Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: Das müssen Sie wissen

Alles Wichtige zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Aktualisiert am: 02.05.2017

Ohne Arbeit kein Lohn – dies ist ein allgemeiner Grundsatz im Arbeitsrecht. Deshalb müssen Sie einen Mitarbeiter, der keine Arbeitsleistung erbringt, normalerweise auch nicht bezahlen. Allerdings gibt es hier auch Ausnahmen. Ein Fall ist die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Hier gilt es für Sie einige Dinge zu beachten.

Wann hat Ihr Mitarbeiter Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall?

Nicht jeder Ihrer Mitarbeiter, der krank ist, hat einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Dazu muss er bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese sind im Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) festgeschrieben:

  • Der Mitarbeiter muss mindestens 4 Wochen ununterbrochen in Ihrem Unternehmen angestellt sein. Erfolgt der krankheitsbedingte Ausfall bereits in den ersten 4 Wochen des Beschäftigungsverhältnisses, hat Ihr Mitarbeiter ab der 5. Woche Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung. War der Mitarbeiter zuvor als Auszubildender bei Ihnen angestellt, ist auch diese Zeit auf die Wartezeit anzurechnen, d. h. wenn die Ausbildung länger als 4 Wochen dauerte, besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

    Wenn der Mitarbeiter bereits zu einem anderen Zeitpunkt in Ihrem Betrieb angestellt war und nun ein neues Arbeitsverhältnis bei Ihnen beginnt, startet die vierwöchige Wartezeit bei Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses neu.
  • Der Mitarbeiter muss wegen der Krankheit tatsächlich arbeitsunfähig sein. Beispielweise kann ein Tischler mit einer gebrochenen Hand seine gewohnten Tätigkeiten nicht ausführen und erhält so lange eine Entgeltfortzahlung, bis seine Hand voll ausgeheilt ist und er wieder damit arbeiten kann. Dagegen kann ein Portier mit derselben „Krankheit“ schon früher wieder arbeiten – z. B. mit einem Gips an der Hand – und erhält auch nur bis zu diesem Zeitpunkt die Entgeltfortzahlung.
  • Die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit muss die alleinige Ursache für den Ausfall der Arbeitsleistung sein. Das bedeutet, dass Ihr Mitarbeiter keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat, wenn er zum Zeitpunkt der Erkrankung auch aus einem anderen Grund nicht gearbeitet hätte. Dies ist z. B. beim Abbau von Überstunden der Fall oder wenn er sich sowieso gerade in Elternzeit befindet.
  • Um Anspruch auf Entgeltfortzahlung zu haben, darf der Mitarbeiter die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nicht durch eigenes Verschulden herbeigeführt haben. Wann ein solches Verschulden vorliegt, ist im Entgeltfortzahlungsgesetz nicht geregelt. In der Regel wird man den jeweiligen Einzelfall prüfen müssen. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein selbstverschuldetes Verhalten handelt, wenn der Mitarbeiter gegen Verkehrs- oder Unfallverhütungsvorschriften verstoßen hat oder wenn er aufgrund von starkem Alkoholkonsum arbeitsunfähig geworden ist.

    Auch wenn sich Ihr Mitarbeiter bei der Ausübung einer sogenannten gefährlichen Sportart wie Kickboxen oder Bungeespringen verletzt, liegt ein eigenes Verschulden vor und es besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Nicht als gefährliche Sportarten eingestuft werden dagegen unter anderem Inlineskaten, Amateurboxen, Fallschirmspringen, Karate, Motorradrennen oder Skifahren.
  • Ein Entgeltfortzahlungsanspruch besteht ebenfalls bei einem Arbeitsunfall. Voraussetzung hierbei ist allerdings, dass dieser von der Berufsgenossenschaft anerkannt wird. Hier müssen Sie als Arbeitgeber tätig werden und der Berufsgenossenschaft Meldung zum Unfallgeschehen erstatten.

Das komplette Entgeltfortzahlungsgesetz und weitere Rechtsquellen zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall finden Sie im Lexware gmbh wissen. In dieser Online-Datenbank erhalten Sie zudem weiterführende Informationen zur Entgeltfortzahlung und umfassendes Fachwissen zu allen weiteren Themen, die Sie als GmbH-Geschäftsführer beschäftigen.

Wie lange hat Ihr Mitarbeiter Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall?

Grundsätzlich hat Ihr Mitarbeiter Anspruch auf maximal 6 Wochen (= 42 Tage) Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Wann dieser Zeitraum beginnt, hängt davon ab, wann genau Ihr Mitarbeiter arbeitsunfähig wird. Wird er vor dem Arbeitsantritt arbeitsunfähig, wird dieser Tag mitgerechnet. Erfolgt die Arbeitsunfähigkeit allerdings im Laufe des Arbeitstages, starten die 6 Wochen erst am darauffolgenden Tag.

Der Anspruchszeitraum endet entweder an dem Kalendertag, den der Arzt in der Krankschreibung festgesetzt hat oder mit Ablauf des 42. Kalendertags, wenn Ihr Mitarbeiter so lange arbeitsunfähig sein sollte.

Falls das Arbeitsverhältnis gerade ruht – z. B. weil Ihre Mitarbeiterin gerade in Mutterschutz ist oder Sonderurlaub hat – verringert sich der Anspruchszeitraum dadurch nicht. Gleichzeitig verlängert sich der Zeitraum von 6 Wochen aber auch nicht, falls zur ursprünglichen Krankheit Ihres Mitarbeiters noch eine weitere Krankheit hinzukommen sollte.

Hat Ihr Mitarbeiter eine Krankheit auskuriert und erkrankt danach erneut so, dass er arbeitsunfähig ist, kommt es darauf an, ob es sich um dieselbe oder eine andere Krankheit handelt: Ist der Mitarbeiter wegen einer anderen Krankheit arbeitsunfähig, hat er erneut Anspruch auf Entgeltfortzahlung von bis zu 6 Wochen. Fällt er dagegen wegen derselben Krankheit noch einmal aus, hat er den sechswöchigen Anspruch auf Entgeltfortzahlung nur,

  • wenn zwischen dem Ende der ersten Krankheit und dem Beginn der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens 6 Monate liegen
  • oder wenn seit dem Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit 12 Monate vergangen sind.

Kehrt Ihr Mitarbeiter nach langer Krankheit zurück, steht vor der Wiedereingliederung ein Rückkehrgespräch an. Eine Vorlage zu den Punkten, die in einem solchen Gespräch angesprochen werden sollten, finden sie im Lexware gmbh wissen.

Wichtige Informationen zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Alles Wichtige zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall inkl. aktuellen Urteilen und einer Sammlung an hilfreichen Vorlagen und Checklisten gibt es im Lexware gmbh wissen.

Anzeige- und Nachweispflicht des Mitarbeiters

Wird Ihr Mitarbeiter krank, so hat er Ihnen seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Eine bestimmte Form – z. B. per E-Mail oder Telefon – ist hierfür im Entgeltfortzahlungsgesetz nicht vorgegeben, weshalb es jedes Unternehmen normalerweise individuell regelt.

Wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage dauert, ist der Mitarbeiter Ihnen gegenüber in der Nachweispflicht. Spätestens am darauffolgenden Tag muss er Ihnen eine ärztliche Bescheinigung (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) vorlegen. Sie können die Vorlage des ärztlichen Attests aber auch schon früher verlangen. Hierfür ist es nicht erforderlich, dass Sie einen begründeten Verdacht gegen Ihren Mitarbeiter haben, dass dieser die Erkrankung nur vortäuscht.

Kommt Ihr Mitarbeiter der Pflicht zur Vorlage des ärztlichen Attests nicht nach, können Sie die Entgeltfortzahlung so lange verweigern, bis Ihnen dieses Dokument vorgelegt wird. Im Wiederholungsfall können Sie dem Mitarbeiter nach vorheriger Abmahnung sogar kündigen und Schadensersatzansprüche geltend machen.

Haben Sie Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit Ihres Mitarbeiters, können Sie von der Krankenkasse verlangen, dass sie eine gutachterliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes einholt. Kommt der Mitarbeiter der Anordnung der Krankenkasse zu dieser Untersuchung nicht nach, ist der Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttert. In so einem Fall, muss Ihr Mitarbeiter Ihnen seine Arbeitsunfähigkeit auf eine andere Art nachweisen, wenn er seinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung erhalten möchte.

In welchen Fällen Sie außerdem begründete Zweifel an der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Ihres Mitarbeiters geltend machen können, zeigen wir Ihnen im Lexware gmbh wissen. Hier finden Sie ebenfalls eine Checkliste zur Analyse der Fehlzeiten in Ihrem Unternehmen. Diese hilft Ihnen dabei, mögliche Gründe für krankheitsbedingte Fehlzeiten auszumachen und zu beseitigen.

Wie viel müssen Sie im Krankheitsfall zahlen?

Laut Entgeltfortzahlungsgesetz hat Ihr Mitarbeiter im Krankheitsfall für maximal 6 Wochen Anspruch auf 100 % des Arbeitsentgelts, das ihm auch sonst für seine Arbeit zusteht. Dahinter steht das Entgeltausfallprinzip. Dieses besagt, dass der Mitarbeiter durch seine Erkrankung nicht schlechter stehen soll, als wenn er gearbeitet hätte.

Weiter zu zahlen ist das Brutto-Arbeitsentgelt. Hierzu zählen auch Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit, wenn diese in der Zeit der Arbeitsunfähigkeit angefallen wären. Überstunden werden bei der Bemessung der Entgeltfortzahlung jedoch nicht berücksichtigt. Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld können für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit gemindert werden.

Erhält der Arbeitnehmer einen Akkordlohn, müssen Sie bei der Berechnung den Durchschnittsverdienst zugrunde legen, den er normalerweise in dem Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit erzielt hätte.

Endet die Entgeltfortzahlung nach 6 Wochen, erhält Ihr Mitarbeiter Krankengeld von seiner Krankenkasse. Um die Höhe des Krankengeldes zu ermitteln, müssen Sie als Arbeitgeber der Kasse das normale Arbeitsentgelt des Mitarbeiters mitteilen. Im Falle eines Arbeitsunfalls zahlt die zuständige Berufsgenossenschaft Verletztengeld.

Sonderfälle der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bestehen bei Minijobbern und Teilzeitkräften sowie bei Kuren und im Todesfall. Welche Regelungen in diesen Fällen gelten, erfahren Sie im Lexware gmbh wissen.

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