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Steuer-Tipp: Darlehen der GmbH an den Gesellschafter

So vermeiden Sie eine verdeckte Gewinnausschüttung bei einem GmbH Darlehen an einen Gesellschafter
Von Bernhard Köstler
Aktualisiert am: 13.02.2017

Gewährt eine GmbH ihrem Gesellschafter ein Darlehen, ist eine kritische Überprüfung dieser Darlehensvereinbarung durch das Finanzamt so gut wie vorprogrammiert. Um bei der Darlehensvereinbarung mit der GmbH steuerlich auf der sicheren Seite zu stehen, müssen GmbH-Gesellschafter und Geschäftsführer einiges beachten.

Grundvoraussetzung für einen Kredit an einen Gesellschafter ist, dass das Geld von der GmbH nicht selbst benötigt wird.

Darlehen für die GmbH: Verdeckte Gewinnausschüttung bei Darlehensgewährung

Gewährt eine GmbH ihrem Gesellschafter ein Darlehen, stellt sich der Prüfer in der Praxis folgende Fragen:

  • Liegt eine ernsthaft gewollte Darlehensvereinbarung vor?
  • Entsprechen die vereinbarten Konditionen den Vereinbarungen wie zwischen fremden Dritten?
  • Liegen Indizien vor, die eine Rückzahlung des Darlehens von Anfang an als unwahrscheinlich erscheinen lassen?

Von den Antworten hängt es ab, ob das Finanzamt steuerlich ein echtes Darlehensverhältnis bejaht oder ob eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt, die das Einkommen der GmbH erhöht und beim Gesellschafter gleichzeitig zu Einkünften aus Kapitalvermögen führt.

In einem Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg stellten die Richter klar, welche Indizien vorliegen müssen, um von einer verdeckten Gewinnausschüttung bei einem von der GmbH an den Gesellschafter ausbezahlten Darlehen auszugehen (Urteil v. 11.11.2005, Az. 10 V 27/05):

  • Das Darlehen ist bereits bei Hingaben für die GmbH wertlos, weil der Gesellschafter nicht solvent ist und
  • die GmbH in Vertretung durch ihren Geschäftsführer wusste von den Zahlungsschwierigkeiten des Gesellschafters und
  • das Darlehen wurde nicht besichert und
  • betriebliche Gründe für das Darlehen sind nicht gegeben.

Diese Kriterien müssen alle zusammen im Zeitpunkt der Darlehensgewährung vorgelegen haben. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs liegt die verdeckte Gewinnausschüttung in dem Moment vor, in dem ein solches Darlehen an den Gesellschafter abgeschrieben oder darauf verzichtet wird (BFH, Urteil v. 14.3.1990, Az. I R 6/89). Ist jedoch bereits bei der Hingabe des Darlehens klar, dass die Rückzahlung des Darlehens durch den Gesellschafter nicht erfolgen wird, kann bereits im Zeitpunkt der Darlehensgewährung eine verdeckte Gewinnausschüttung unterstellt werden (FG München, Urteil v. 25.7.2001, Az. 6 K 3066/99).

Hier weitere Urteilsfälle, in denen die Finanzgerichte und der Bundesfinanzhof von einer verdeckten Gewinnausschüttung ausgegangen sind:

  • Bei ungewöhnlich langer Laufzeit eines Darlehens (im Urteilsfall 84 und 95 Jahre), gilt das Darlehen nach 15 Jahren als endgültig in das Vermögen des Gesellschafters übergegangen.
  • GmbH gewährt dem Gesellschafter trotz ständigen Ansteigens des Darlehens weitere unbesicherte Darlehensbeträge oder es wird ein Darlehen unbesichert gewährt, obwohl in der Vergangenheit eine Darlehensforderung an den Gesellschafter bereits ausgefallen ist.

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Wann handelt es sich beim Darlehen an die GmbH um verdeckte Gewinnausschüttung?

Ob ein an den Gesellschafter hingegebenes und abgeschriebenes Darlehen zu einer verdeckten Gewinnausführung führt, kann jeder Gesellschafter selbst schnell beantworten, indem er sich folgende Frage stellt: „Würde die GmbH einem fremden Dritten mit denselben vertraglichen Vereinbarungen ein Darlehen gewähren?“ Muss die Frage mit nein beantwortet werden, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor. 

Verdeckte Gewinnausschüttung bei fehlenden oder zu günstigen Darlehenszinsen

Hat die GmbH die erste Hürde gemeistert und das Finanzamt von der Ernsthaftigkeit der Darlehensvereinbarung überzeugt, ist das erst die halbe Miete für die steuerliche Anerkennung des Darlehensverhältnisses. Im zweiten Schritt prüft das Finanzamt nämlich die Höhe des vereinbarten Zinssatzes. Bei zu niedrigen Zinsen oder bei einem zinslosen Darlehen liegt bei der GmbH eine verhinderte Vermögensmehrung vor, die zu einer verdeckten Gewinnausschüttung führt.

Praxis-Tipp: Steuerlich auf der sicheren Seite stehen die GmbH und der Gesellschafter, wenn sich der Gesellschafter ein Darlehensangebot von einer Bank machen lässt. Verlangt die GmbH denselben Zinssatz, ist einer verdeckte Gewinnausschüttung vom Tisch.

Hinweis: Vereinbaren die GmbH und der Gesellschafter ein Darlehen ohne Sicherheit, muss sich das Vergleichsangebot der Bank ebenfalls um ein Angebot ohne Besicherung des Darlehens handeln (führt meist zu deutlich höheren Zinsen).

Praxis-Tipp: Bei den Darlehensanfragen sollten aus Anfragen an Banken im Ausland gestartet werden. Deren Angebote liegen beim Zinssatz häufig deutlich unter den Zinskonditionen deutscher Banken. Vereinbaren Gesellschafter und GmbH Darlehen mit solchen niedrigen Zinssätzen, muss das Finanzamt diese Konditionen akzeptieren.

Achtung: Eine Darlehensgewährung birgt für den Geschäftsführer ein Haftungsrisiko, wenn der Kredit zu einer konkreten Gefährdung der Vermögens- oder Ertragslage der GmbH führt.

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Zinslosigkeit von Verrechnungskonten als verdeckte Gewinnausschüttung

Richtet die GmbH ihrem Gesellschafter ein Verrechnungskonto ein, führt eine fehlende Verzinsung zu einer verdeckten Gewinnausschüttung. Die Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung richtet sich nach der Höhe der Zinsen, die ein Fremder für solch ein Verrechnungskonto bezahlen müsste. Beachten Sie folgende Punkte:

  • Vergibt die GmbH auch an Dritte Kontokorrentkonten, müssen die Zinsen dieser Fremden auch zwischen GmbH und Gesellschafter vereinbart werden.
  • Nimmt die GmbH selbst einen Kredit zur Finanzierung des Verrechnungskontos aus, ist dieser Zinssatz für die Ermittlung der verdeckten Gewinnausschüttung maßgeblich.
  • In allen anderen Fällen ist ein Haben- und Sollzins heranzuziehen, wie er bei einem üblichen Girokonto bei einer Bank anfällt.

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