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Bonität: Wie beeinflusse ich meine Bonitätsauskunft positiv?

So optimieren Sie Ihre Bonitätsauskunft
Von Reinhard Bleiber
Aktualisiert am: 07.08.2015

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das gilt vor allem bei der Zahlungsfähigkeit von Geschäftspartnern. Hier hilft eine Bonitätsauskunft weiter, die Sie bei neuen Partnern nutzen sollten. Umgekehrt werden sich neue Geschäftspartner auf diesem Weg auch über Ihre Finanzsituation erkundigen. Wie Sie dafür sorgen können, dass die Bonität Ihrer Firma so gut wie möglich aussieht, erfahren Sie hier.

Wer seine eigene Bonitätsauskunft positiv beeinflussen will, muss sie zunächst einmal kennen. Unternehmen können eine Eigenauskunft über ihre Bonität bei der Schufa oder bei anderen Auskunfteien anfordern. Diese gibt eine Übersicht über die bei der jeweiligen Auskunftei gespeicherten Daten und deren Interpretation (zum Beispiel in Abhängigkeit von Branchen, Vergleichsgruppen oder -szenarien etc.). Denn die Bonitätsauskunft funktioniert nach dem Prinzip, dass vorliegende Daten miteinander in Verbindung gebracht werden, anhand von Kennzahlen zusammengefasst und anschließend mit Referenzdaten (z.B. Branchendurchschnitte etc.) verglichen werden. Daraus ergibt sich ein Score oder Index, der bei jeder Auskunftei individuell zu interpretieren ist, und der Ihre Bonität bewertet. Darum gehört zur Eigenauskunft auch immer eine Beschreibung der Schlüssel. Wie der Schlüssel genau errechnet wird, ist jedoch meist nicht ersichtlich. Hier können nur Gespräche mit den Repräsentanten der Auskunfteien vor Ort Sicherheit geben. Die Eigenauskunft ist nicht kostenlos: So bietet die Schufa eine Eigenauskunft für derzeit 18,50 EUR an.

Die Bonitätsauskunft über Unternehmen erteilen Auskunfteien. Über Privatpersonen gibt die Schufa berechtigten Interessenten Auskunft. Der Unterschied: Bei der Schufa werden alle für die Bonitätsauskunft wichtigen Fakten von Banken und anderen Kreditgebern automatisch gesammelt. Auskunfteien wie Creditform oder Bürgel werden erst aktiv, wenn eine Anfrage kommt. Sie verwenden dann öffentlich zugängliche Quellen (z. B. Schuldnerverzeichnis der Amtsgerichte) und Daten, die vom Unternehmen in einer Selbstauskunft gegeben werden.

Die Adressen der wichtigsten Auskunfteien:

SCHUFA Holding AG, Kormoranweg 5, 65201 WiesbadenTel.: 0611 9278-0, Fax: 0611 9278-109, Internet: www.schufa.de

Verband der Vereine Creditreform e.V., Hellersbergstraße 12, 41460 NeussTel: 02131 109-0, Fax: 02131 109-8000, Internet: www.creditreform.de

Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Gasstraße 18, 22761 HamburgTel.: 040 89 80 3-0, Fax-Pool: 040 89 80 3-777/778, Internet: www.buergel.de

Fehler verbessern in der Bonitätsauskunft

Auch die Einträge bei der Schufa können falsch sein. Offensichtliche Fehler müssen Sie der Auskunftei mitteilen und beweisen. Unterschiedliche Auffassungen über die zeitliche Wirkung von Zahlungsproblemen aus der Vergangenheit werden meist zu Ungunsten der untersuchten Unternehmen entschieden. Daher lohnt sich ein persönliches Gespräch eher als die Drohung mit dem Anwalt. Das ist immer die letzte Möglichkeit, wenn die Auskunftei gar nicht reagiert.

Gerade bei Unternehmensauskünften fehlen oftmals Informationen und dadurch entstehen falsche Interpretationen. Korrigieren Sie diese. So werden Geschäftsräume als gemietet angenommen, obwohl sie Eigentum des Unternehmers sind. Oder der Wert des Warenlagers wird unterschätzt. Schon der Hinweis auf das Geschäftshaus im Eigentum der Ehefrau des Unternehmers kann die Bonität verbessern.

Liefern Sie eigene Daten für Ihre Bonität

Jedes Unternehmen ändert sich im Laufe der Zeit. Auskunfteien aktualisieren den Informationsstand und damit auch die Bonitätsauskunft immer wieder. Sie nutzen dabei meist externe Daten. Viel besser sind jedoch Selbstauskünfte. Das Unternehmen und der Unternehmer erhalten bei der Übergabe der Daten an die Auskunftei die Chance, diese zu erklären. Positive Entwicklungen können so schnell in die Bonitätsauskunft einfließen. Negative Entwicklungen können begründet werden. Auch die Auskunfteien haben ein Interesse daran, realistische Einschätzungen über ihre Bonität weiterzugeben.

Ein regelmäßiger Kontakt mit der Auskunftei bei der Übergabe der aktuellen Geschäftsdaten gibt Ihnen auch die Chance, negative externe Informationen aufzuspüren und zu besprechen und ggf. zu berichtigen. Geben Sie neue Daten an Auskunfteien

  • wenn der Jahresabschluss fertiggestellt wurde.
  • wenn sich in den Eigentumsverhältnissen des Unternehmens etwas verändert.
  • wenn sich die Vermögensverhältnisse von Unternehmen und/oder Unternehmern maßgeblich verändern.

Es ist üblich und sinnvoll, dass Lieferanten das Zahlungsausfallrisiko ihrer Kunden versichern. Damit die Kreditversicherer das Risiko richtig einschätzen können, erstellen auch sie eine eigene Bonitätsauskunft über die Schuldner ihrer Versicherungsnehmer. Es ist also kein Grund zur Sorge und kein Anlass, sich beleidigt zu fühlen, wenn auch ein Versicherer Sie um Informationen zu Ihrem Unternehmen bittet. Diese Chance zur Beeinflussung der Bonitätsauskunft sollten Sie nutzen. Die Bereitschaft zur offenen Information erhöht die Chance auf eine gute Beurteilung.

Achtung: Es ist nicht möglich, eine negative finanzielle Situation allein durch Informationen in der Auskunft besser erscheinen zu lassen als sie ist. Wenn Ihr Unternehmen bereits mehrfach Liquiditätsprobleme gehabt hat und keine Sicherheiten verfügbar sind, werden Sie keine positive Auskunft erhalten. Sie können nur dafür sorgen, dass alle positiven Fakten zur Beurteilung auch vorliegen. Die Informationen müssen korrekt sein.

Im Sinne der Bonitätsauskunft handeln

Bei Ihren täglichen Entscheidungen sollten Sie immer auch die Außenwirkung mit Blick auf die Bonitätsauskunft berücksichtigen. So handeln Sie richtig:

  • Vermeiden Sie, Rechnungen versehentlich nicht oder zu spät zu zahlen:Nehmen Sie am Lastschriftverfahren teil.Für wiederkehrende Zahlungen wie Miete oder Kreditraten können Sie Daueraufträge einrichten.Stellen Sie sicher, dass die entsprechenden Konten ausreichendes Guthaben aufweisen, wenn Lastschriften eingelöst oder Daueraufträge ausgeführt werden sollen.
  • Belassen Sie im Unternehmen geschaffenes Vermögen dort (Eigenkapital). Damit kann es direkt als positiver Faktor in die Bonitätsauskunft einfließen.

Eine gute Auskunft über Ihre Bonität zu erhalten, wenn ausreichend Liquidität vorhanden ist, ist einfach. Wenn es zu Zahlungsproblemen kommt, müssen Sie geplant reagieren, um die Bonitätsauskunft so gering wie möglich zu belasten:

  • Bedienen Sie die Gläubiger nach Prioritäten. Banken haben den größten Einfluss auf die zukünftige Beurteilung der Bonität. Daher sind sie zuerst zu bedienen. Dann folgen Leasinggeber, dann Lieferanten.
  • Bezahlen Sie Lieferanten für dringend benötigtes Material bevorzugt, wenn sonst ein Lieferstopp droht.
  • Offene Gespräche mit den wichtigsten Lieferanten können zu einem Zahlungsaufschub führen. Sie können z. B. Ratenzahlungen vereinbaren, ohne dass Schufa, Auskunfteien und Kreditversicherer von Liquiditätsproblemen erfahren.
  • Halten Sie getroffene Vereinbarungen unbedingt ein.

Die Bonitätsauskunft über ein kleines Unternehmen schließt auch die persönliche finanzielle Situation der Repräsentanten ein, d. h. der Inhaber, Gesellschafter und Geschäftsführer. Daher sind auch die gespeicherten Daten über die private Finanzlage z. B. bei der Schufa wichtig. Beschränken Sie die Pflege der Daten zu ihrer Bonität also nicht nur auf das Unternehmen.

 

Beispiel aus der Praxis

Der Gas- und Wasserinstallateurmeister M. aus Frankfurt/Oder führte seinen kleinen Handwerksbetrieb seit Jahren. Kunden waren in der Regel private Bauherren, für die der Handwerksmeister Ein- oder Zweifamilienhäuser mit Heizungen und Bädern ausstattete. Anfang 2012 war es ihm gelungen, einen Auftrag für die Renovierung des Krankenhauses einer polnischen Stadt zu erhalten. Er bestellte die notwendigen Heizkörper und Sanitärprodukte jetzt direkt beim Hersteller, nicht mehr beim Großhändler.

Überrascht war er, als ihm die Außendienstmitarbeiter sowohl des Herstellers der Heizkörper als auch der Sanitärkeramiken eine schlechte Nachricht überbrachten. Beide waren unabhängig voneinander nicht bereit, den Auftrag ohne Vorkasse abzuwickeln. Auf Nachfrage wurde auch der Grund genannt: die Kreditversicherung hatte es abgelehnt, die Forderungen gegen M. zu versichern.

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Der Grund: Durch den großen Auftrag war das Bestellvolumen des kleinen Handwerksbetriebs plötzlich in die Höhe geschossen. Für die notwendige Einschätzung des Risikos fehlten dem Versicherer die Informationen. M. hatte die regelmäßigen Anfragen des Versicherers nach Unternehmensdaten einfach ignoriert. Nach einem Gespräch mit dem Repräsentanten der Kreditversicherung konnte das Problem gelöst werden. M. reichte die positiven Unternehmensabschlüsse der letzten 2 Jahre ein und klärte auf, dass das belastungsfreie Wohnhaus ihm allein gehörte und damit in der Haftungsmasse des Einzelkaufmanns enthalten war. Die Versicherung kannte jetzt alle Fakten und bewertete das Risiko neu. Der Versicherungsschutz wurde gewährt. Glücklicherweise hatte die zeitliche Verzögerung der Lieferungen keinen Einfluss auf die Erledigung des Auftrags. Um sich in Zukunft weitere Überraschungen zu sparen, wird M. Anfragen von Auskunfteien oder Versicherer besser lesen und berechtigte Informationswünsche erfüllen.


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