Firmenwagen-Abschreibung leicht gemacht!

Erfahren Sie alles über die Abschreibung von Firmenwagen
Aktualisiert am: 21.05.2019

Sie haben einen neuen Firmenwagen gekauft? Herzlichen Glückwunsch! Stellen Sie nun sicher, dass Sie die zu Ihrem Unternehmen passende Abschreibungsmethode wählen. Denn nur so können Sie so viele Steuern wie möglich sparen. Keine Angst, das ist nicht schwer. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie dabei beachten sollten.

4 Schritte zur erfolgreichen Abschreibung eines Firmenwagens

Die Ermittlung der Abschreibung eines Firmenwagens erfolgt normalerweise in drei bis vier Schritten. Folgen Sie den Schritten 1 bis 4 und erhalten Sie eine betriebsprüfungssichere und steuerlich optimale Abschreibung des Firmenwagens.

Schritt 1: Anschaffungskosten des Firmenwagens ermitteln

Ausgangsbasis für die Ermittlung der Abschreibung sind die Anschaffungskosten des Firmenwagens (Kaufpreis + Anschaffungsnebenkosten). Sind Sie nur zum Teil oder gar nicht zum Abzug der Vorsteuer berechtigt, gehört die Umsatzsteuer aus dem Kaufpreis des Fahrzeugs ebenfalls zu den Anschaffungskosten.

Schritt 2: Ermittlung der regulären Abschreibung

Bei Anschaffungen kommt als Abschreibung nur noch die lineare Abschreibung in Betracht. Bei dieser werden die Anschaffungskosten für den Firmenwagen (Schritt 1) gleichmäßig auf die Nutzungsdauer von sechs Jahren verteilt. Die Abschreibung ist streng zeitanteilig vom Monat des Kaufs an zu ermitteln.

Schritt 3: Ermittlung der Sonderabschreibung

Nutzen Sie Ihren Firmenwagen im Jahr des Kaufs und im Jahr danach zu mindestens 90 Prozent betrieblich und können das mit einem Fahrtenbuch nachweisen? Dann ist die 20-prozentige Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG zusätzlich zur regulären Abschreibung erlaubt! Bilanzieren Sie, kommt die Sonderabschreibung nur dann in Betracht, wenn der Wert Ihres Betriebsvermögens im Jahr vor der Anschaffung nicht mehr als 235.000 Euro betragen hat. Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der einfachen Einnahmen-Überschussrechnung, ist die Sonderabschreibung für den Firmenwagen erlaubt, wenn der Gewinn des Vorjahrs nicht über 100.000 Euro lag.

Praxis-Tipp: Steuer 1-1 zum 90%igen Nutzungsumfang

Die mindestens 90%ige betriebliche Nutzung im Jahr des Kaufs und im Jahr danach müssen Sie dem Finanzamt nachweisen. Dabei gelten folgende Steuerspielregeln:

  • Sie müssen in diesen beiden Jahren zwingend ein Fahrtenbuch führen.
  • Anders als beim Investitionsabzugsbetrag ist die mindestens 90%ige betriebliche Nutzung nicht zeitraumbezogen, sondern wirtschaftsjahrbezogen nachzuweisen. Mit anderen Worten: Sie müssen den Firmenwagen in den beiden betreffenden Jahren zu mindestens 90 % betrieblich nutzen.

Schritt 4: Auswirkung eines Investitionsabzugsbetrags auf die Abschreibung

Haben Sie in den Vorjahren für den geplanten Kauf Ihres Firmenwagens den 40-prozentigen Investitionsabzugsbetrag vom Gewinn abgezogen, mindern sich die in Schritt 1 ermittelten Anschaffungskosten um diesen Betrag und somit natürlich auch die Höhe der Abschreibung.

Schritt
Schritt Ist-Situation Aktion
1 Wird der Firmenwagen im Jahr des Kaufs und im Folgejahr voraussichtlich zu mehr als 90 % betrieblich genutzt? Wenn nein, keine Sonderabschreibung möglich. Wenn ja, weiter mit Punkt 2
2 Lag der Wert Ihres Betriebsvermögens des Vorjahrs bei Bilanzierung bei maximal 235.000 Euro? Betrug Ihr Gewinn bei der Einnahmen-Überschussrechnung im Vorjahr maximal 100.000 Euro? Wenn nein, keine Sonderabschreibung möglich. Wenn ja, weiter mit Punkt 3
3 Anschaffungskosten für den Firmenwagen (Schritt 1) ……… EUR
4 Sonderabschreibung: Anschaffungskosten x 20 % ……… EUR

Hinweis für Firmenwagen-Besitzer: Sie haben jedes Jahr von Neuem die Wahl ob Sie Ihren Firmenwagen mit der 1-Prozent-Methode oder mit einem Fahrtenbuch versteuern wollen. Lesen Sie hier, welche Methode welche Vorteile bietet

Wie schreibe ich einen Firmenwagen sinnvoll ab?

Für das Finanzamt ist der Firmenwagen das Prüfungsthema Nummer eins.

Das eBook Firmenwagen beantwortet Ihre Fragen rund um den Firmenwagen verständlich und praxisnah: Was sollte ich vor dem Kauf eines Firmenwagens beachten? Wo wird der Firmenwagen steuerlich zugeordnet? 

Häufige Fehler, die bei Abschreibungen von Firmenwagen gemacht werden

Steht Ihnen eine Betriebsprüfung ins Haus? Vermeiden Sie die folgenden Fehler und mindern Sie so das Risiko von Beanstandungen durch Steuerprüfer und eventuelle Steuernachzahlungen.

Zeitanteiligkeit falsch

Die Abschreibung wird nicht zeitanteilig ermittelt.

Fehlerhafte Sonderabschreibung
Einzelunternehmer ermitteln den Wert für die Privatnutzung des Firmenwagens nach der 1-%-Regelung. In diesem Fall wird automatisch von einem mindestens 30%igen Privatanteil an der Nutzung des Firmenwagens ausgegangen. So scheidet die Sonderabschreibung aus, denn die mindestens 90%ige betriebliche Nutzung ist ausgeschlossen.

Fehlerhafter Investitionsabzugsbetrag
Beim Investitionsabzugsbetrag gilt die 90-%-Regelung, genauso wie bei der Sonderabschreibung. Führen Sie kein Fahrtenbuch kann der Investitionsabzugsbetrag nicht angewendet werden. Die Konsequenzen sehen häufig so aus:

  • Der Steuerbescheid des Jahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag abgezogen wurde, muss geändert werden.
  • Keine Minderung der Anschaffungskosten für die Ermittlung der Abschreibung.

So sichern Sie sich die Sonderabschreibung und den Investitionskostenabzug: Sie weisen dem Finanzamt einwandfrei nach, dass die betriebliche Nutzung des Firmenwagens über 90 % liegt, wenn 

  • Sie ein Fahrtenbuch führen.
  • der Firmenwagen für einen Mitarbeiter gekauft ist.
  • der Firmenwagen von einer GmbH gekauft ist. 

Beispiele aus der Praxis

Standardfall mit Sonderabschreibung:

Herr Müller kauft im September einen neuen Kleintransporter für seine Schreinerei. Der Kaufpreis beträgt 30.000 Euro zzgl. 5.700 Euro Umsatzsteuer. Für Sonderausstattung zahlt er zusätzlich 2.000 Euro zzgl. 380 Euro Umsatzsteuer. Er ist zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt. Die Voraussetzungen für die Sonderabschreibung liegen vor.

Beschreibung
Beschreibung Betrag
Kaufpreis zzgl. Nebenkosten (Schritt 1) 32.000 Euro
Jahresabschreibung 5.333 Euro (32.000 Euro : 6 Jahre)
Zeitanteilige Abschreibung = Abschreibung im Erstjahr 1.778 Euro (5.333 Euro x 4/12)
20%ige Sonderabschreibung 6.400 Euro (32.000 Euro x 20 %)
Gesamte Abschreibung im Erstjahr 8.178 Euro

Wann die Umsatzsteuer zu den Anschaffungskosten zählt:

Frau Meier erwirbt im August einen neuen Pkw für 25.000 Euro zzgl. 4.750 Euro Umsatzsteuer. Sie ist nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt (Kleinunternehmerin oder Ausführung umsatzsteuerfreier Leistungen, die den Vorsteuerabzug ausschließen). Die Voraussetzungen für die Sonderabschreibung liegen nicht vor.

Beschreibung
Beschreibung Betrag
Kaufpreis (Schritt 1) 25.000 EUR
Umsatzsteuer, da nicht vorsteuerabzugsberechtigt 4.750 EUR
= Gesamte Anschaffungskosten 29.750 EUR
Jahresabschreibung 4.958 EUR (29.750 EUR : 6 Jahre)
Zeitanteilige Abschreibung = Abschreibung im Erstjahr 2.066 EUR (4.958 EUR x 5/12)

Kürzere Nutzungsdauer bei Abschreibung möglich

Bei der linearen Abschreibung wird für den Firmenwagen automatisch eine 6jährige Nutzungsdauer unterstellt. Das gilt jedoch nur für Neufahrzeuge und für Fahrzeuge, die in einem normalen Umfang genutzt werden. Eine kürzere Nutzungsdauer als sechs Jahre kommt danach in folgenden Situationen in Betracht:

  • Sie kaufen einen gebrauchten Firmenwagen. Die (Rest-) Nutzungsdauer ist je nach Alter und Zustand des Pkws zu schätzen.
  • Das Auto wird übermäßig beansprucht (z. B. mehr als 20.000 km durch lange Fahrtstrecken pro Jahr bei Taxis oder bei Vertretern und dadurch übermäßiger Verschleiß).
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