grundentgelt, Zuschläge, Sonderzahlungen usw.) genau und unmissverständlich und legen Sie im Arbeitsvertrag auch fest, wann Sie es auszahlen. Wenn Ihre Mitarbeiter eine Sonderzahlung (Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld) erhalten, achten Sie besonders genau auf die Formulierung. Wichtig ist zu klären, ob es sich um einen Anspruch auf Dauer oder um eine freiwillige Leistung handelt und was passieren soll, wenn ein Mitarbeiter während des Jahres ein- oder austritt.
  • Probezeit
    Eine Probezeit muss, wenn gewünscht, ausdrücklich vereinbart werden. Sie darf höchstens sechs Monate betragen.
  • Kündigungsfristen
    Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum 15. eines Monats oder zum Monatsende. Arbeitgeber mit höchstens 20 Mitarbeitern dürfen auch eine Kündigungsfrist von vier Wochen ohne festen Endtermin vereinbaren. Für den Arbeitgeber verlängert sich die Kündigungsfrist nach 2 Jahren gestaffelt mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers. Für den Arbeitnehmer gilt die automatische Verlängerung nicht, es sei denn, Sie vereinbaren diese im Arbeitsvertrag.

    Achtung: Die normale Kündigung mit Kündigungsfrist ist beim befristeten Vertrag grundsätzlich nicht möglich. Sie geht nur, wenn das im Arbeitsvertrag ausdrücklich vereinbart wurde.
  • Urlaub
    Der gesetzliche Urlaub beträgt 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche bzw. 20 Werktage bei einer 5-Tage-Woche; das entspricht jeweils vier Wochen pro Jahr. Wenn Sie mehr Urlaubstage bieten, sollten Sie den zusätzlichen Urlaub im Arbeitsvertrag konkret erfassen.
  • Arbeitsverhinderung
    Wenn der Mitarbeiter krank ist, muss er Ihnen das unverzüglich, d. h. am ersten Tag, mitteilen. Ist er länger als 3 Tage krank, muss er eine Krankmeldung vorlegen. Sie können im Arbeitsvertrag auch vereinbaren, dass er bereits am ersten Tag eine Krankmeldung vorlegen muss.

→ Welche Zusatzvereinbarungen zum Arbeitsvertrag sinnvoll sein können, lesen Sie hier.

Arbeitsvertrag Muster

Besonders einfach ist es, wenn Sie den Arbeitsvertrag mit einem Muster erstellen. Darin finden Sie alle wichtigen Vertragsbestandteile und sichern sich durch rechtssichere Formulierungen juristisch ab.

Hier finden Sie praktische Muster für einen unbefristeten und befristeten Arbeitsvertrag:

Arbeitsvertrag – Gesetze, Rechte und Pflichten

Der Arbeitsvertrag enthält Rechte und Pflichten, an die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer halten müssen. Welche Rechte und Pflichten das sind, bestimmen das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und weitere gesetzliche Regelungen. Ihre Hauptpflicht als Arbeitgeber ist es, Ihrem Mitarbeiter das vereinbarte Arbeitsentgelt zu zahlen. Dessen Höhe ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag.

Darüber hinaus gibt es weitere Pflichten, die sich für Sie aus dem Arbeitsvertrag ergeben. So müssen Sie den Arbeitnehmer beispielsweise in angemessener Art und Weise beschäftigen. Sie dürfen ihm also grundsätzlich nur Tätigkeiten zuweisen, die im Arbeitsvertrag festgehalten sind.

Weitere Pflichten sind u.a.:

  • die ordnungsgemäße Abführung der Sozialversicherungsbeiträge
  • die Gleichbehandlungspflicht (ergibt sich aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz – AGG)
  • die Pflicht, für den Schutz des Lebens und der Gesundheit der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu sorgen
  • die Fürsorgepflicht
  • die Ausstellung eines qualifizierten Zeugnisses (auf Verlangen)

Änderungen am Arbeitsvertrag – was ist zulässig?

Der Arbeitsvertrag darf nicht einseitig geändert werden. Eine nachträgliche Änderung von Ihnen als Arbeitgeber ohne Zustimmung Ihres Mitarbeiters ist also in der Regel nicht möglich.

Wenn Sie den Arbeitsvertrag im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Arbeitnehmer geändert haben, sollten Sie diese Änderung aber unbedingt schriftlich festhalten. Nur so können Sie dies im Streitfall auch beweisen. Auch z. B. eine Lohnerhöhung sollte schriftlich belegt sein.

Kann man vom Arbeitsvertrag zurücktreten?

Vom Arbeitsvertrag „zurückzutreten“ ist grundsätzlich nicht möglich. Allerdings kommt direkt mit dem Abschluss des Arbeitsvertrags das Arbeitsverhältnis zustande. Das bedeutet, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber bereits vor dem vertraglich vereinbarten Dienstbeginn den Arbeitsvertrag kündigen können. In diesem Fall gilt die gesetzlich oder vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist.

Sie als Arbeitgeber können eine Kündigung Ihres neuen Mitarbeiters vor Dienstantritt aber ausschließen, indem Sie eine entsprechende Klausel in den Arbeitsvertrag aufnehmen. Hier können Sie auch eine Vertragsstrafe bei Nichtaufnahme der Arbeit festlegen.

Themenseite „Mitarbeiter finden und einstellen“

Für kleine Unternehmen ist es oft nicht leicht, qualifizierte neue Mitarbeiter zu finden und für den eigenen Betrieb zu begeistern. Das A und O ist dabei ein professioneller Einstellungsprozess. Auf unserer Themenseite finden Sie hierzu geballtes Fachwissen und kostenlose Arbeitshilfen.


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