Lieferantenkredit

Beim Lieferantenkredit (alternativ Lieferkredit oder Liefererkredit) gewährt dir der Verkäufer einen Kauf auf Rechnung, die du später begleichen kannst. Als Käufer hast du damit aufgrund des längeren Zahlungsziels einen finanziellen Vorteil beim Einkauf von Waren oder Dienstleistungen. Lieferanten können diese Kreditform auf der anderen Seite zur Kundenbindung nutzen. Wir erklären in diesem Beitrag, was ein Lieferantenkredit ist, wann er für dich sinnvoll ist und welche Alternativen es gibt.

Zuletzt aktualisiert am 25.02.2025

Zusammenfassung

Lieferantenkredit im Überblick

  • Bei einem Lieferantenkredit gewährt ein Lieferant einem Käufer Zahlungsaufschub oder ein längerfristiges Zahlungsziel (z. B. 30 Tage).
  • Ein Lieferantenkredit ist nur unbar möglich.
  • Lieferanten sichern sich über den sogenannten Eigentumsvorbehalt ab. Das heißt, das Eigentum geht erst mit vollständiger Zahlung an dich als Käufer über.
  • Bei einem Lieferantenkredit erhältst du als Käufer bei vorzeitiger Zahlung häufig einen Skonto von üblicherweise 2-3 %.
  • Der Lieferantenkredit erfordert keine Bonitätsprüfung und schont die Liquidität, ist aber mit einer hohen Effektivverzinsung verbunden.
  • Übliche Alternativen zum Lieferantenkredit sind ein Kontokorrentkredit oder eine Ratenzahlung

Definition

Lieferantenkredit einfach erklärt

Der Lieferantenkredit wird auch Handelskredit und Warenkredit genannt. Bei diesem gewährt ein Lieferant (Kreditor) dir als Kunde (Debitor) einen Zahlungsaufschub oder ein längerfristiges Zahlungsziel

Die gelieferte Ware muss also nicht sofort, sondern innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens bezahlt werden. Dieser Zeitraum beträgt in Deutschland üblicherweise 14 bis 30 Tage, wird aber letztlich individuell vom Lieferanten festgelegt. So kann die Laufzeit eines Lieferantenkredits zum Beispiel auch bei über 30 Tagen liegen. Als Käufer kannst du dadurch finanzielle Engpässe überbrücken und deine Liquidität schonen. 

Keine Barzahlung beim Lieferantenkredit möglich

Eines der wichtigsten Merkmale des Lieferantenkredits: Er ist nur unbar möglich! Willst du Waren oder Dienstleistungen bar bezahlen, kannst du also keinen Lieferantenkredit in Anspruch nehmen.

So sichern sich Lieferanten ab

Anders als ein Bankkredit bietet dir ein Lieferantendarlehen folgende Vorteile: 

  • Du musst keinen Antrag stellen.
  • Bürokratische Hürden wie SCHUFA-Auskunft und weitere Bonitätsprüfungen entfallen.
  • Kennt der Lieferant dich, musst du auch keine Sicherheiten nachweisen

Die Sicherheit beim Lieferantenkredit läuft stattdessen über den sogenannten Eigentumsvorbehalt ab. Das Eigentum geht also erst mit vollständiger Zahlung des Kaufpreises an dich über. 

Du kannst dir das ähnlich wie bei einer Autofinanzierung vorstellen. Erst wenn du den vollen Kaufpreis für das Auto bezahlt hast, gehört es auch wirklich dir. Bis dahin ist es Eigentum des Autohauses. Wenn du deine Raten nicht mehr bezahlen kannst, kann das Autohaus dein Fahrzeug einfach einziehen. 

Genauso läuft das auch beim Lieferantenkredit ab. Kannst du die Waren nach der Frist nicht bezahlen, kann der Lieferant diese zurückfordern. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Waren bereits verkauft oder weiterverarbeitet wurden. Lieferanten gehen dadurch immer ein gewisses Ausfallrisiko ein. Bei vielen Dienstleistungen ist ein Eigentumsvorbehalt auch nicht möglich.

Achtung

Kein Lieferantenkredit bei Erstbestellungen

Ein Lieferantenkredit wird meist nur Kunden gewährt, die für Lieferanten vertrauenswürdig sind. Bei einer neuen Geschäftsbeziehung musst du die erste Bestellung deshalb üblicherweise sofort bezahlen.

Wie funktioniert ein Lieferantenkredit?

Die Frage, was ein Liefererdarlehen ist, lässt sich am besten mit der Funktionsweise und den Abläufen erklären. Die Gewährung eines Lieferantenkredits ist recht unkompliziert. Kunden erhalten die Ware zum vereinbarten Liefertermin und dürfen diese weiterverkaufen oder zu einem Endprodukt verarbeiten. Die Lieferanten geben bei der Rechnung wiederum eine Zahlungsfrist vor – zum Beispiel 30 Tage – oder vereinbaren die Bedingungen separat mit ihren Kunden. 

Zahlen Kunden die Rechnung vor Ablauf der Zahlungsfrist, darf, sobald das vertraglich vereinbart ist, ein Skonto vom Lieferantenkredit abgezogen werden. Dieser beträgt häufig  2-3 %, kann aber auch höher oder niedriger ausfallen. Die genauen Konditionen vereinbaren Lieferanten und Kunden jedoch individuell miteinander. Nach Ablauf der Frist müssen Kunden den vollen Betrag begleichen.

Die Dauer des Lieferantenkredits

Die Dauer eines Lieferantenkredits unterscheidet zwischen zwei Arten:

  • Kurzfristiger Lieferantenkredit
  • Langfristiger Lieferantenkredit

Kurzfristige Lieferantenkredite sind am gängigsten und bieten eine Zahlungsfrist von bis zu 30 Tagen. Diese kürzere Frist ist beliebt, da Lieferanten oft selbst laufende Kosten decken müssen und nicht zu lange auf Zahlungen warten können. 

Langfristige Lieferantenkredite hingegen haben eine Frist von 30 Tagen ohne eine feste Obergrenze. Sie werden meist Stammkunden mit einem langjährigen, vertrauensvollen Verhältnis angeboten, da Lieferanten hier eher bereit sind, längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Dabei gelten jedoch die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

Lieferantenkredit: Vor- und Nachteile

Als Unternehmer solltest du dir immer gut überlegen, ob sich der Lieferantenkredit für dich lohnt. Gerade die hohe Effektivverzinsung kann sonst schnell teuer werden. Denn diese beträgt nach Ablauf der Skontofrist teilweise mehr als 30 Prozent.

Achtung

Achte auf versteckte Zinssätze

Häufig sind hohe Zinssätze bei Lieferantendarlehen auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Viele glauben, dass sie einen zinslosen Kredit erhalten haben, obwohl dies nicht der Fall ist. Denn ein guter Unternehmer bzw. Lieferant berechnet die spätere Zahlung in seiner Kalkulation. Dadurch merkst du auch leider erst zu spät, dass du mit einem Bankkredit unter Umständen günstiger gefahren wärst. Deshalb solltest du dir immer alles ganz genau durchlesen, bevor du einen Lieferantenkredit verbindlich abschließt.

Auf der anderen Seite ist der Lieferantenkredit eine einfache Möglichkeit, dringend benötigte Ware zu erhalten, ohne Verpflichtungen gegenüber Dritten einzugehen.

Übersicht der Vor- und Nachteile

Wir haben dir die Vorteile und Nachteile von Skonto in einer praktischen Übersicht zusammengefasst. So kannst du abwägen, welche Faktoren für dich die größte Rolle spielen: 

<b>Vorteile</b>
VorteileNachteile
  • Längeres Zahlungsziel
  • Keine Kreditbelastung wie bei der Bank
  • Finanzielle Sicherheit in der Planung
  • Keine Bonitätsprüfung
  • Formlos und schnell umgesetzt
  • Häufig Skonto bei frühzeitiger Zahlung
  • Keine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Dritten (z. B. Bank)
  • Schont deine Liquidität
  • Meist hoher Effektivzins und damit unter Umständen sehr teuer
  • Abhängigkeit von Lieferanten
  • Lieferant hat Eigentumsvorbehalt, d. h. die Ware gehört dir erst nach vollständiger Zahlung
  • Steigerung der effektiven Jahreszinsen (durch Nicht-Einhalten der Skontofrist durch Käufer)
  • Bringt gewisses Ausfallrisiko für Lieferanten mit sich

Alternativen zum Lieferantenkredit

Kommt ein Lieferantenkredit für dich nicht infrage, gibt es daneben auch noch den Ratenkredit oder den Kontokorrentkredit. Sie unterscheiden sich in erster Linie bei der Verzinsung

Während du den Rechnungsbetrag beim Ratenkredit in (meist monatlichen) Raten bezahlst, ist der Kontokorrent nichts anderes als das Überziehen deines Bankkontos bis zu einer mit der Bank vereinbarten Kreditlinie. Der Kontokorrentkredit läuft über das Girokonto und kann dort jederzeit eingesehen oder zurückgezahlt werden.

Als Alternative zum Lieferantenkredit ist der Kontokorrentkredit zwar aufwändiger und erfordert eine Bonitätsprüfung durch deine Bank. Durch die Verwendung der Bankkreditlinie kannst du allerdings den Skonto nutzen und hast keine Lieferantenabhängigkeit. Allerdings fallen hohen Zinsen an, oft deutlich über 10 %.

Gute Bonität für Kontokorrentkredite nötig

Die Inanspruchnahme eines Kontokorrentkredits läuft über das Kreditinstitut deines Geschäftskontos und setzt jedoch eine gute Bonität voraus. Dafür werden Sicherheiten, Einkommensnachweise oder eine SCHUFA-Auskunft benötigt. Kannst du diese nicht liefern, ist ein Kontokorrentkredit nicht möglich.

Wann ist ein Lieferantenkredit sinnvoll?

Für dich als Käufer ist ein Lieferantenkredit vor allem dann sinnvoll, wenn du Ware dringend benötigst, diese aber nicht direkt bezahlen kannst oder willst. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Bank aufgrund von mangelnder Kreditwürdigkeit kein Geld verleihen will oder einige eigene Kunden nicht pünktlich zahlen. Der Lieferantenkredit ist in diesen Fällen häufig die einzige Alternative für die Finanzierung.  Auch wenn ein Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten steckt, kann der Lieferantenkredit sinnvoll sein.

Allerdings setzt sie ein gewisses Vertrauen zwischen Lieferant und Käufer voraus. Den Zahlungsaufschub durch das Lieferantendarlehen kannst du dann nutzen, um durch den Warenverkauf Einnahmen zu erzielen, mit denen du dann die Rechnung bezahlst. 

Aber auch bei einer guten Bonität kann der Lieferantenkredit die bessere Option sein. Denn dadurch musst du keine Verpflichtungen gegenüber Dritten eingehen und kannst zum Beispiel einen teureren Kontokorrentkredit vermeiden.

Auch für Lieferanten bringt der Lieferantenkredit Vorteile. Zum Beispiel können sie ihn zur gezielten Kundenbindung nutzen, da sie dadurch den Vorzug gegenüber anderen Lieferanten erhalten, die kein längeres Zahlungsziel einräumen. 

Kosten für den Lieferantenkredit berechnen

Die Kosten für einen Lieferantenkredit kannst du mit dem Skonto und der Skontofrist bestimmen. Um die Kreditkosten zu berechnen, ermittelst du die Differenz zwischen dem vollen Zahlungsbetrag und dem Zahlungsbetrag mit abgezogenem Skonto. Allerdings lassen sich die Zinsen nicht direkt vom Skontosatz ableiten, sondern fallen deutlich höher aus. Den Jahreszinssatz berechnest du für den Lieferantenkredit mit folgender Formel

(Skontosatz x 360) / (Zahlungsziel – Skontofrist) = Jahreszinssatz

Info

Lieferantenkredit – Kosten an einem Beispiel berechnet

Beispiel: Ein Unternehmen bestellt Waren im Wert von 10.000 Euro mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen und 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen: 

(2 % x 360) / (30 – 10) = 36 % 

Zahlung innerhalb der Skontofrist: 10.000 Euro – (2 % von 10.000 Euro) =  9.800 Euro 

Die Differenz von 200 Euro stellt hier die Kosten dar, die du zahlen musst, wenn du kein Skonto ziehst. Begleichst du die Kosten erst nach einem Monat, beträgt der Preis demnach 10.000 Euro. 

Ob der Lieferantenkredit besser als ein Kontokorrentkredit ist, solltest du deshalb immer gut überlegen, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

Lieferantenkredit vs. Kontokorrentkredit – Ein Beispiel

Wie du den Lieferantenkredit und Kontokorrentkredit miteinander vergleichen kannst, wollen wir dir anhand dieses Beispiels zeigen.

<b>Lieferantenkredit</b>
LieferantenkreditKontokorrentkredit
Rechnungsbetrag: 30.000 Euro; Zahlungsziel: 30 Tage; Skonto bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen: 3 %; Ersparnis durch Skonto: 900 Euro; Gesamtkosten: 29.100 Euro Kreditlinie: 30.000 Euro; Laufzeit: 14 Tage; Sollzins: 9,8 %; Zinskosten: 114,34 Euro; Gesamtkosten: 30.114,34 Euro

An diesem Beispiel siehst du, dass in diesem Fall der Lieferantenkredit für dich wirtschaftlicher als ein Kontokorrentkredit ist. 

Lieferantenkredit in der Bilanz korrekt ausweisen

Damit du rechtlich auf der sicheren Seite bist, musst du laut dem Handelsgesetzbuch (HGB) einen Lieferantenkredit sowohl als Käufer als auch als Lieferant in der Buchführung richtig ausweisen: 

  • Lieferanten (Kreditoren) müssen den Rechnungsbetrag als „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ eintragen. Dabei gilt der Nennwert der Forderung, da sie noch nicht wissen, ob die Kunden den Preisnachlass in Form des Skontos in Anspruch nehmen.
  • Abnehmer der Ware (Debitoren) verbuchen den Lieferantenkredit als „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen". Die Summe zählt dabei als Fremdkapital, da der Betrag noch nicht bezahlt wurde. Somit muss er auf der rechten (aktiven) Seite der Bilanz stehen.