Die Kleinunternehmerregelung im Überblick

Die Kleinunternehmerregelung: Voraussetzungen, Auswirkungen, Pflichten
Aktualisiert am: 07.08.2018

Die Kleinunternehmerregelung ist eine umsatzsteuerliche Vereinfachungsregelung, die Unternehmern mit geringen Umsätzen gewährt wird. Ihr größter Vorteil ist sicher, dass Kleinunternehmer mit dieser Regelung keine Umsatzsteuer abführen müssen. Im Gegenzug haben sie dann natürlich auch keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug. In diesem Beitrag lesen Sie, welche Voraussetzungen Sie für die Kleinunternehmerregelung erfüllen müssen, welche Sonderregeln für Existenzgründer gelten und was Unternehmer bei Anwendung der Differenzbesteuerung zu beachten haben.

So wirkt sich die Kleinunternehmerregelung aus

Beantragen Sie beim Finanzamt die Anwendung der Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG, müssen Sie in Rechnungen an Kunden keine Umsatzsteuer mehr ausweisen. Sie werden also umsatzsteuerlich weitgehend wie ein Nichtunternehmer behandelt. Weiterer Vorteil: Das Finanzamt erwartet grundsätzlich keine Umsatzsteuervoranmeldungen von Ihnen. Im Gegenzug erstattet Ihnen das Finanzamt aus Eingangsrechnungen von anderen Unternehmen keine Vorsteuer. Die Abgabe einer Umsatzsteuerjahreserklärung erwartet das Finanzamt aber trotz Kleinunternehmerregelung. Denn schließlich möchte es überprüfen, ob Sie die Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung tatsächlich erfüllt haben.

Beispiel: Sie haben sich am 2. Januar als Friseurin selbstständig gemacht. Ihre Umsätze werden im ersten Jahr voraussichtlich zirka 15.000 EUR netto betragen. Durch verschiedene Investitionen erwarten Sie Ausgaben in Höhe von 5.000 EUR zzgl. 950 EUR Umsatzsteuer. Dieses Szenario würde sich wie folgt auswirken:

Anwendung Kleinunternehmerregelung Keine Kleinunternehmerregelung
Umsatzsteuer (15.000 EUR x 19 %) 0 EUR 2.850 EUR
abzgl. Vorsteuererstattung 0 EUR - 950 EUR
Umsatzsteuerzahllast 0 EUR 1.900 EUR

Fazit: In diesem Beispiel lohnt es sich, beim Finanzamt die Anwendung der Kleinunternehmerregelung zu beantragen. Sie sparen sich durch den formlosen Antrag immerhin eine Zahlung ans Finanzamt in Höhe von 1.900 EUR.

Praxis-Tipp: Ausnahme von der Befreiung zur Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung
Wie Sie bereits erfahren haben, verzichtet das Finanzamt bei einem Kleinunternehmer grundsätzlich auf die Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung. In folgender Situation sind aber selbst Kleinunternehmer zur Abgabe verpflichtet:

  • Sie erhalten eine Leistung von einem anderen Unternehmer, für die § 13b UStG zur Anwendung kommt (z.B. eine Rechnung von ebay). In diesem Fall müssen Sie selbst als Kleinunternehmer eine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einreichen und die Umsatzsteuer für diesen Unternehmer nach § 13b UStG ans Finanzamt abführen.

Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung

Außer bei einem Neustart als Unternehmer bzw. Existenzgründer können Sie sich beim Finanzamt umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer registrieren lassen, wenn Sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Der Vorjahresumsatz darf höchstens 17.500 EUR betragen haben.
  • Der geschätzte Umsatz im laufenden Jahr überschreitet 50.000 EUR nicht.  

Beispiel: Sie erzielten im Vorjahr einen Umsatz von 12.000 EUR und werden in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von 40.000 EUR verbuchen. Folge: In diesem Jahr profitieren Sie noch von der Kleinunternehmerregelung. Erst im nächsten Jahr müssen Sie Umsatzsteuer in Ihren Rechnungen ausweisen. Das gilt selbst dann, wenn Ihr Umsatz im nächsten Jahr voraussichtlich wieder unter 17.500 EUR liegen sollte.

Laufendes Jahr Folgejahr
Vorjahresumsatz 17.500-EUR-Grenze nicht überschritten 17.500-EUR-Grenze überschritten (40.000 EUR)
Umsatz laufendes Jahr 50.000-EUR-Grenze nicht überschritten 50.000-EUR-Grenze nicht überschritten
Kleinunternehmerregelung wieder anwendbar Ja, da beide Voraussetzungen erfüllt sind Nein, da eine Voraussetzung nicht erfüllt ist

Achtung: Das Finanzamt rechnet Ihre Umsatzschätzung immer auf das Gesamtjahr hoch. Wenn Sie sich also beispielsweise am 1.4. mit einem Kosmetikladen selbstständig gemacht haben und dem Finanzamt einen kalkulierten Umsatz von 15.000 EUR für das erste Jahr melden, rechnet das Finanzamt folgendermaßen: 15.000 EUR in 9 Monaten entspricht 20.000 EUR in 12 Monaten. Folge: Das Finanzamt verweigert Ihnen die Anwendung der Kleinunternehmerregelung.

Kombination von Kleinunternehmerregelung und Differenzbesteuerung auf dem Prüfstand

Nicht ganz klar ist, welcher Umsatz bei Anwendung der Differenzbesteuerung zur Ermittlung der 17.500-Euro-Grenze und zur 50.000-Euro-Grenze heranzuziehen ist. Das Finanzamt geht davon aus, dass der komplette Umsatz zu berücksichtigen ist. Doch es könnte auch angebracht sein, dass die Steuerspielregeln zur Differenzbesteuerung auch bei der Kleinunternehmerregelung zu beachten sind. Dann wird nur der Differenzbetrag zwischen An- und Verkaufspreis als Umsatz nach § 19 UStG herangezogen. Der Bundesfinanzhof hat zur Klärung dieser Streifrage den Europäischen Gerichtshof angerufen.

Praxis-Tipp: Ermitteln Sie Ihre Umsätze nach der Differenzbesteuerung und möchte das Finanzamt die Kleinunternehmerregelung rückwirkend versagen, helfen bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs nur ein Einspruch und ein Antrag auf Ruhen des Einspruchsverfahrens. Dann heißt es abwarten, wie die Richter des EuGH entscheiden.

Kleinunternehmerregelung: So ermitteln Sie den maßgeblichen Umsatz

Bei der Ermittlung des für die Kleinunternehmerregelung maßgeblichen Gesamtumsatzes gibt es einige Besonderheiten, die Sie beachten müssen. Je nachdem, ob Sie im vergangenen Jahr Umsatzsteuer ausgewiesen haben oder bereits Kleinunternehmer waren, ermitteln Sie den maßgeblichen Umsatz auf unterschiedliche Weise, wie die beiden folgenden Beispiele zeigen.

Bereits im Vorjahr Kleinunternehmer

Sämtliche innerhalb eines Jahres erzielte Einnahmen ... EUR
./. Einnahmen aus dem Verkauf oder aus der Privatentnahme
von Gegenständen des Anlagevermögens
... EUR
./. Umsätze, die nach § 4 Nr. 8i, Nr. 9b und Nr. 11-28 UStG
steuerfrei sind
... EUR
./. Hilfsumsätze, die nach § 4 Nr. 8a-h, Nr. 9a und
Nr. 10 UStG steuerfrei sind
... EUR
= Gesamtumsatz ... EUR

Tipp: Waren Sie bereits im Vorjahr Kleinunternehmer oder ermitteln Sie den Umsatz im Jahr der Existenzgründung, sind bei Ermittlung des Gesamtumsatzes die für die Privatnutzung ermittelten Gewinnerhöhungen nicht zu berücksichtigen (BFH, Urteil v. 15.9.2011, Az. VR 12/11).

Beispiel: Sie waren im vergangenen Jahr bereits Kleinunternehmer. Ihr Umsatz betrug im Vorjahr 24.000 EUR. In diesem Umsatz steckten jedoch der Verkaufserlös für einen Firmenwagen in Höhe von 4.000 EUR und der Korrekturbetrag für die private Pkw-Nutzung in Höhe von 3.500 EUR. Folge: Sie profitieren auch im laufenden Jahr von der Kleinunternehmerregelung, weil der Vorjahresumsatz nach Abzug dieser Einnahmen nur bei 16.500 EUR lag.

Im Vorjahr noch kein Kleinunternehmer

Sämtliche innerhalb eines Jahres erzielte Einnahmen
inklusive Umsatzsteuer
... EUR
+ Korrekturbetrag für private Nutzung oder
Nutzungsentnahme von Gegenständen
... EUR
./. Einnahmen aus dem Verkauf oder aus der Privatentnahme
von Gegenständen des Anlagevermögens
... EUR
./. Umsätze, die nach § 4 Nr. 8i, Nr. 9b und
Nr. 11-28 UStG steuerfrei sind
... EUR
./. Hilfsumsätze, die nach § 4 Nr. 8a-h, Nr. 9a und
Nr. 10 UStG steuerfrei sind
... EUR
= Gesamtumsatz ... EUR

Beispiel: Sie waren im vergangenen Jahr noch nicht Kleinunternehmer, wollen aber dieses Jahr von der Kleinunternehmerregelung profitieren. Die Umsatzerlöse betrugen im Vorjahr 15.000 EUR zzgl. 2.850 EUR Umsatzsteuer. In den Umsätzen steckte auch ein Korrekturbetrag für die private Pkw-Nutzung in Höhe von 2.000 EUR. Folge: In diesem Jahr können Sie die Kleinunternehmerregelung leider nicht anwenden. Denn der maßgebliche Gesamtumsatz im Vorjahr betrug 19.850 EUR und lag damit über der 17.500-EUR-Grenze.

Vorteile durch die Kleinunternehmerregelung

Die Vorteile bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung liegen auf der Hand: Sie können unbürokratisch Rechnungen stellen und müssen keine Umsatzsteuer abführen. Besteht Ihr Kundenkreis vor allem aus Privatkunden, die keinen Vorsteuerabzug geltend machen können, können Sie Ihre Leistungen also günstiger anbieten als Konkurrenzunternehmen, die Umsatzsteuer ausweisen müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Finanzamt bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung während des Jahres grundsätzlich keine Umsatzsteuervoranmeldungen erwartet (Ausnahme siehe oben im Praxis-Tipp). Das spart Kleinunternehmern viel Zeit.

Tipp: Eine Umsatzsteuerjahreserklärung müssen auch Kleinunternehmer ans Finanzamt übermitteln. Hier prüft das Finanzamt, ob die Voraussetzungen für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung erfüllt sind.

Nachteile durch die Kleinunternehmerregelung

Der einzige Nachteil bei der Kleinunternehmerregelung ist, dass der Unternehmer aus Eingangsrechnungen von anderen Unternehmern keinen Vorsteuerabzug geltend machen kann. Deshalb sollten Sie unbedingt eine Vergleichsrechnung anstellen, bevor Sie die Kleinunternehmerregelung beantragen. Wenn sich dabei herausstellt, dass die Vorsteuererstattung (aus Ihren Eingangsrechnungen) voraussichtlich höher ausfällt als die Umsatzsteuer (aus Ihren Ausgangsrechnungen), sollten Sie die Kleinunternehmerregelung nicht beantragen. Dies ist vor allem dann häufig der Fall, wenn Sie – beispielsweise als Existenzgründer – größere Investitionen tätigen.

Verzicht auf Kleinunternehmerregelung 5 Jahre bindend

Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung und beantragen diese beim Finanzamt nicht (oder verzichten Sie auf die bisher in Anspruch genommene Kleinunternehmerregelung), gilt das als freiwilliger Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung. Die Folge ist, dass Sie 5 Jahre an diesen Verzicht gebunden sind. Sie können also frühestens nach 5 Jahren wieder einen Antrag auf Anwendung der Kleinunternehmerregelung stellen.

Tipp: Die 5-Jahresbindung greift nur bei einem freiwilligen Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung. Müssen Sie wegen Überschreitung der Höchstgrenzen zur Regelversteuerung wechseln, können Sie die Anwendung der Kleinunternehmerregelung bei Erfüllung aller Voraussetzungen bereits im Folgejahr wieder wählen.  

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