Was gilt für eine kurzfristige Beschäftigung?
Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn das Arbeitsverhältnis von Beginn an befristet ist. Gleichzeitig darf die Tätigkeit nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Dies bedeutet, dass die Beschäftigung nicht den Hauptberuf darstellt.
Kurzfristige Beschäftigung und Sozialversicherungspflicht
Kurzfristige Beschäftigungen sind sozialversicherungsfrei. Es besteht keine Versicherungspflicht in der Krankenversicherung, Rentenversicherung oder Arbeitslosenversicherung. Für kurzfristige Beschäftigungen gibt es keine Verdienstgrenze – nur die Einhaltung dieser Voraussetzungen entscheidet über Sozialversicherungsfreiheit, die Umlagen und die Abgaben.
Dauer und Zeitgrenzen
Die zulässige Dauer einer kurzfristigen Beschäftigung richtet sich nach der wöchentlichen Arbeitszeit:
- Vollzeit (mindestens fünf Arbeitstage pro Woche): maximal drei Zeitmonate
- Teilzeit (weniger als fünf Arbeitstage pro Woche): maximal 70 Arbeitstage
Wenn ein Arbeitnehmer mehrere kurzfristige Beschäftigungen in einem Kalenderjahr ausübt, müssen Sie alle Arbeitseinsätze erfassen und die jeweiligen Kalendertage zusammenrechnen – unabhängig davon, ob sie gleichzeitig oder nacheinander stattfinden.
Info
Aufteilung der Beschäftigungsdauer
Es ist nicht zulässig, die Arbeitstage auf zwei Kalenderjahre aufzuteilen. Die maximale Beschäftigungsdauer bleibt bestehen.
Befristung und nicht regelmäßige Ausübung
Die Befristung muss von Anfang an feststehen. Sie ergibt sich entweder aus dem Arbeitsvertrag oder aus der Art der Tätigkeit. Ist die voraussichtliche Dauer vor Beginn nicht bekannt, kann keine kurzfristige Beschäftigung vereinbart werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass der Arbeitnehmer die Tätigkeit nicht regelmäßig ausübt.
Berufsmäßigkeit und Haupterwerb
Auch ohne feste Verdienstgrenze darf eine kurzfristige Beschäftigung nicht den Hauptberuf ersetzen. Zulässig ist sie nur neben:
- einem Hauptberuf
- einem Studium oder Schulbesuch
- einer Rente
Deckt der Arbeitnehmer seinen Lebensunterhalt ausschließlich durch diese Tätigkeit, gilt sie als berufsmäßig bzw. Hauptberuf. In diesem Fall entsteht Sozialversicherungspflicht.
Info
Ausnahme bei geringerem Verdienst
Verdient ein Arbeitnehmer weniger als 603 Euro im Monat, darf er dennoch eine kurzfristige Beschäftigung ausüben, auch wenn diese als berufsmäßig gelten würde. An die Dauer und Befristung, die für eine kurzfristige Beschäftigung gelten, ist er aber gebunden.
Praxis-Beispiel: Überprüfung der berufsmäßigen Natur einer Beschäftigung
Beschäftigungsfall A:
- Befristet vom 1. Mai bis 15. Juni
- 5 Tage pro Woche (40 Stunden)
- Monatliches Arbeitsentgelt von 1.400 €
- Dauer von 105 Tagen
In diesem Fall handelt es sich weder um eine geringfügig entlohnte Beschäftigung noch um eine kurzfristige Beschäftigung. Stattdessen besteht Sozialversicherungspflicht.
Beschäftigungsfall B:
- Befristet vom 16. Juli bis 31. August
- 5 Tage pro Woche (40 Stunden)
- Monatliches Arbeitsentgelt von 1.400 €
- Dauer von 45 Tagen
Bei dieser Beschäftigung wird nicht von einer kurzfristigen Beschäftigung ausgegangen, da sie berufsmäßig ausgeübt wird und daher sozialversicherungspflichtig ist.
Kurzfristige Beschäftigung: Darauf müssen Sie als Arbeitgeber achten
Die kurzfristige Beschäftigung gilt als unkompliziertes Beschäftigungsmodell. Arbeitgeber müssen trotzdem mehrere Vorgaben einhalten.
Arbeitsvertrag und Meldung
Das Arbeitsverhältnis muss vertraglich festgehalten werden. Der Arbeitsvertrag für eine kurzfristige Beschäftigung sollte vor allem den Beginn und die Befristung der Beschäftigung enthalten sowie die Arbeitseinsätze. Ebenso müssen Vergütung, Tätigkeit, Arbeitszeit, Urlaubs- und Krankheitsregelung, Nebentätigkeit, Verschwiegenheitspflicht und Verfall- und Ausschlusspflichten geregelt sein. Zusätzliche Vereinbarungen, Vertragsänderungen und Nebenabreden sollten Sie ebenfalls im Vertrag festhalten.
Jede kurzfristige Beschäftigung meldet der Arbeitgeber bei der Minijob-Zentrale an und nach Beendigung wieder ab.
Für kurzfristig Beschäftigte gilt das DEÜV-Meldeverfahren. DEÜV bedeutet Datenerfassungs- und Übermittlungsverordnung. Deshalb sind für kurzfristig Beschäftigte die gleichen Meldungen zu erstatten wie für versicherungspflichtig Beschäftigte. Auch Jahresmeldungen und sonstige Entgeltmeldungen sind für kurzfristige Beschäftigungen zu erstatten.
Als beitragspflichtiges Arbeitsentgelt ist stets „000 000“ und als Beitragsgruppenschlüssel „000“ anzugeben. Der Beitragsgruppenschlüssel wird von den Sozialversicherungsträgern festgelegt und richtet sich nach der Art der Beschäftigung sowie der Dauer des Arbeitsverhältnisses. Eine genaue Zuordnung des richtigen Beitragsgruppenschlüssels ist wichtig, um mögliche Fehler oder Nachzahlungen zu vermeiden.
Darüber hinaus ist in den Meldungen für kurzfristig Beschäftigte der Personengruppenschlüssel „110“ anzugeben.
Tipp
Muster-Arbeitsvertrag schafft Effizienz
Unternehmen, die regelmäßig kurzfristige Beschäftigungen anbieten, sparen Zeit mit einem Arbeitsvertrag-Muster.
Urlaub und Lohnfortzahlung
Besteht das Arbeitsverhältnis seit einem vollen Monat, hat der Arbeitnehmerer Anspruch auf Erholungsurlaub – und zwar auf ein Zwölftel des regulären Jahresurlaubs pro Monat. Außerdem steht ihm nach vier Wochen ebenfalls Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu.
Kurzfristige Beschäftigung bei Schülern
Schüler können bis zu drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr kurzfristig beschäftigt sein. Werden jedoch innerhalb eines Kalenderjahres mehrere aufeinander folgende kurzfristige Beschäftigungen ausgeübt, werden diese zusammengerechnet. Das gilt auch für Ferienjobs.
Überschreiten die Arbeitstage die zulässige Grenze, entsteht eine geringfügig entlohnte Beschäftigung.
Kurzfristige Beschäftigung bei Studierenden
Beschäftigt ein Arbeitgeber Studenten im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung, sind auch diese in der Regel sozialversicherungsfrei. Werden jedoch die Zeitgrenzen überschritten, kann unter bestimmten Voraussetzungen Versicherungsfreiheit nach dem Werkstudentenprivileg bestehen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:
- Die Beschäftigung beschränkt sich auf die vorlesungsfreie Zeit (Semesterferien). Gelegentliche zeitliche Überschneidungen mit der Vorlesungszeit von bis zu zwei Wochen sind unschädlich.
- Die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 20 Stunden darf nur durch Arbeit am Wochenende oder in den Abend- und Nachtstunden überschritten werden.
Kurzfristige Beschäftigung während der Elternzeit
Kurzfristige Beschäftigungen während der Elternzeitgelten als berufsmäßig ausgeübt. Daher besteht trotz der Begrenzung auf drei Monate bzw. 70 Arbeitstage Versicherungspflicht.
Kurzfristige Beschäftigung und Steuern zahlen
Der Abzug der Lohnsteuer bei kurzfristiger Beschäftigung erfolgt entweder auf Basis der individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) oder er wird mit 25 % Lohnsteuer pauschal versteuert. Dazu kommen eventuell die Kirchensteuer und je nach Höhe des Einkommens der Solidaritätszuschlag mit 5,5 %. Zusätzlich leisten Arbeitgeber die Umlagen U1 und U2 an die Krankenkasse.
Alternative Pauschalierungsmöglichkeiten
Liegt eine kurzfristige Beschäftigung im steuerlichen Sinne vor, können Arbeitgeber Pauschsteuersätze von 2 oder 20 Prozent anwenden.
Scheiden diese Pauschalierungsmöglichkeiten aus, kann der Arbeitgeber die Pauschalierung für Aushilfskräfte in der Land- und Forstwirtschaft mit 5 % wählen. Sie gilt insbesondere für Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer.
Das Wichtigste zum Schluss
Eine kurzfristige Beschäftigung bietet Arbeitgebern flexible Möglichkeiten, Personalbedarf kurzfristig abzudecken. Entscheidend ist, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. Der Arbeitnehmer darf den Hauptberuf nicht ersetzen und muss sich zeitlich an Arbeitseinsätze sowie Arbeitstage und Zeitmonate halten.
FAQ zur kurzfristigen Beschäftigung
Wie viel darf ein kurzfristig Beschäftigter maximal verdienen?
Die Höhe des Arbeitsentgelts ist nicht begrenzt. Es gibt keinen Höchstbetrag. Entscheidend sind die Einhaltung der Befristung und die nicht berufsmäßige Ausübung der Tätigkeit.
Wo melde ich eine kurzfristige Beschäftigung an?
Arbeitgeber melden die kurzfristige Beschäftigung bei der Minijob-Zentrale.
Wie viel Urlaub steht kurzfristig Beschäftigten zu?
Nach einem Monat im Arbeitsverhältnis hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs.
Für welche gesellschaftlichen Gruppen macht eine kurzfristige Beschäftigung Sinn?
Besonders Schüler, Studierende, Rentner und Minijobber profitieren von der kurzfristigen Beschäftigung.
Kann man eine kurzfristige Beschäftigung verlängern?
Die kurzfristige Beschäftigung kann über ein Kalenderjahr verteilt werden und ist auf 70 Arbeitstage begrenzt. Bei einer Kettenbefristung (Aneinanderreihung von kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen bei einem Unternehmen) wird die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig, sobald die Zeitgrenzen überschritten sind.