Liquidität verbessern: So bleibst du zahlungsfähig

In den letzten Jahren war durch Corona und die Energiekrise die finanzielle Situation bei vielen Unternehmen angespannt. Wenn irgendwann kein Geld mehr für die Bezahlung offener Rechnung da ist, muss laut Gesetz die Insolvenz beantragt werden. Damit es erst gar nicht soweit kommt, solltest du immer auf deine Liquidität achten. Wie das gelingt und mit welchen Maßnahmen du deine Liquidität steigerst, erfährst du hier.

Zuletzt aktualisiert am 12.05.2026

Einnahmen und Ausgaben mit der Liquiditätsformel berechnen

Um deine Liquidität zu erhöhen, musst du zunächst deine finanzielle Situation evaluieren. Wenn du dir sicher bist, dass du deine Liquidität verbessern musst, um langfristig im Geschäft bleiben zu können, gilt stark vereinfacht folgende Formel:

Einnahmen: mehr + früher = gesteigerte Liquidität

Ausgaben: weniger + später = gesteigerte Liquidität

In anderen Worten:

Je mehr du zeitnah einnimmst, umso höher ist der Betrag auf dem Konto und umso schneller kannst du deine Liquidität verbessern.

Wichtig ist daher – außer dem reinen Betrag der Zahlung – vor allem der Zeitpunkt des Zahlungseinganges. Manchmal kann ein kleiner Betrag, der heute bei dir eingeht, mehr wert sein als ein großer zu einem undefinierten Zeitpunkt.

Je weniger und je später du Geld ausgeben musst, umso mehr bleibt im Töpfchen. Darum solltest du darauf achten, dass du möglichst wenig Geld möglichst spät ausgibst.

Beides zusammen erhöht die Liquidität und sichert dein Unternehmen.

Kurzfristig Liquidität erhöhen mit diesen betrieblichen Maßnahmen

Auch durch eigene Maßnahmen in deinem Betrieb kannst du die Zahlungsfähigkeit und somit die Liquidität deines Unternehmens verbessern. Manchmal lassen sich schon innerhalb von rund 14 Tagen in erheblichem Umfang liquide Mittel freisetzen und maßgebliche Kennzahlen nachhaltig verbessern. Die folgenden Tipps helfen dir dabei:

1. Rechnungen zeitnah und richtig stellen

Voraussetzung für einen kontinuierlichen Zahlungsmittelzufluss ist, dass du Rechnungen zeitnah stellst, in der Regel möglichst einen Tag nach Leistungserbringung. Tu dies auch, wenn es sich um vermeintlich kleine Beträge von 20, 30 oder 50 EUR handelt – das summiert sich. Achte auf die korrekten Rechnungsangaben und den richtigen Empfänger, um Verzögerungen bei der Bearbeitung zu vermeiden. Korrekte Rechnungen erhöhen die Chance auf prompte Bezahlung. Klingt simpel, aber es gibt immer wieder Unternehmer, die an dieser Stelle scheitern.

Die häufigsten Fehlerquellen bei der Rechnungsstellung

Wenn du deine Liquidität verbessern und hierfür schneller Rechnungen ausstellen willst, dann musst du akkurat arbeiten. Versuche, die folgenden Fehler zu vermeiden, damit du schneller auf deine Zahlungen hoffen kannst:

  • Falsche Rechnungsadresse
  • Falsche Firmierung
  • Falsche oder ungenaue Angaben zur Leistung
  • Die Summen stimmen nicht
  • Der Rabatt ist nur in Prozent angegeben
  • Anlagen/Nachweise sind zusammengeheftet

Denke im Eifer des Gefechts auch daran, ein vernünftiges Rechnungsdatum zu wählen. Machst du hier Fehler, wirst du deine Liquidität weder verbessern noch steigern. Beim Datum der Rechnungsstellung solltest du an die Umsatzsteuer denken, wenn man keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung macht. Die Rechnung am Ende des Monats zu stellen, hat zur Folge, dass die enthaltene Umsatzsteuer auch für diesen Monat fällig wird – das wirkt sich schlecht auf die Liquidität aus. Also vielleicht besser die Rechnung erst am 1. des kommenden Monats stellen, dann hast du gute Chancen, dass das Geld da ist, bevor die Umsatzsteuerzahlung an das Finanzamt fällig wird.

Eine andere Möglichkeit, warum deine Rechnung lange nicht beglichen wurde: Du hast leider den Zahlungslauf des Kunden verpasst. Das ist zwar eigentlich kein Argument, sich nicht an die vereinbarten Zahlungsfristen zu halten, doch wenn man weiß, dass der Kunde immer nur am 15. des Monats Überweisungen schreibt, dann ist es ratsam darauf zu achten, die Rechnung nicht am 16. zu schicken.

2. Zahlungseingang beschleunigen

Wenn du auf Rechnung verkaufst, gewährst du deinen Kunden kostenlose Kredite. Dieses Geld fehlt in der Kasse. Du musst es bis zum Zahlungseingang entweder mit eigenen Mitteln oder durch Ausnutzung der Kreditlinie vorfinanzieren. Das belastet deine Liquidität. Um diese allerdings zu verbessern, solltest du folgende Punkte berücksichtigen:

  • Versuche, den Anteil an Bar- oder Kartenzahlungen zu erhöhen.
  • Falls du auf Rechnung verkaufst, senkst du zumindest bei Neukunden das Zahlungsziel, etwa von 30 Tagen auf 20 Tage.
  • Verhandle mit deinen Kunden über höhere An- und Teilzahlungen.
  • Deine Kunden brauchen oft lange, bis sie bezahlen? Dann rechne doch mal aus, ob du im Gegenzug für eine schnelle Begleichung der Rechnungen auf ein paar Euro verzichten kannst. Ein paar Prozent Skonto motivieren die meisten Kunden, sich auch wirklich an die damit verbundenen kurzen Zahlungsfristen zu halten! Berücksichtige das Skonto aber in deiner Preiskalkulation!

3. Forderungen konsequent eintreiben

Mach dir klar, dass jeder Zahlungsverzug eines Kunden bei dir zu Problemen führen kann. Zumindest kostet er Geld und hilft dir nicht dabei, deine Liquidität zu verbessern. Aus diesem Grund benötigst du ein Forderungsmanagement.

Daher ist es einmal ratsam, das Gespräch zu suchen. Oft reicht schon ein kleiner freundlicher Hinweis und die Rechnung wird beglichen. Es kann schließlich jedem passieren, dass es mal etwas drunter und drüber geht und eine Rechnung nicht bei der Buchhaltung landet.

Hilft das nicht, kommst du manchmal um eine Mahnung oder sogar ein gerichtliches Mahnverfahren nicht herum. Auch das kannst du zunächst freundlich formulieren, deutlich werden solltest du aber auf jeden Fall. Mahne konsequent und zögere nicht, weil dir das unangenehm ist oder du der Ansicht bist, dass ein paar Tage Verzug nicht viel ausmachen.

Auf jeden Fall solltest du immer im Blick haben, welche Rechnungen noch offen sind, damit du auf offene Rechnungen adäquat reagieren kannst.

Tipp: Trage auf der Rechnung einen eindeutigen Zahlungstermin ein, idealerweise mit einem konkreten Datum. So kann später kein Kunde behaupten, er habe die Frist anders verstanden.

4. Zahlungsziele mit Lieferanten neu verhandeln

Was auf der Forderungsseite für dich ein Problem darstellt, ist beim Einkauf von Vorteil: Schaffst du es, dich mit deinen Lieferanten auf längere Zahlungsziele zu einigen, schonst du deine eigene Liquidität und verbesserst, weil du später zahlen musst. Daher solltest du mit wichtigen Lieferanten über diese Option verhandeln.

Kannst du keine Verlängerung der Zahlungsfristen erreichen, versuchst du, ein Skonto zu vereinbaren oder die Skontokonditionen zu verbessern, etwa von 2 auf 3 % oder eine Verlängerung von 7 auf 10 Tage, wenn ein Lieferant Skonto anbietet.

Beispiel: Wenn du 3 % Skonto ziehen darfst, sparst du bei einem Bestellvolumen von 100.000 EUR im Jahr immerhin 3.000 EUR.

Etwas weniger schön, aber durchaus effizient, um die eigene Liquidität zu verbessern, ist es, die Zahlungsfristen zu nutzen. Je länger das Geld bei dir auf dem Konto bleibt, umso besser für die Liquidität. Daher lohnt es sich, gewährte Zahlungsziele von Lieferanten auch wirklich auszunutzen. Außerdem solltest du im Gespräch mit den Lieferanten versuchen, deren Zahlungsziele an die deiner eigenen Kunden anzupassen, so ist immer Geld da, wenn es benötigt wird.

Ein einfacher Trick, damit die Rechnung dann punktgenau überwiesen wird: Eine Terminüberweisung einrichten. So kannst du das Zahlungsziel optimal nutzen und trotzdem die Rechnung direkt fertig bearbeiten und ablegen. Außerdem musst du nicht in 30 Tagen an die Überweisung denken.

 

5. Vorschusszahlungen vereinbaren

Gerade bei großen und langfristigen Projekten kann ein kleines Unternehmen es sich oft nicht leisten, die komplette Arbeit zu erbringen und erst im Nachhinein bezahlt zu werden. Die Abrechnung in Teilen (z. B. 30 % Anzahlung, 30 % in der Mitte des Zeitraums und 40 % nach Fertigstellung) oder nach bereits erbrachtem Aufwand (z. B. nach monatlich geleisteten Stunden) hilft in dieser Situation. 

Möglichkeiten, um mittel- und langfristig deine Liquidität zu verbessern

Zusätzlich zu den kurzfristigen Maßnahmen kannst du jetzt auch schon überlegen, wie du deine Liquidität mittel- und langfristig verbessern kannst. Dafür ist eine mittelfristige Liquiditätsplanung unverzichtbar. Zusätzlich helfen dir die folgenden Tipps:

1. Zahlungsausfällen und -verzögerungen vorbeugen

Am besten ist es natürlich, wenn es dir gelingt, das Risiko von Zahlungsproblemen mit deinen Kunden zu verringern. Prüfe jeden neuen Kunden auf seine Bonität. Auch deinen größeren Stammkunden solltest du jährlich „auf den Zahn fühlen“. Dazu hast du mehrere Möglichkeiten:

  • Du kannst dir eine Bankauskunft einholen oder bei Auskunfteien wie Creditreform, CRIF Bürgel, Hoppenstedt oder Schufa nachfragen. Nachteil: Diese Auskünfte kosten Geld.
  • Günstiger ist es, wenn du den Kunden um eine Selbstauskunft bittest. Dann muss er sich selbst bei der Bank oder einer Auskunftei aktuelle Informationen besorgen und kann sie dir vorlegen.

 

Achtung

Keine Garantie für die Zukunft

Auch eine günstige Auskunft bedeutet nicht automatisch, dass der Kunde weiterhin pünktlich und vollständig zahlen wird. Die Auskünfte zeigen im Kern vor allem, wie sich der Kunde bisher verhalten hat. Daraus wird auf die Zukunft geschlossen, aber es besteht immer die Möglichkeit, dass auch ein bisher gut bewertetes Unternehmen Zahlungsprobleme bekommt und sein Verhalten ändert.

2. Vorräte und Lagerbestände abbauen

Bei vielen Unternehmen steigen die Bestände an Fertigwaren, Komponenten oder Materialien stetig. Oft lassen sich die Lagerteile nicht mehr in der Produktion verwenden oder zu regulären Preisen an den Märkten verkaufen. Diese Bestände binden Kapital und erhöhen das Risiko von Schwund, Verderb und Diebstahl. Halte die Lagerbestände so gering wie möglich, ohne die Produktion oder den Verkauf zu gefährden. Dadurch verbesserst du automatisch deine Liquidität, da du ungenutztes Kapital einsetzt.

3. Stille Reserven aufdecken und heben

Stille Reserven entstehen, wenn du zum Beispiel Anlagegüter vor einiger Zeit preiswert erworben hast und deren Wert nun gestiegen ist. Oder bei Maschinen, die abgeschrieben sind, mit denen sich am Markt aber noch ein guter Preis erzielen lässt. Du solltest prüfen, wie du hieraus Vorteile erzielen kannst. Beispielsweise kannst du nicht mehr benötigte Anlagegüter verkaufen.

4. Anlagevermögen vermieten

Wenn du nicht alle Vermögensgegenstände immer oder vollständig selbst benötigst, prüfe eine Vermietung. Nutzt du zum Beispiel nicht alle Räume oder Lager, kannst du einen Teil der Flächen an andere Gewerbetreibende oder Gründer vermieten und somit deine Liquidität verbessern. Bei beweglichen Gütern kannst du prüfen, ob du sie zusammen mit anderen Firmen nutzt und so die Kosten teilen und die Liquidität schonen. Um Interessenten zu finden, schalte Anzeigen oder sprich mit der Gemeinde, der Wirtschaftsförderung, der Kammer oder deinem Verband.

5. Investitionen hinterfragen

Prüfe bei jeder Anschaffung, ob die Investition oder der Kauf an sich bzw. in der vorgesehenen Höhe notwendig ist. Möglicherweise geht es eine Nummer kleiner, oder die Investition kann verschoben werden auf einen Zeitpunkt, zu dem du einen größeren Geldeingang erwartest. Um deine Liquidität sicherzustellen, solltest du Investitionen auch nie überstürzen.

Tipp

Hinweis

Führe bei jedem Vorhaben, das einen bestimmten Betrag überschreitet, z. B. 5.000 oder 10.000 EUR, eine Wirtschaftlichkeitsrechnung durch. Damit stellst du fest, ob sich die Investition für dich lohnt.

6. Umschuldung vornehmen

Finanzierst du auch längere Engpässe bisher überwiegend über den Kontokorrentkredit? Dann prüfe, ob es möglich ist, einen Teil der Schulden über einen regulären, länger laufenden Kredit zu finanzieren, um deine Liquidität zu verbessern. Verhandle mit der Bank darüber, einen Teil der Kontokorrent- in Darlehensschulden umzuwandeln.

Vorteile:

  • niedrigere Zinsen,
  • daher mehr Liquidität und längere Planbarkeit.

Nachteile: 

  • Du musst mit längeren Bankverhandlungen rechnen.
  • Außerdem wirst du der Bank umfangreiche Unterlagen bereitstellen müssen. Sprich deine Bank an und frage, was diese konkret verlangt.

7. Ausgaben senken

Der Basis-Tipp, um deine Liquidität zu verbessern: Möglichst wenig Kosten verursachen, das heißt, spare. Rechne in einer ruhigen Stunde einmal nach, was du wofür ausgibst und versuche, die Kosten zu senken.

  • Wie teuer muss der Handyvertrag sein und gibt es eine günstigere Alternative?
  • Was ist mit den Versicherungen, gibt es dieselbe Leistung auch günstiger und brauche ich sie überhaupt alle?
  • Bekomme ich die benötigte Ware vielleicht woanders günstiger?

Das klassische Sparen ist noch immer der beste Weg, für eine finanzielle Verbesserung und liquide Mittel zu sorgen.

Aber auch andere Methoden senken die Ausgaben und schonen so den Kontostand: Auch bei der Finanzierung von Autos oder Maschinen lassen sich oft viele Euro sparen. Kaufen oder Leasen, was ist besser? Lieber jetzt den ganzen (vielleicht vergünstigten) Betrag zahlen oder die Ausgaben über einen längeren Zeitraum strecken? Besser du rechnest noch einmal genau nach, ehe du den Vertrag abschließt.

8. Rücklagen bilden

Um zum Beispiel Skonto „zu ziehen“ musst du schnell den geforderten Betrag zur Hand haben. Natürlich kannst du in so einem Fall einen Kredit aufnehmen und manchmal rechnet sich das sogar. Zinsen zahlst du dafür aber trotzdem und du kannst deine Liquidität nicht zwingend langfristig verbessern.

Auch die Nutzung des Dispokredits, um die Steuervorauszahlungen zu tätigen, ist keine gute Idee. Die Zinsen hierfür kannst du dir sparen, wenn du entsprechende Rücklagen bildest.

Daher ist es sinnvoll, sich einen Plan kommender Zahlungen zu erstellen und dann gezielt darauf hinzuarbeiten. Einkommen-, Gewerbe- und Körperschaftssteuervorauszahlungen werden zum Beispiel immer quartalsweise fällig, Versicherungen meist zu Beginn des Jahres. In dem du übers Jahr monatlich ein zwölftel des zu erwartenden Betrages auf die hohe Kante legst, kommst du nicht in Bedrängnis, wenn die Zahlung dann fällig wird und verbesserst dauerhaft deine Liquidität. Gut eignen sich für die hohe Kante zum Beispiel Tagesgeldkonten.

9. Als Unternehmen Geld anlegen

Das gesparte Geld einfach auf dem Girokonto liegen zu lassen, ist eine Möglichkeit. Eine andere ist es, sich nach Anlageformen umzuschauen, mit denen du vielleicht noch den einen oder anderen Euro hinzuverdienen kannst. Natürlich sind die Zinsen aktuell nicht wirklich hoch, aber je nach Summe kommt da eben doch etwas zusammen.

Wichtig: Überprüfe unbedingt, wann du das Geld wieder benötigst! Sonst musst du am Ende einen Kredit aufnehmen, um eine Maschine zu ersetzen, weil du an das angelegte Geld noch nicht herankommst. Das verursacht sonst Kosten, die du mit einer guten Planung umgehen kannst.

Tipp

Wichtig bei mittelfristigen Maßnahmen zur Liquiditätssicherung

Lass dir für Vorbereitung und Umsetzung möglichst Zeit. Nur wenn du nicht unter Druck entscheiden musst, kannst du die Vorteile erzielen, die du dir versprichst, etwa einen angemessenen Preis für die zu verkaufenden Güter.

Auch wenn du aktuell keinen Liquiditätsengpass hast, empfiehlt es sich jedoch, 2 bis 3 der angeführten Maßnahmen zeitnah umzusetzen, um Zahlungsproblemen für die Zukunft vorzubeugen und gleichzeitig eine Liquiditätsreserve für schlechte Zeiten aufzubauen. Versuche, dir im Laufe von 1 bis 2 Jahren einen Liquiditätsstock aufzubauen, der ausreicht, um den durchschnittlichen Zahlungsverpflichtungen von 2 Monaten nachzukommen, ohne dass du Einzahlungen erhältst. Versuche dazu, von jedem Verkauf ca. 2 % des Umsatzes oder des Gewinns auf ein Konto einzuzahlen, um deine Liquidität zu verbessern.