Gezeichnetes Kapital

Das gezeichnete Kapital ist das in der Satzung bzw. im Gesellschaftsvertrag festgelegte Kapital einer Kapitalgesellschaft, das von den Gesellschaftern eingebracht wird. Es bildet die finanzielle Basis der Gesellschaft und dient als Haftungskapital: Die Gesellschafter haften grundsätzlich nur in Höhe ihrer Einlage - ihr Privatvermögen bleibt geschützt.

Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026

Zusammenfassung

Gezeichnetes Kapital im Überblick

  • Gezeichnetes Kapital ist das von den Gesellschaftern in eine Kapitalgesellschaft eingebrachte Kapital. Es begrenzt ihre Haftung für Unternehmensschulden auf die Höhe ihrer Einlage, sodass das private Vermögen der Gesellschafter grundsätzlich geschützt bleibt.
  • Der Begriff findet nur bei Kapitalgesellschaften Anwendung.
  • Das gezeichnete Kapital zählt grundsätzlich zum Eigenkapital.
  • Bei einer GmbH und UG (haftungsbeschränkt) besteht das gezeichnete Kapital aus dem Stammkapital bzw. bei AG und KGaA aus dem Grundkapital.

Definition

Was versteht man unter gezeichnetem Kapital?

Das gezeichnete Kapital ist bei Kapitalgesellschaften das Haftungskapital. Es beschränkt die Haftung der Gesellschafter für bestehende Verbindlichkeiten auf die Höhe ihrer Einlagen. Gesellschafter haften in Kapitalgesellschaften also nicht mit ihrem Privatvermögen für die Schulden des Unternehmens. Laut HGB ist das gezeichnete Kapital mit dem sogenannten Nennwert anzusetzen. Synonym verwendete Begriffe für den Nennwert sind Nennbetrag oder auch Nominalwert.

Grundsätzlich zählt das gezeichnete Kapital zum Eigenkapital, das der Kapitalgesellschaft ohne Rückzahlungsverpflichtung und unbefristet zur Verfügung steht. Eine persönliche Mitarbeit der Gesellschafter ist bei einer Kapitalgesellschaft nicht notwendig, eine Beteiligung ohne Kapital wiederum nicht möglich.

Infografik von Lexware zur Darstellung vom gezeichneten Kapital

Info

Bezeichnung „gezeichnetes Kapital“ nur bei Kapitalgesellschaften

Der Rechtsbegriff des gezeichneten Kapitals ist ausschließlich auf Kapitalgesellschaften anwendbar, also auf die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die Aktiengesellschaft (AG), die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) und auf die Unternehmergesellschaft (UG). Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften besitzen Personengesellschaften und Einzelkaufleute kein gezeichnetes Kapital. Anstelle des Bilanzpostens „gezeichnetes Kapital“ müssen sie laut Handelsgesetzbuch (HGB) die Kapitaleinlage der persönlich haftenden Gesellschafter ausweisen.

Abgrenzung zur Personengesellschaft

Bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) handelt es sich um eine Personengesellschaft und nicht um eine Kapitalgesellschaft. Weil das gezeichnete Kapital lediglich für Kapitalgesellschaften gilt, muss bei Gründung einer Personengesellschaft kein Mindestkapital als Haftkapital hinterlegt werden. Die Gründer haften hier etwa im Falle einer Insolvenz mit ihrem Privatvermögen.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenkapital und Fremdkapital?

Eigenkapital bezeichnet den Teil des Kapitals, der sich aus eigenen Finanzmitteln zusammensetzt. Hierzu gehören z. B. die Geldmittel, die durch den Verkauf von Anteilen an Kapitalgeber eingebrachten wurden. Zudem umfasst das Eigenkapital Rücklagen sowie Gewinn- oder Verlustvor- bzw. -rückträge.

Das Fremdkapital umfasst alle Mittel, die dem Unternehmen von Dritten zur Verfügung gestellt werden. Dazu zählen zum Beispiel Rückstellungen, Bankdarlehen und weitere Verbindlichkeiten wie Lieferantenverbindlichkeiten, die erst später bezahlt werden müssen.

Fremdkapital und Eigenkapital bilden zusammen das Gesamtkapital
 

Was ist gezeichnetes Kapital in der Bilanz einer GmbH?

Die GmbH ist in Deutschland die am häufigsten gewählte Kapitalgesellschaftsform. Gründungsgesellschafter einer GmbH können sowohl natürliche als auch juristische Personen sein. 

Für die Gründung einer GmbH ist ein notarieller Gesellschaftsvertrag mit Satzung erforderlich. Dieser muss laut GmbH-Gesetz (GmbHG) folgendes beinhalten: 

  • Firma
  • Firmensitz
  • Gegenstand des Unternehmens
  • Höhe des Stammkapitals
  • Höhe der Stammeinlage je Gesellschafter 

Außerdem ist es verpflichtend, dass mindestens ein Geschäftsführer bei der Gründungsversammlung bestellt wird.  

Bei einer GmbH sowie bei einer AG und UG ist das gezeichnete Kapital das Stammkapital, mit dem die Gesellschafter eben auch haften. Dieses wird von ihnen bei der Unternehmensgründung hinterlegt. 

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Wie hoch ist die Stammeinlage bei einer GmbH?

Die Stammeinlagen der Gesellschafter können unterschiedlich ausfallen. Die Mindesteinlage beträgt laut GmbH Gesetz allerdings 25.000 Euro. Bei der Gründung muss mindestens die Hälfte dieser Summe als Einlage nachgewiesen werden, also 12.500 Euro. Nur wenn dieser Nachweis erbracht wird, erfolgt der Eintrag ins Handelsregister und das Unternehmen darf seine Geschäftstätigkeit als GmbH aufnehmen.

Beispiel: Berechnung des gezeichneten Kapitals bei einer GmbH

Drei Gesellschafter gründen eine PR-Agentur als GmbH. Damit der Notar den Eintrag ins Handelsregister beglaubigen kann, müssen sie nachweisen, dass alle drei ihre Stammanteile hinterlegt haben. Im Gesellschaftsvertrag lautet die Aufteilung zwischen den dreien wie folgt: 

  • Gesellschafter 1: 50 Prozent der Stammanteile
  • Gesellschafter 2: 30 Prozent der Stammanteile
  • Gesellschafter 3: 20 Prozent der Stammanteile

Gesellschafter 1 muss also 6.250 Euro als Stammeinlage hinterlegen, Gesellschafter 2 3.750 Euro und Gesellschafter 3  2.500 Euro, damit insgesamt 12.500 Euro in Summe erreicht werden. 
Nach Eintrag ins Handelsregister muss das Stammkapital auf die Mindeststammeinlage von 25.000 Euro erhöht werden. Dabei gilt ebenfalls die anteilsmäßig vereinbarte Aufteilung laut Gesellschaftervertrag.

Was ist gezeichnetes Kapital in der Bilanz einer AG?

Geregelt werden die rechtlichen Grundlagen für die Aktiengesellschaft (AG) im Aktiengesetz. Bei dieser Form der Kapitalgesellschaft ist das Grundkapital in Aktien aufgeteilt.

Für die Gründung muss das gezeichnete Kapital einer AG gemäß AktG mindestens 50.000 Euro betragen. Das Aktienkapital setzt sich aus der Summe der Nennwerte aller Aktien zusammen. So ist es bei einem pro Aktie festgelegten Preis auf 0,25 € statt 1,00 € auch möglich, vorerst für die Eintragung ins Handelsregister nur 12.500 € einzubringen.
Auf den Wert des Gesellschaftsvermögens insgesamt kann man alleine aus der Höhe des Grundkapitals nicht schließen.
Das Grundkapital muss auf der Passivseite der Bilanz als gezeichnetes Kapital ausgewiesen werden. Es kann weder durch Gewinn noch durch Verlust verändert werden. Das bilanzielle Eigenkapital einer AG setzt sich wie folgt zusammen:

  • Grundkapital
  • plus Kapitalrücklagen
  • plus Gewinnrücklagen
  • plus Gewinn- beziehungsweise Verlustvortrag
  • plus Jahresüberschuss beziehungsweise Jahresfehlbetrag 

Anders als oft vermutet, müssen die Aktien einer AG keinesfalls zwingend an der Börse gehandelt werden. Ihre Rechte nehmen Aktionäre im Rahmen von Aktionärsversammlungen im Umfang ihres Stimmrechts wahr. AGs haben verschiedene Möglichkeiten, sich frisches Kapital zu beschaffen. Beispielsweise durch die Ausgabe neuer Aktien oder indem das Unternehmen Anleihen emittiert. Beliebt ist es auch, Mitarbeiter mit Aktien an der AG zu beteiligen. 

Beispiel: Wie berechnen Sie das gezeichnete Kapital bei einer AG?

Die Aktien haben bei ihrer Erstausgabe einen Nennwert, anhand dessen sich das Grundkapital berechnen lässt: 

Das Grundkapital ist die Anzahl der emittierten Aktien, multipliziert mit dem Nennwert einer Aktie. 

Bei der Gründung einer AG teilen sich in den meisten Fällen die Gründer beziehungsweise Inhaber die Unternehmensanteile, also die Aktien, untereinander auf und bleiben dann bis zur weiteren Ausgabe von Aktien die Mehrheitsaktionäre.

Kann gezeichnetes Kapital erhöht oder vermindert werden?

Eine Kapitalgesellschaft kann das gezeichnete Kapital erhöhen oder senken. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Mindesteinlage nicht unterschritten wird und andere gesetzliche Regelungen beachtet werden. Die Erhöhung des gezeichneten Kapitals ist dann sinnvoll, wenn:

  • die Liquidität verbessert werden soll.
  • die Bonität optimiert werden soll.
  • umfangreiche Investitionen geplant sind
  • das Unternehmen wachsen soll.

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Umfasst das gezeichnete Kapital das gesamte Eigenkapital?

Nein, das gezeichnete Kapital ist nur ein Teil des Eigenkapitals. Zur Bilanz gehören noch weitere Punkte wie Rücklagen, Vorträge, Überschüsse sowie Fehlbeträge.